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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 146)

rganges von Klosterneuburg aus dem be- 
mden 14. Jahrhundert das Bildnis Leopolds 
er faßbar. Leopold ist auch hier bärtig mit 
iie Schultern fallenden Locken dargestellt, 
tldET mit einem pelzgefütterten Mantel und 
1 mit Pelzkrempe versehenen Markgrafen- 
Zur Zeit aber, als diese Fenster von Propst 
ian von Sierndarf kurz nach 1330 in Auftrag 
ben worden waren, führte man im Stift 
ts ein Verzeichnis der Wunder, die sich am 
ie Leopolds lll. ereignet hatten. Die Ver- 
wg des Landesfürsten als heiligmößigen Man- 
rar bereits in breiteste Schichten durchge- 
gen. 
an Leopold aber war es offenbar vor allem 
rich ll. gewesen, der zu dieser Zeit hohes 
hen genoß. Zunächst wohl wesentlich aus 
"atsache heraus, daß er der Sohn und Nach- 
er Leopolds gewesen war. Dann als Grün- 
des Schottenstiftes in Wien und schließlich 
sicher als derienige bevorzugt, zu dessen 
erung Österreich zum Herzogtum erhoben 
len war. Diesem strahlenden Regenten ge- 
te es daher, bartlas, iugendlich in elegan- 
leichten Bewegungen gezeigt zu werden. 
der Zeit um 1300 stammt das wiederum 
1 Typus prägende Glasfenster aus der Pfarr- 
e in Steyr, mit der Darstellung Leopolds Vl. 
.11). 
ursprüngliche Anbringungsort der Scheibe 
mstritten, das Kirchenmodell zu Füßen des 
ogs sowie stilistische Merkmale weisen auf 
tfeld hina. Der Stifter von Lilienfeld, der 
rreiche" Leopold, ist in prächtiger Gewan- 
i in strenger Frontalansicht wiedergegeben. 
ritterliches, aber mildes Gesicht ist von 
en und einem kurzen Bart umrahmt. Den 
znberger-Bildern von Heiligenkreuz, Lilien- 
und Steyrt gemeinsam ist, daß sie alle um 
„Oberhaupt" der babenbergischen Familie, 
kgraf Leopold lll., und seine Gemahlin, die 
che Kaisertochter Agnes, gruppiert sind. Die 
tschätzung dieser beiden, iene von Leopold 
felsohne von Anfang an ob seiner Frömmig- 
die der Agnes wohl aber ob ihrer dyna- 
n so wesentlichen Stellungs, war ausschlag- 
znd für das Aufrechterhalten des Gedächt- 
as der ganzen Familie im Bilde. Die Bildnisse 
er sind zwar ldealbilder, so wie es dem 
;t der Zeit entspricht, weisen aber deutliche 
znprägungen auf, zu denen zweifelsohne 
lrund literarischer Berichte gefunden worden 
habsburgische Herrscher Rudolf lV. schloß 
t nur in der berühmten Urkundenfälschung 
Privilegium maius an die babenbergische 
:he an, sondern betrieb auch mit aller Ener- 
die Heiligsprechung Leopolds, um seinem 
se erhöhten Glanz zu verschaffen. Bildliche 
illen, die von dieser starken Auseinanderset- 
3 mit dem Hause Babenberg zeugen, sind 
'dings aus dem 14. Jahrhundert nicht er- 
en. 
nachdem unter Kaiser Friedrich lll. aufgrund 
is mit Eifer betriebenen Nachvallziehens der 
lankengänge Rudolfs lV. wiederum stark an 
babenbergische Zeit angeschlossen wurde, 
l es zu einer Reihe bildlicher Darstellungen. 
)n um 1460 entstanden zwei Stifterfiguren 
aolds lll. und der Markgräfin Agnes für die 
skirche von Klosterneuburg. Der Markgraf, 
dem Erzherzoghut gekrönt und einem Kir- 
xmodell in der Hand, ist so dargestellt, wie 
lem bis heute gültigen Typus des österreichi- 
in Landespatrons entspricht. Im Zusammen- 
g mit dem Heiligsprechungsprozeß schließ- 
der 1485 sein Ende gefunden hatte, wallte 
i den babenbergischen Heiligen und seine 
iilie dem habsburgisch regierten Volk nahe- 
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bringen. Ein riesiges Triptychan entstand, dc 
historische Grundlage des Ladislaus Suntl 
das „Der läblichen Fürsten und des Landes ( 
reich Altherkommen und Regieren" betitelte 
des dem Hofe verbundenen Genealogen, i 
monumentales Bild umsetztl. 
In seinem mittleren Teil werden in RUfldbl 
Szenen aus dem Leben der männlichen Bi 
berger im Genre und Kostüm des 15. Jah 
derts gezeigt. Den weiblichen Mitgliedern 
die Seitenflügel des Triptychons Vorbehalte 
len Babenbergern, bis auf Leopold V., is 
dem Stammbaum das Fünf-Adler-Wappen 
heutige Landeswappen von Niederösterreicl 
gegeben. In rechtlicher Funktion trat das 
pen zwar erst 1350 im Siegel Rudolfs lV 
war aber auch schon auf den Klosterneul: 
Scheiben der Zeit um 1330 abgebildet w: 
Wie Floridus Röhrig nachweistf, dürfte das 
pen auf einen in Klosterneuburg aufbewr 
Stoffrest", der der Überlieferung nach von 
wande des hl. Leopold stammen soll, zi 
gehen. Folgt man der Annahme, daß der 
rest tatsächlich vom Waffenrock des He 
stammt, so müßte sein Wappen ein blaue 
goldenen Adlern bestreuter Schild geweser 
Das Rundbild mit der Darstellung Leopolc 
dem Babenberger-Stammbaum zeigt den 
grafen, der unter dem hermelingefütterten 
Mantel einen blauen Rock mit goldenen l 
trägt. Das gleiche Adlermuster tragen auch 
Fahne und sein Wappen. 
Der kaiserliche Ratgeber Dr. Johannes Fuc 
gen ließ zwischen 1500 und 1510 einen 
teppich anfertigen, dem Gedächtnis des 
Heiligen gewidmet, ienen selbst bärtig, mit 
grafenkrane, Hermelinmantel, Fahne um 
chenmodell darstellend. Aus Anlaß der ÜL 
gung der Reliquien des Heiligen malte RL 
Frueauf 1505 einen Altar für das Stift K 
neuburg mit Szenen aus dem Leben Leo 
den bereits fixierten Typus des Heiligen mi 
ßem Bart, Hermelinmantel und Markgrafer 
an der Seite von Agnes, die blond, iuge 
die Kaiserkrone trägt, aufrechterhaltend u: 
tont weitertradierendw (Abb. 1). 
Diesem Typus folgt eine Reihe weiterer 
und Skulpturen des frühen 16. Jahrhunder 
derb und von minderer Qualität, aber Z 
für die sich immer stärker durchsetzende 
polds-Verehrung, für die man ein sterei 
Bild gefunden hat, das nur mitunter Steil 
gen erfährt, um Wertschätzung und Zeitbe: 
heit zu betonen. So kann der Heilige die O 
kette vorn Goldenen Vlies tragen, und de 
'melinmantel weicht mitunter einer dem 
schen Geschmack des frühen 16. Jahrhu 
entsprechenden Pelzschaube (Abb. 4), unt 
aber doch der als „babenbergisch" char 
stische Adlerstoff in irgendeiner Weise si 
wird". 
Im weiteren Wandel künstlerischer Entw 
gen erfährt dieser fest geprägte Typus de 
ligen nur stilistische Veränderungen, ok 
schon Kaiser Friedrich lll. mit den Bildet 
gütigen, weißbärtigen Landesvaters nicht i 
standen gewesen war und viel lieber ein 
gendlich wirkenden, bartlosen, kräftig edle 
stentypus gesehen hätte". 
Der in maximilianischer Zeit zu erster Hoi 
gekommene Leopolds-Kult fand zwar duri 
Einbruch der Reformation ein iähes Ende 
wurde Leopold kurz darairf „zum Banner 
der Gegenreformationm], und mit Leo; 
schließlich, immerhin trug nun ein hab: 
scher Kaiser den Nomen des bobenberg 
Markgrafen, kam es zu einem neuen Höh 
der Leopolds-Verehrung. Damit aber auch 
zu einer Reihe, [a eigentlich einer Flut bil
	        

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