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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 144)

I Aktuelles Kunstgeschehen l Österreich 
Galerie Academia 
Heinrich Heuer 
Die gezeigten rund dreißig graphischen Blätter - 
Gouachen, Radierungen und Mischterhniken - 
erweisen van neuem das hohe bildnerische 
Vermögen Heuers wie seine handwerkliche Brillanz. 
Die organischen Strukturen und der Umgang mit 
Reflexionen aus Traum und Unbewußtem zeigten 
Heuer, wie schon in der Ausstellung seiner Werke 
am gleichen Ort vor zwei Jahren, von seiner besten 
Seite - als konsequent und unermüdlich arbeitenden 
Künstler. 
(Oktober 1975) 
Franz Wagner 
Tirol 
Innsbruck 
Galerie im Taxispalais 
Selbstporträt als Selbstdarstellung 
Im Katalog, der, wie fast immer bei konzeptioneller 
Kunst, Beitrag und Bestandteil der Ausstellung ist, 
wird im Zusammenhang mit dem Selbstporträt von 
privatem Exhibitionismus gesprochen, der in der 
aktuellen Kunst problematisch geworden sei. 
Während aber gerade in den großen Selbstporträts 
der Vergangenheit Exemplarisches und damit auch 
gesellschaftsbildende Konzeptionen ausgesprochen 
wurden, scheinen uns viele Fotoporträts dieses 
Zyklus sehr individuell und oft auch noch Ausdruck 
psychopathologischer Züge zu sein. Echte Versuche 
der Darstellungen ihres Seins scheinen uns iene der 
Friedl Bandy, des Agnetti, Gerz, Oberhuber, 
Parmiggiani und Salva zu sein. 
(14. 10.-5. 11. 1975) - (Abb. 10-12) 
Steiermark 
Neue Galerie 
Graz 
Werke der X. internationalen 
Malerwochen 1975 
42 sehr unterschiedliche Exponate von zwölf 
Künstlern aus Italien, Jugoslawien, Ungarn und 
Österreich. Kanstruktivismus und Neuer Realismus 
beherrschten die Schau. Allein Emilia Tadini schlug 
zum Dadaismus und Loize Logar zur Pop-art aus. 
Als besonders begabten Vertreter des Realismus 
kann man den in Usterreiah lebenden Ungarn 
Stefan J. Gyurko ansprechen. Eine andere Art von 
Realismus vergegenwärtigt Franz Motschnig, 
unmittelbarer, kräftiger, härter und plastischer. Ist 
der eine mehr vom Gedanklichen, so der andere 
mehr vom optisch Geschauten beeinflußt. Ganz 
aus dem Zusammenhang des üblichen Ausstellungs- 
schemas fiel Günter Lierschof mit seinen 
„Gesprächen mit einem Baumstrunk". 
(7.-19. 10. 1975) - (Abb. 13, 14) 
Markus Raetz 
59 Exponate, Zeichnungen, Aquarelle, Radierungen. 
Raetz wird als einer iener Schweizer Maler 
bezeichnet, die international am anerkanntesten 
sind. Bei den ausgestellten Obiekten handelt es sich 
meistens um stenogrammartige Notierungen sehr 
persönlicher Art. Freilich ist bei einigen Blättern ein 
sehr starkes graphisches Gestaltungsmoment zu 
erkennen, meistens liegt aber der Schwerpunkt im 
spielerischen und ist etwa mit den Zeichnungen 
Dostajewskis auf seinen handschriftlichen 
Manuskripten vergleichbar. 
(24. 10.-30. 11. 1975) - (Abb. 15) 
Urs Lüthi 
Arbeiten 1970-1975: zehn Fotos und sechs Offset- 
Iithographien. Lüthi zeigt Lüthi. Bewußte 
Selbstdarstellung des Menschen. Wie in vielen 
anderen Kunstsparten, so scheinen sich auch hier die 
Grenzen zwischen den Disziplinen zu verwischen 
und das Schauspielerisdie und Darstellende zu 
vereinigen bzw. im Schaustellerischen zu münden. 
(24. 10.-80. 11. 1975) - (Abb. 16, 17) 
Rudolf Spahn 
13 Olbilder und 96 Zeichnungen und Aquarelle. 
Siebzig Jahre ist dieser Maler geworden, dann 
starb er und hinterließ allein etwa 2000 Blätter 
40 
seines zeichnerischen Werkes. Er war gegen 
Selbstreklame, in unserer Zeit also auf verlorenem 
Pasten, noch dazu, da er nicht die ieweils 
obligaten Madeströmungen mitmachte. Seine 
Olbilder bewiesen Malqualitöten, die vom 
Expressionismus herkommen, auch surreale Züge 
finden wir. Bei den Graphiken arbeitete er oft mit 
einer einzigen zusammenhängenden Linie einen 
halben Kärperumriß heraus. 
(5. 12. 1975-11. 1. 1976) - (Abb. 18) 
Wettbewerbsausstellung 
152 eingereichte Arbeiten von sehr verschiedener 
Qualität und Ausführung. Der Kunstpreis des Landes 
Steiermark wurde Bernhard Müller für sein 
Dispersionsbild „itika luslal" zugesprochen. Den 
Förderungspreis des Bundesministeriums für 
Unterricht bekam Egon Waltl für das große 
Temperabild „MAN SETZT MIR GRENZEN" und 
ienen der Gesellschaft der Freunde der Neuen Galerie 
Unthink Faktor für eine dreiteilige Fatomontage. 
Die Ulbilder „die irdische und die himmlische liebe" 
von Ferdinand Penker und „flucht in die 
anonymität" von Friedridw Ertl wurden zum Ankauf 
empfohlen. 
(16. 12. 1975-11. 1. 1976) - (Abb. 19) 
Oberösterreich 
Linz 
Neue Galerie 
Ernst Haas 
Nachkriegsreportage des bekannten Fotografen. 
Hervorragende Bilder und Zeitdokumente. Eine 
Schau, die gerade zum dreißigsten Bestehen der 
Republik zu zeigen sehr wichtig war. „Die Fotos 
gliedern sich in mehrere Gruppen: Ruinen, wartende 
Frauen und Heimkehrer, Flüchtlinge und 
Obdachlose, Menschen auf der Straße und 
Menschen, die ihren Hunger stillen." Bilder, die die 
heutige Generation nur von fernen Gegenden, etwa 
Vietnam, zu sehen gewohnt ist, Bilder, die ihr 
vielleicht zu denken geben. 
(23. 10.-15. 11. 1975) -(Abb, 20, 21, 22) 
Club der Begegnung 
Herbert Pasiecznyk 
Bilder verschiedener realistisch gemalter 
Gegenstände in einem isolierten Raum. Ganz banale 
Dinge bekommen einen fast magischen Charakter 
und scheinen Träger eines ihnen fremden Sinnes zu 
sein. Die verhaltene Farbgebung tut nach das lhre 
dazu. Der Einfluß der Surrealisten kann nicht 
verleugnet werden. Mit dem Wiener Phantastischen 
Realismus haben diese Bilder allerdings nichts zu tun. 
(5. 11.-5. 12. 1975) 
Niederösterreich 
Perchtoldsdorf - Galerie Romanum 
Rudolf Kriebaum 
Es ist eine phantastisdie Welt, die uns dieser Maler, 
Autodidakt, und doch schon mit vielen 
Ausstellungen weit über Österreichs Grenzen 
bekannt, hier zeigte. Er arbeitet in einer 
Mischtechnik (Fede eichnung, Spritzverfahren), 
aber auch sehr präzise Radierungen kommen aus 
seiner Werkstatt. Die gezeigten Graphiken 
erinnern an Querschnitte seltsamer Organismen, an 
Materungen floraler Gebilde, an Mikrostrukturen. 
Der Phantasie wird hier auch ein weiter Spielraum 
im Weltall zugewiesen, wo sich Zukunftswelten und 
-wesen gruppieren. 
(1. 10.-28. 10. 1975) - (Abb. 23) 
Mistelbach - Galerie Weinviertel 
Kurt Ammann 
18 große Aquarelle und etwa ebensoviele 
Radierungen. Die Aquarelle entstammen drei 
Zyklen. Da gab es Landschaftsstrukturen, dann die 
Gruppe der Zeichen, man denkt bei ihnen an 
ostasiatische Tuschearbeiten, und schließlich die 
Gruppe der kosmischen Ereignisse. Letzteres Thema 
schneidet Ammann auch immer wieder in seinen 
sehr sauber gearbeiteten Radierungen an. Es ist 
erfreulich, daß auch saldte qualitätsvalle Arbeiten, 
die für das Publikum einer kleinen Stadt (einem 
Publikum, das nicht mitten im zeitgenössischen 
Kulturbetrieb steht) vielfach neue Formen zeigten, 
großes Interesse und auch Käufer fanden. 
(24. 10.-28. 11. 1975) - (Abb. 24) 
Alois Vogel 
Dissertation über Michael Wutky 
Frau Brigitte Kuhn, Marktgraben 1, 6020 Innsbruck, 
arbeitet an einer Dissertation über das Werk des 
Landschaftsmalers Michael Wutky (1739 Krems - 
1822 Wien) und bittet, über Gemälde und 
Zeichnungen im Privatbesitz Nachricht an sie zu 
geben. 
Salzburg, Residenzgalerie 
Vom 1. März bis zum 30. April 1976 werden in 
einer Sonderausstellung der Salzburger Residenz- 
galerie über 100 ausgewählte Blätter aus dem 
graphischen Werk von Oskar Kokoschka gezeigt 
werden. w
	        

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