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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 144)

 
ll Der ottonische Bau der Stadtpfarrkirche 
in Zell am See 
Hofrat Pagitz ist auch Zusammen mit Franz Fuhr- 
mann, Ordinarius für österreichische Kunstgeschichte 
an der Universität Salzburg, und mit Fritz Massleit- 
ner, Kustos für Archäologie am Salzburger Museum 
Carolino Augusteum, eine einwandfreie Interpreta- 
tion iener Grabungsergebnisse zu danken, die an- 
läßlich der im Dezember 1975 abgeschlossenen Re- 
staurierung der Stadtpfarrkirche zum hl. Hippolyth 
in Zell am See unter dem dortigen Fußboden ge- 
macht wurdenÄ 
Ist auch die Restaurierung innerhalb der Mauern 
der Pfarrkirche und also hier auch die Grabung ab- 
geschlossen, sa sind die Forschungen über die ehe- 
malige Doppelkirchenanlage und vor allem über die 
ortsnamengebende „cella" des B. Jahrhunderts im 
ehemaligen „Bisanzio" noch keineswegs zu Ende ge- 
führt. Außerhalb der Pfarrkirche - neben dieser 
stand dicht benachbart bis 1729 bzw. 1770 eine Ma- 
rienkirche - werden die Grabungen in diesem Jahr 
weitergeführt werden (worüber zu gegebenem Zeit- 
punkt ebenfalls in dieser Zeitschrift berichtet wer- 
den wird). 
Durch den Grabungsbefund ist exakt nachgewiesen, 
daß der Bau I an der Stelle der heutigen Zeller 
Pfarrkirche ein langgestreckter Apsidensaal (rund 
8x32 m) mit Krypta und löngsgerichtelen Annex- 
röumen war; diese Annexröume schlossen ebenfalls 
mit Ostapsiden. 
Erzbischof Odalbert (923-935] wählte Zell während 
der unsicheren Jahre zwischen der Niederlage des 
bayerischen Heerbannes bei Preßburg (907) und der 
siegreichen Schlacht auf dem Lechfeld (955) als Zu- 
fluchtsstötte im Gebirge aus, die offenbar auch 
Odalberts Nachfolger beibehielten. Daß an einem 
solchen Ort eine dem Erzbischof von Salzburg wür- 
dige Kirche vorausgesetzl werden kann, bedarf 
eigentlich keiner weiteren Begründung. (Wichtig 
bleibt die Weiterverwendung der Krypta durch den 
stauferzeitlichen Bau, eine turmlose dreischiffige 
Pfeilerbasilika des an diesem Ort vor 1129 und bis 
1216 existierenden Augustinerchorherrenstiftes.) 
Fuhrmann macht darauf aufmerksam, daß man an 
diesem Bautypus, mit dem sich neben anderen Louis 
Grodecki", Walter Baeckelmannt und Hans Sedl- 
mayrs auseinandergesetzt haben, zwei Hauptvarian- 
ten streng unterscheiden sollte; und zwar ienen mit 
quergerichteten und ienen mit längsgerichteten An- 
nexen, die auf ieden Fall niedriger als der Haupt- 
raum sind. 
Selbst wenn den ausstehenden Grabungen nach 
„cella" und Marienkirche kein Erfolg beschieden sein 
sollte, wird allein durch die Erforschung dieses 
ottonischen Kirchenbaues die Stadtpfarrkirche von 
Zell am See zu einem grundsätzlich wichtigen Bau- 
werk der Kunstgeschichte Österreichs. 
3 Ausschnitt aus einer alten Ansicht von Zell am 
See [Salzburger Landesarchiv) mit der Darstel- 
lung der großen Überschwemmung von 1737. 
Neben der Pfarrkirche zum hl. Hippolyth (mit 
der Rundapsis) die alte Marienkirche 
4 Grundriß der Stadtpfarrkirche Zell am See. 
Bau l, vorromanisch, 9.-10_ Jahrhundert 
5 Stadtpfarrkirche Zell am See- Krypta mit auf- 
gehendem ottonischem Mauerwerk 
Anmerkungen 2-5 _ 
lAusführlidie Grabungs-, Freilegungs- und Restaurierungs- 
berichte sind in der durch das Stadtpfarramt Zell am Sao 
zu beziehenden Festschrift [Preis S 100.-) enthalten. 
1 Louis Grodecki, Uarchiteclure ottonienne, Paris 1958. 
'Walter Baeckelmann, Grundformen im frühkarolingisdten 
Kirchenbau des östlichen Frankenreidies, in: Wallraf- 
Richartz-Jahrbuch, 1B, 1956, S. 27-69. 
SHans Sedlrnayr, Mailand und die „croisillans bas", in: 
Festschrift für Eduardo Arslan, Mailand, 1966, S. 113-128. 
Ü Unser Autor: 
Franz Wagner 
5163 MattseelPostfach 11 
35
	        

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