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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 144)

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Andrea Palladio, Modell einer Villa 
Andrea Palladio, Modell eines Palastes 
Andrea Palladia, Villa 
Andrea Palladio, Villa Sarego, S. Sofia di Pe- 
demonte (Verona) 
Andrea Palladio, Villa Emo, Fanzolo di Vede- 
lago (Treviso) 
 
Laufbahn des Architekten konnte man es zum 
sozialen Aufsteiger bringen. Ihre Zahl ist ver- 
schwindend gering, und sie sind nur deshalb 
wichtig, weil sie eindrucksvolle Bauten kanzi- 
piert haben und weil sie einen Architekten- 
typus verkörpert haben, den es später nie wie- 
der gegeben hat. Andrea Palladio (1508-1580) 
markiert neben anderen den Höhepunkt des 
Berufsstondes. Als Lehrling und Geselle genoß 
er eine Ausbildung in verschiedenen bautech- 
nischen Disziplinen, wozu auch Fähigkeiten als 
Steinmetz uncl Bauplastiker gehörten. Innerhalb 
einer Bau- und Bildhauerwerkstötte brachte er 
es bis zum Meister. Um dann noch weiterzu- 
kommen, muBten ihm schon Verbindungen hel- 
fen. Durch einen Humanisten und hohen päpstli- 
chen Würdenträger fand er Zugang zur feuda- 
len Klasse. Dieser Mann, G. Trissimo, hielt ihn 
zum Studium der antiken Baukunst an, bevor 
er ihn den venezianischen Großgrundbesitzern 
empfahl, für die er zunächst Landvillen bauen 
durfte. Nachdem er sich in der Provinz fabel- 
haft bewährt hatte, wurden ihm auch Bauauf- 
gaben in der Stadt gestellt. Pallodio löste alles 
zur vollen Zufriedenheit seiner Auftraggeber, 
und von seiner Universalität, die auf handwerk- 
licher Sachkenntnis und theoretischen Grundla- 
gen beruhte, zeugen Kirchen, Schlösser ebenso 
wie Brücken- und Straßenbauten. 
Nach dieser Zeit kommt es zu einem Abbau der 
Kompetenzen des Architekten. Dies geschieht im 
Zuge der Arbeitsteilung und Spezialisierung. Die 
Funktion des Architekten als Bauingenieur und 
Baukünstler spaltet sich schon im 17. Jahrhun- 
dert in zwei Berufsgruppen auf. Der Ingenieur 
erhält die Aufträge zum Bau von Befestigungen 
und anderer militärischer Einrichtungen, wäh- 
rend sich der Architekt auf Bauten im Kultur- 
bereich beschränken muß. Beide waren minde- 
stens gleichrangig. Vielfach kam aber dem ln- 
genieur die größere Bedeutung zu, weil der 
Staat schon rein finanziell dem Militär die wich- 
tigste Stellung einröumte. 
Mit dieser Zweiteilung verschieben sich auch 
die Schwerpunkte der Ausbildung. DieArchitekten 
beschäftigen sich mit ästhetischen Fragen, mit 
Stiltraditionen und wohl auch mit praktischen 
Problemen, weil sie immer noch aus dem Hond- 
werkerstand kommen; die Ingenieure dagegen 
erfahren eine wissenschaftliche, in erster Linie 
mathematische Ausrichtung. Ihr Aufgabenbereich 
nimmt stark zu, weil er auch die Stadtplanung 
und Vermessung umfaßt, während der Architekt 
seine technische Zuständigkeit immer mehr auf- 
gibt. Die rasch zunehmenden Erkenntnisse in 
den Naturwissenschaften eignet sich nicht der 
Architekt, sondern der lngenieur an. 
Die beiden Berufsgruppen stehen einander bis 
heute in kühler Distanz, wenn nicht gar in Feind- 
seligkeit gegenüber. Die Architekten dis- 
qualifizierten die Ingenieure als unempfind- 
Iiche Konstrukteure, ohne Sinn für Maßverhült- 
nisse und Ästhetik. Die Ingenieure dagegen se- 
hen in den Architekten hilflose Dekorateure, 
die sich auf das Verzieren und Ausstatten be- 
schränken sollen, weil sie nichts von der Techno- 
Iogie eines Bauwerkes verstehen. Gewiß gibt es 
auch den Versuch einer produktiven Versöhnung 
zwischen beiden. Er besteht in dem Hinweis auf 
die Tatsache, daß Ästhetik und Konstruktion 
nicht zwei Prinzipien sind, die einander aus- 
schließen, daß das Formale nicht eine Addition 
zur Konstruktion zu sein braucht, sondern aus 
ihr abgeleitet werden kann. 
Eine weitere Entblößung des Architekten hat 
stattgefunden, als er auch seine handwerkliche 
Basis verlor. Die Wunder der Technik schienen 
diese Grundlage entbehrlich zu machen. Nicht 
zu ieder Zeit wurde diese Ansicht einschrän-
	        

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