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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 146)

Aufenthalt des Franzosen erwähnt. Durch 
richtung eines neuen Hauptschlosses auf 
öhe des Hügels, des Oberen Belvederes, 
der Plan der Gartenanlage vollständig 
ert werden. Es erfolgt quasi eine Rich- 
nderung der Bewegungsabläufe: während 
nglich die Gartenanlage aufsteigend vorn 
n Schloßgebäude geplant war, breitet sich 
er Park in großen Terrainstufen vom be- 
iden Schloßbau in die Tiefe hinunter aus. 
r Überwindung dieser Gelöndestufen spie- 
e Wasser- und Brunnenanlagen eine be- 
ide, wenn nicht dominierende Rolle; aber 
iur im Formalen, auch in den thematischen 
immen der Brunnenanlagen wird eine voll- 
ene gedankliche Einheit erreicht, die heute 
den Verlust einiger Brunnengruppen nur 
invollständig erhalten ist". 
vesentlich ist die Zweiteilung der Anlage 
en oberen und einen unteren Teil. Die 
ing erfolgt durch die untere Kaskade, die 
er figürlichen Ausstattung den niederen 
öttern gewidmet ist. „Diesem Bereich des 
an Elements entspricht auch der grotten- 
Charakter der Architektur mit den berie- 
moosbedecktes Tuffgestein imitierenden 
Verkleidungen. Der Anlage dieser Grotte, 
' die französische Gartenarchitektur in der 
n Hälfte des 17. Jahrhunderts typisch ist, 
icht die aus der Naturalistik des 16. Jahr- 
rts stammende Verwendung realistischer 
n Verbindung mit allegorischen Figuren"". 
lie zwei unteren Bassins (ursprünglich vier) 
H1 diese Thematik auf. Der obere Teil, in 
l Mitte sich die große Hauptfontöne be- 
ist in ihrem Programm auf die Person des 
ggebers bezogen (Apollo- und Herakles- 
s]. Aus dern oberen großen Becken rauscht 
lasser in stufenförmigen Kaskaden hinab 
Anspielung auf den Berg Parnaß, auf dem 
Jsse entspringen. Girard knüpft hier in der 
itik an die Gartenarchitekten der Le-Nötre- 
n. ln der Komposition lassen sich Paralle- 
Vaux-le-Vicomte ziehen, während für den 
tchen Schmuck und die Themenauswahl die 
Ausstattung von Versailles zum Vorbild 
(vor allem die Trennung in erdverbunde- 
ind „olympischen" Bereich und die Ver- 
ing des Apollomythos als Allegorie auf die 
I des Prinzen). Es lassen sich aber auch 
tliche Unterschiede feststellen. So wird an 
des typisch französischen Bassins ein zwei- 
hloßbau gesetzt, und außerdem kommt in 
Parkanlage dem Wasser als verbindendes 
nt eine entscheidende Bedeutung zu, die 
der französischen Gartenbaukunst nicht 
Der eher statischen, rationell durchdach- 
anzösischen steht hier eine dynamische 
10 
 
Vermöhlungsbrunnen. Johann Emmanuel Fischer 
von Erlach, unter Mitarbeit Antania Corradinis, 
1732. Stich von Salomon Kleiner. Wien, l., Hoher 
Markt 
Pravidentiabrunnen. Georg Raphael Donner, 
1739. Zeichnung von Richter, 19. Jahrhundert. 
Wien, l., Neuer Markt 
10 
Gartenanlage wienerischer Ausprägung (sie 
digt sich schon im ersten Entwurf Fischer 
Erluchs für Schönbrunn an) gegenüber. 
Die Gartenanlage von Schönbrunn, wie sie 
heute dem Beschauer bietet, geht im wesentii 
auf Fischer von Erlach und Trehet zurück. l 
noch zeigt sie infolge der wesentlichen Verä 
rungen vom Ende des 18. Jahrhunderts, wie 
sich die künstlerische Auffassung eines P 
im Klassizismus geändert hat. Man gibt ein s 
durchorganisiertes Ganzes zugunsten einer ' 
teiligkeit auf, die teils klassizistisch strenge, 
romantische und auch sentimentale Züge z 
Besonders die Brunnenanlagen tragen di 
neuen Einstellung Rechnung. Seit 1765 wird 
Gesamtönderung des Gartens nach Entwi 
Ferdinand Hetzendorfs von Hohenberg, de: 
bauers der Glariette, vorgenommen". Von 
stammt auch der Entwurf der sogenannten r 
schen Ruine, ein in einem Teich aufgeste 
Bauwerk, welches eigentlich Reste eines P 
phciums darstellen soll. Diese elegisch-sentii 
tale Grundhaltung war im 18. Jahrhundertdi 
aus verbreitet. Die Nymphäen waren in 
Antike die Wohnstötten der Nymphen, r 
Felsquellen, die zu architektonisch gefa 
Schmuckbrunnen oder zu Quellhäusern an 
stattet wurden. Das etwas künstlich Wll'l(4 
Naturgefühl des Klassizismus dokumentiert 
allerdings - wie bei der römischen Ruine 
bloßer Nachahmung solcher Heiligtümer un 
der Verwendung eines einschlägigen Stat 
pragramms. 
1773 erhält Wilhelm Beyer die Oberleitung 
die plastische Ausgestaltung der Parkanla 
Von ihm stammt die Quellfigur des Schi 
Brunnens, die Nymphe Egeria, bei der vor c 
französische Einflüsse verarbeitet wurden" 
Mitarbeiter Beyers, Johann Baptist HOQSTN 
schuf die Figurengruppen der zwei Naia 
brunnen und unterzeichnete 1777 einen eigt 
Kontrakt für einen Brunnen, der ursprünglic 
Parterre aufgestellt war und sich nun im El 
haf befindet. Das Gegenstück dazu wurde 
von Franz Anton Zauner geschaffen, der gai 
der Tradition G. R. Donners arbeitet". Von 
stammt auch der plastische Schmuck der Nei 
fontäne (1780 vollendet], bei der noch Ren 
zenzen an das mächtige Wassertheater 
Fischerschen Entwurfs anklingen. 
Diese Aufzählung macht deutlich, daß im Kl 
zismus die verschiedensten Strömungen ne 
einander existieren konnten, ohne ie die g 
artige Einheitlichkeit des Barocks zu erreii 
Trotzdem haben die vielen verschiedenart 
Brunnen, die wie zufällig in der Parkanlage 
teilt sind, einen eigenen Reiz und weisen be 
auf den sogenannten Englischen Park de: 

	        

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