MAK

Full text: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 142 und 143)

I Aktuelles Kunstgeschehen I Österreich 
 
Wien 
Museum des 20. Jahrhunderts 
3. Weltausstellung der Fotografie 
Wie bereits die ersten beiden Ausstellungen dieser 
Art stand auch diese wieder unter einem Motto: 
„Unterwegs zum Paradies". Die erste Bildgruppe 
stand unter dem Titel „Unterwegs" und die letzte 
der 28 Gruppen, mit insgesamt 433 Fotos, stand 
wieder unter dem Titel „Unterwegs". Dieses war 
auch das einzige Gemeinsame, das sich in der 
ganzen Ausstellung bemerkbar machte. Schon der 
andere Teil des Titels, das Paradies, wird sehr 
verschieden gesehen. Da gibt es die Gegenüber- 
stellungen: Prozessionen von Nonnen in Polen und 
Arbeiter von Havanna mit einem Wald von 
Che-Guevara-Plokaten, Friedhof und Autokolannen, 
Vermassungen und Vereinsamungen. Hauptunter- 
teilungen waren: „Der Traum vom Paradies", 
„Fern dem Paradies", „Wie reagiert der Menscht", 
„Fixierungen", „Neue Schritte". Neben den 
erschütternden Bildern aus den verschiedensten 
Kriegsgebieten geben die Fotos der Begegnungen 
der Touristen mit den Menschen Afrikas besonders 
zu denken, aber ebenso haben die Fotos eines 
UdSSR-Kindergartens oder die Parade ehemaliger 
Partisaninnen in Sofia eine besondere Seite eines 
vermeintlichen Paradieses gezeigt. Viele gute Fotos, 
wieder von Karl Pawek zusammengestellt, zeigten, 
wie weit der Weg zum Paradies ist und auf welch 
sonderbar verschiedene Art er gesucht wird. 
(s. 91.-19. 10. 1975) - (Abb. 1, 2) 
Galerie Wolkenstein 
Hans Hanko 
Schon lange sah man nicht so viele Arbeiten 
Hankos in Wien in einer Ausstellung. Dieses Mal 
sind einige ganz delikate Graphiken dabei. 
Neben einer Anzahl iener vom Künstler bevor- 
zugten, um Sexualität und Eros gruppierten Themen 
sehen wir hier in einigen der letzten Bilder 
eine neue Problematik aufkommen: die 
Auseinandersetzung mit der Technik. Eine 
vulkanische Wärmemaschine ist hier besonders 
zu erwähnen. 
(1. 10.-15. 11. 1975) - (Abb. 31 
Wiener Secession 
ll. Wiener Graphikbiennale 
Nachdem T972 bereits in Wien eine internationale 
Graphikbiennale erfolgreich abgehalten wurde, 
gelang es nun, leider wegen finanzieller 
Schwierigkeiten um ein Jahr verspätet, eine zweite 
Veranstaltung dieser Art zu organisieren. 
Aus 26 Ländern waren über 500 Arbeiten der 
verschiedensten graphischen Techniken zur Auswahl 
vorgelegt worden. Der Jury unter Vorsitz von 
Hofrat Dr. Walter Koschatzky gehörten Dir. 
P. Baum, Dr. O. Breicho, Dr. E. Mitsch, W. Lindinger 
und H. Sterk an. Der T. Preis wurde Arnulf 
Rainer (Ü), der 2. Valerio Adami (l), der 
3. Christa (B), der 4. Fritz Steinkellner (U) zuge- 
sprochen. Neben Blättern weltbekannter Künstler, 
wie Matta, Shapiro, Tobey, wurden auch iene, 
relativ wenig bekannter Österreicher, wie 
L. Bruckmeier, K. Koller und M. Lechner, gezeigt. 
Erfreulich ist auch eine verhältnismäßig hohe 
Beteiligung von Graphikern aus der UdSSR mit 
sehr wesentlichen Beiträgen. Der Katalog, 
für den niemand verantwortlich zeichnet, ist leider 
etwas fehlerhaft. 
(T2. 6.-27. 7. T975) - (Abb. 4-6) 
Galerie am Graben 
Hans Knesl 
Kleinplastiken, fast ausschließlich Bronzen. Jedem 
dieser Werke merkt man es an, daß sich der 
Schöpfer sehr intensiv mit dem Modellieren 
auseinandergesetzt hat. Es sind also keine 
Übersetzungen vom Stein ins Metall. Es ist ein 
Formen aus der Erde und damit ein Aufbauen! 
Sicher gibt es auch Unterschiede, sehr konzentriert 
sind die säulenartigen Torsi. Bei allen Figuren ist 
die Rundung wesentlich, das Quellende, Bauchige. 
Das gilt auch von den Motiven, mit denen sich 
die Graphiken beschäftigen. Interessant sind in 
66 
diesem Zusammenhang stelenartige Gebilde, die 
eine Anzahl traubenförmige Ausbuchtungen zeigen, 
Körperrhythmen in freier Gestaltung. 
(20. T0.-8. TT. T975) - (Abb. 7, B) 
Historisches Museum der Stadt Wien 
Franz Lerch 
Der T895 geborene Wiener Maler ging T938, seiner 
gefährdeten Frau zuliebe, nach Amerika. Die 
Bilder vor der Emigration, zuerst dem Jugendstil 
und dann der Neuen Sachlichkeit nahestehend, 
waren sicher die besten der Ausstellung. 
Die Unruhe des Lebens in New York spiegelte 
sich in fast allen späteren Werken. Verschiedene 
Einflüsse machten sich geltend. Erst in den späten 
Aquarellen scheint Lerch wieder eine eigene Linie 
gefunden zu haben. 
(3. 7.-7. 9. T975) 
Akademie der bildenden Künste 
Max Gubler 
Der in Österreich leider zuwenig bekannte Schweizer 
Maler (1898-1973) wurde mit einer großen 
repräsentativen Schau vorgestellt. Sein Guvre 
umfaßt allein ca. 2500 Ülgemälde. Er war mit 
Herbert Boeckl seit T924, auch und besonders 
während des Krieges, befreundet. Hauptsächlich 
malte er zuletzt Landschaftsbilder. Um die dreißiger 
Jahre von Picasso und Matisse beeinflußt, waren 
seine Farben zurückhaltend und blaß. Später 
werden sie immer leuchtender und stellenweise 
kühn. Die T945 gemalte Limmatlandschaft setzt 
Akzente, von denen man im Wien iener Tage 
nach nichts ahnte. Expressive Ausbrüche rückten 
manche Bilder nahe an eine Aktionsmalerei, 
doch verließ Gubler nie die Zusammenhänge der 
realen Darstellung. 
(28. 8.-2T. 9. T975) - (Abb. 9) 
Internationales Kulturzentrum 
Tudor Bonus 
Ein phantastischer Realist aus Bukarest, der in 
Berlin lebt. Kupferstiche, Aquarelle, Lithographien 
und hondkolorierte Arbeiten. Sehr exakt gearbeitet. 
Mit viel humanem Engagement. Fast durdiwegs 
nur in zwei Farben gehalten. 
(TO.-30. 9. T975) 
Künstlerhaus Wien 
Plakatausstellung Victor Th. Slama 
Eine informative und wesentliche Schau, zeigte sie 
doch, welche hervorragenden und künstlerisch 
reifen Plakate in den zwanziger Jahren hierzulande 
entstanden sind. Ganz gleich, ob es sich um 
Filmwerbung, um das Angebot einer Zeitung oder 
um Wahlplakate handelte, Slama bewahrte die 
große Linie, immer fiel ihm etwas Besonderes ein. 
Höhepunkt etwa „Der Gefangene von St. Helena", 
ein Filmplakat, „Lazor", eine Sportartikelwerbung, 
„Samum", Zigarettenpapier. Die Zeitungsplakate 
„Der Tag", „Die Stunde". Noch viele könnte man 
nennen. An wieviele erinnern wir uns noch selbst! 
Ein Zeichen, doß sie uns beeindruckten. 
Auch mit etlichen Wahlplakaten der Nachkriegs- 
iahre erreichte Slama iene Spitzen. Im großen und 
ganzen zeigten die Arbeiten der fünfziger Jahre 
eine Verflachung. Gegen die Wahlplakate unserer 
Tage freilich noch geistreiche Einfälle. Ein 
informativer Katalog mit Abbildungen aller 
T44 Exponate lag auf. 
(2. 9.-5.TOT975) - (Abb.T0) A. Vogel 
Galerie Wolfrum 
Michael Coudenhove-Kalergi 
Nachdem der Künstler mehrere Jahre nicht in Wien 
ausgestellt hatte, war er nun in der letztens sehr 
rührigen Galerie Wolfrum mit neuen Graphiken 
und Aquarellen zu sehen. Es ist müßig, MC-K und 
seine spezifische Malweise zu charakterisieren. 
Bei Wolfrum hier fiel auf, daß er, ein Novum, 
sich den Tieren und Blumen zuwendet. Mit 
Baustellen, einem Autotriedhaf, einem sdiweren 
amerikanischen Straßenkreuzer mit Doppelodler, 
steht er mitten in der Gegenwart, überreich und 
skurril die „Floridsdorfer Brücke" (von des 
Künstlers Atelier aus gesehen), unter der ein 
echt-üppiger Coudenhove-Dampfer durchschlieft. 
(8.-3T. T0. T975) n 
Salzburg 
Galerie Welz 
Max Pfeiffer-Wattenphul 
Für den nun 78iährigen Maler, der aus Sachsen 
stammt und in Rom lebt, war das Salzburg nach 
dem zweiten Weltkrieg wichtiger Aufenthalt; 
wichtig nicht zuletzt deswegen, weil viele 
Salzburger Künstler unserer Tage - Herbert Breiter 
oder Rudolf Hradil, um nur zwei zu nennen - ihm, 
der seine Erfahrungen im Bauhaus sammelte und 
mit Klee befreundet war, ihr Fundament verdanken. 
Farbig zumeist von großer Verhaltenheit, lassen 
seine Städtebilder und Landschaften die histori- 
schen Architekturen als „lmpression" erscheinen, 
nur bei einigen Blumenbildern strahlen aus den 
Aquarellen zuweilen leuchtende Farben. Auch diese 
Bilder lassen wieder einmal die uralten geistigen 
Verbindungen zwischen Italien und Salzburg 
deutlich werden. 
(25. 6.-20. 7. T975) - (Abb. TT) 
George Grosz 
Mit fast siebzig Arbeiten - Aquarellen, Zeichnungen 
und Druckgraphik - aus der wichtigen satirischen 
Periode und der Zeit in New York eine bedeutende 
Ausstellung des heurigen Festspielsommers. 
Grosz gehörte in seiner Heimatstadt ab T9T7 der 
Berliner Dada-Gruppe an und erreichte in den 
Jahren bis zur Hochinflation um T923 sein unver- 
wechselbar klossen- und kastenkritisches Profil. 
Man kennt alle seine so „genau" dargestellten 
Typen der Nachkriegsjahre, der Schieber und der 
entwurzelten Militärs, der kleinbürgerlichen 
Spießer und der „moralinsoueren" Heuchler. Die 
Qualität der lronie wie der Bilder scheint aber 
dann nachzulassen, wenn anstatt Sachverhalten 
„Motive" geboten werden, wenn - wie meistens 
heute - Sozialkritik mit Scheuklappenstandpunkt 
verwechselt wird. 
(23. 7.-2T. 9. T975) - (Abb. T2) 
Kunstverein 
Georg Jung 
Nahezu vergessen waren die Werke des gebürtigen 
Salzburgers, des schon zu Lebzeiten (1899-1957) 
viel zuwenig beachteten Malers. T929 war Jung 
Mitglied des Wiener Hagen-Bundes geworden, 
T935 übernahm er nach dem Tad seines Vaters 
ein diesem gehöriges bedeutendes Hotel in 
Salzburg und richtete es nach seinen Entwürfen 
größtenteils neu ein, verkaufte es aber T938 wieder. 
Daneben entstanden sehr gekonnte Werke, 
Porträts, Landschaften, Städtedarstellungen. 
lm März T949 stellte Jung in der „Kunsthalle Wien" 
völlig ungegenständliche Bilder voller farben- 
kräftiger Malerei aus, „die kein anderes Thema 
hatten als das der Beziehung der Farben 
zueinander" und von denen Johann Muschik sagt, 
„daß vor Jung niemand in Österreich etwas auch 
nur annähernd Vergleichbares gemacht hat". 
Aber selbst wenn man dadurch sagen könnte, 
daß die Malerei Georg Jungs als eine österreichische 
Abart des abstrakten Expressionismus aufzufassen 
sei, so scheint es doch - gerade dank dieser 
Ausstellung - in Zukunft notwendig, sich mit dem 
Werk Georg Jungs eingehend zu beschäftigen. 
(25. 7.-30. 8. T975) 
Atelier-Galerie Pointner 
Klaus Straubinger 
Der T939 in VillingenlSchwarzwald geborene und 
in Bremen lebende Künstler überrasdite das 
Salzburger Publikum mit höchst gekonnten Arbeiten, 
die sich in den bewußten Gegensatz zur Sterilität 
des sogenannten „Neuen Realismus" stellen. 
Vital und souverän werden Akt und Landschaft 
beherrscht; eine wichtige Ausstellung. 
(18-30. 8. T975 - (Abb. T3) 
Franz Wagner
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.