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Volltext: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 142 und 143)

Hans Staudacher hat in allen Phasen seiner 
Entwicklung seit etwa 1958 lettristische Einschübe 
in seinen Bildern verwendet. Da diese Ver- 
wendung im Rahmen und mit den formalen Mit- 
teln des „lyrischen lnformels" erfolgte, fehlt ihr 
iene kompositorische Festigkeit, welche die Re- 
lation zwischen Bildinhalt und Wortinhalt bei 
den vom Comic writing beeinflußten Malern zu 
bestimmen scheint. Peter Baum weist darauf hin, 
daß bei Staudacher „das impravisatorische Spiel 
von Linien, Farben und Flecken seine Bereiche- 
rung im Einzug von Buchstaben, Wortfetzen und 
Satzaussagen" erfahref Baum legt Wert auf die 
Feststellung, daß Staudacher diese lettristischen 
Elemente „den kompositorischen Gegenheiten 
strikte unterordnef", was allerdings auch für 
Fink, Chaimowicz und viele andere zutrifft. Cha- 
rakteristisch für den Lettrismus von Staudacher 
scheint uns der Verschmelzungsprozeß, der Ge- 
schriebenes, Gestempeltes und Gemaltes inein- 
ander aufgehen lößt. Für den Lettrismus von 
Staudacher findet man unter den Abbildungen 
des Buches von Peter Baum zahlreiche Beispiele. 
Keineswegs Verschmelzung, dennoch freilich eine 
reziproke Beziehung von Geschriebenem und 
Gemaltem, von Text und Bild, Aussage und 
Form ist die Zielsetzung von Turi Werkner, die 
vor allem seine „Encyclopaedia of Hermit 
60 
Words" (1973) bestimmt, die im Wiener Theseus- 
tempel und auf der österreichischen Ausstellung 
in Edinburgh 1973 zu sehen war. lm Katalog 
der Ausstellung von Edinburgh macht Peter 
Weiermair ein unübersetzbares Wortspiel. Er 
spricht im Zusammenhang mit Turi Werkners 
„Encyclopaedia" von der „sign - nature", der 
figurativen Information, und betrachtet die ge- 
genseitige Durchdringung von Sprach- und Bild- 
information als Charakteristikum der lettristi- 
schen Elemente im Werk des Künstlers. „Sein 
Dictionaire dient dazu, die Beziehung von Spra- 
che und Bild zu untersuchen. Die unterschied- 
lichsten Dinge werden zusammengestellt, um das 
Desengagement der Sprache der Eindeutigkeit 
des Bildes gegenüberzustellen oder das Symbol 
dem imitatorischen Wesen des Zeichens." Die 
Bedeutung der Schrift in den Zeichnungen von 
Othmar Zechyr ist schwer zu durchschauen. Man 
wird fast alle im Zusammenhang mit Chaimo- 
wicz und Staudacher herangezogenen theore- 
tischen Uberlegungen van Wolfgang Faust und 
Peter Baum anwenden müssen, um ihre Rolle als 
informatives und formales Element ganz erfas- 
sen zu können. Kristian Sotriffer nennt den 
Zeichner Zechyr einen „faktenaufnehmenden und 
-verwendenden Proiektierer", dessen Planungen 
und Entwürfe der „Concept art" verwandt sind. 
Sotriffer nimmt allerdings für Zechyr in 
spruch, daß er „präziser und mehr auf 
endung in sich abzielend verfahre als iene 
sich mit der Skizze der ldee und deren verl 
Erklärung begnügen". Die ldeenskizze bl 
für Zechyr der Verbindung von Bild und l 
Beide sind Realisationsformen für Vorsti 
gen, die anders im Augenblick nicht real 
werden können, Die Definition trägt der Tat: 
Rechnung, daß die Notate von Zechyr l 
gangsphasen festhalten. Stets hat er die N 
von anderen Medien, in denen er seine 
iekte verwirklichen möchte. In der Zeich 
findet Zechyr „die Basis, die ihm zufliega 
Gedanken einmal ein- und aufzufangen, 
meln und ordnen zu können... Seine Enti 
genügen sich selbst und werden dahei 
einem Optimum an Einfügungen bereichert 
che die technische Zeichnung ebenso eint 
hen wie die auf eine bestimmte Realisier 
möglichkeit hindeutende Modellentwicklui 
Querschnitten, Grund- und Aufrissen sow 
Funktion gezeigten statischen und bewegter 
pern in Situationsschilderungen, welche die 
litöten auf doppelbödige Weise auf den 
stellen, ohne sie zu verbergen". 
Der Modellcharakter der Zeichnungen vo 
chyr bestimmt auch das Wesen ihres Lettri 
5 Zechyr, „Architektur zur Synekdoche", 196 
der in schwarzer Tusche auf Millimeterp 
Institut zur Förderung der Künste in Oste 
6 Wolfgang Ernst, „Rope line", 1970. Zeicl 
Graphit und Filzstift 
7 Oswald Oberhuber „Oberhuber gibt es - 
Zeichnung, ca. 1970 
Anmerkungen 4-6 
4 Petcr Baum, „Hans Staudacher", Edition Tusch, W 
S Kriston Sotriffer, „Zechyr, Landscapos", mit einen 
kcitalog sämtlicher Zeichnungen 1967-1970 van 1 
Chobot, Usterreichische Graphiker der Gegenwar 
Edition Tuscti, im Verlag Anton Scliroll 81 Cm, W 
München, v3.1. 
'„Zeichnungeri" von Claes Oldenburg mit Textbe 
Katalog einer Wanderausstellung, die vom 14. l 
Z9. 2. 1976 in Wien ZU sehen sein wird [Muse 
XX. Jahrhunderts).
	        

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