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Volltext: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 142 und 143)

18 Ferdinand Pfclundler, Piefd 
Hüte mit Federn, Stirnbänder, Turban. Aufge- 
rissene Beinkleider, löchrige Gewänder charak- 
terisieren das „Valk"; Rüschen, Gürtel, Gewand- 
lappen bereichern das modische Bild. Besonders 
interessant sind auch die Gegenstände, die die 
Figuren tragen: die Musikinstrumente Pommer 
und Sackpfeife, Werkzeug (Zange und Hacke), 
achteckige Flasche, Brotbeutel mit Kipfel, Ham- 
melkeule, umgehängte Föustlinge, geflochtene 
Tragtasche mit Werkzeug. Ähnlich interessante 
Details, die manchmal direkte Parallelen zu Fal- 
kenstein darstellen, finden wir im Kreuzweg von 
Wilfersdorf: die Unifarmmütze mit Federbusch 
und runder, kokardenähnlicher Scheibe, den Le- 
dergürtel mit Schnalle und überstehendem Ende, 
zerlumpte und zerrissene Gewänder. Bei den 
Fußbekleidungen fällt auf, daß sowohl die Scher- 
gen in Falkenstein als auch jene in Wilfersdort 
an jedem Fuß anderes Schuhwerk tragen: Stul- 
penstiefel, Röhrenstiefel und Sandalen. Musik- 
instrumente wie Pommer und Sackpfeife finden 
wir in Falkenstein; Querflöte, Geige mit Bogen 
in Wilfersdarf. Viele andere Details bereichern 
das Bild in Falkenstein, Wilfersdarf, aber auch 
in Bisamberg und an Kreuzwegen anderer Orte. 
Aus den bisher genannten Beispielen geht her- 
vor, daß Kreuzweganlagen im Weinviertel, aber 
auch im gesamten österreichischen Raum sehr 
zahlreich sind. Die von mir bisher untersuchten 
Anlagen (etwa 20 in ganz Österreich) vermit- 
telten mir einen guten Einblick in die Bedeutung 
dieser Skulpturen, die sich oft in einem alar- 
mierenden Zustand befinden. Es war für mich 
daher ein besonderes Anliegen, die Kreuzweg- 
anlage meines Heimatortes Falkenstein restaura- 
torisch wie kanservatorisch zu sichern (im Rah- 
men meiner Diplomarbeit an der Hochschule 
Akademie der bildenden Künste, Wien) sowie 
kunstwissenschaftlich und - in bezug auf das 
Liedgut - volkskundlich zu behandeln. Im Zuge 
meiner Beschäftigung mit dem Kreuzweg Pfaund- 
lers gelang es mir, umfangreiches Material zu 
den anderen Kreuzweganlagen des Weinviertels 
zusammenzutragen, das ich in einem eigenen 
Beitrag zu veröffentlichen plane. 
Es ist zu haften, daß die Denkmalpflege unseres 
Landes sich der zahlreichen Kreuzweganlagen 
annimmt, da sie sonst dem langsamen Verfall 
preisgegeben werden. 
Ü Unser Autor: 
Ludwig Neustifter 
Akad. Oberrestauralor 
Cvßvsjerreichisches Museum für angewandte Kunst 
len 
Lehrbekauftragter an der Hochschule Akademie 
der bildenden Künste und an der Universiöt 
Wien. 
Stubenring 5, 1010 Wien 
47
	        

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