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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 146)

Grottenbautenm". Künstlich hergestellte 
ittenbauten - die auf diese Weise eine Natur- 
n zu imitieren suchen - tauchen im Laufe der 
bei Brunnenanlagen immer wieder auf, und 
deutet nur ein Sockel mit Rustikaquaderung 
e Herkunft an". 
frühes Beispiel hat sich in Wien im Vestibül 
Palais Dietrichstein-Lobkowitz erhalten. Der 
der Bauzeit um 1685 stammende Herkules- 
inen imitiert eine Felsengratte, in der die der 
chischen Mythologie entlehnte Hauptfigur 
t. Das Wasser strömt aus einer sich unter 
Sockel befindlichen Maske in ein muschel- 
iiges Becken. Die „antike" Grundhaltung 
r solchen Anlage läßt auf italienische Ein- 
te schließen, die sicher auch durch den ita- 
schen Baumeister des Palais, Giovonni Pietro 
:ala, begünstigt wurden. 
die plastische Ausschmückung von Wand- 
tnen ergeben sich ebenfalls ganz andere 
chtspunkte. Während bei den im Stadtbild 
efügten Brunnenanlagen die Freiplastik do- 
ert, muß beim Wandbrunnen die flache 
he oder die ebene Wand gestaltet werden. 
er Aspekt wird oft von den Künstlern noch 
nt. Die Plastik wird in die Fläche geklappt, 
die Szenen entwickeln sich bildparallel; 
afs ersetzen oft die Vollplastik. In den sze- 
ten Zusammenhang wird das Wasser mit- 
ezogen. Auf diese Weise entstehen Kunst- 
e mit bildhafter Wirkung. Wie lebende 
zr erscheinen sie an der Wand, wobei oft 
Wasser die entscheidenden malerischen 
ente setzt. Der barocke lllusionismus wird 
auf die Spitze getrieben, und es sind auch 
allem die Künstler der Barockzeit, die diese 
lichkeiten bei der Gestaltung von Wand- 
nen voll ausschöpfen. 
rster Stelle ist hier G. R. Donner zu nennen, 
im Auftrag der Stadtverwaltung 1740-1741 
Andromedabrunnen im Alten Rathaus 
'". Die fast vollplastischen Gestalten sind in 
ommener Harmonie in das Bogenfeld der 
te eingebunden. Ein von der Aktion her be- 
ntes Moment wird zur allgemein gültigen 
iel. Auch das Wasser nimmt die Kraftlinien 
(ompositian auf und setzt auf diese Weise 
artistische Akzente. Von Franz X. Messer- 
id stammt die Brunnenfigur der Witwe von 
ota im Hof des ehemaligen Palais Liechten- 
in der Johannesgasse". Die in den siebzi- 
Jahren des 1B. Jahrhunderts entstandene 
' stammt aus der Spätzeit des Meisters und 
bereits stark klassizistische Züge auf. Hier 
:is Wasser Bestandteil der biblischen Szene 
' Prophet Elias bittet die Witwe um Wasser 
d wird thematisch mit in die Komposition 
azogen. Die anmutige Figur der Frau, die 
iinem Krug Wasser gießt, ist ein Höhepunkt 
llusionismus. 
n Dominik Fernkorn war der Schöpfer des 
gsbrunnens im Hof des Palais Montenuovo 
er Strauchgasse". 1851 erfolgte die Auf- 
erteilung, 1853 war der Brunnen vollendet. 
Kampf Mensch gegen Tier, eigentlich ein 
ntisches Motiv, wird in barocker Vitalität 
ztrogen. Kennzeichnend sind gesteigerte, 
iische Bewegungen, aber auch hier füllt die 
pe die Nische aus, ohne sie zu sprengen, 
zs ganz ähnlich bei Donner zu sehen ist. 
so wird in der Gesamtanlage und in der 
'ischen Gestaltung der Figuren ein Nach- 
Donners spürbar. 
heutige Aufstellung verfälscht etwas den 
:kter des Werkes, es fehlen vor allem der 
Jngliche Rustikosackel und der steinerne 
tentrag. Abschließend ist noch zu bemer- 
daß aufgrund dieser Arbeit die endgültige 
agserteilung für den Guß des Reitermonu- 
 
27 Wandbrunnen. Valentin Teirich, 1873. Buntgla- 
sierte Maiolika. Wien, I., Österreichisches Mu- 
seum für angewandte Kunst, Süulenhat 
2B Zimmerbrunnen. Hans Muhr, 1976. Marmor. Pri- 
vatbesitz 
 
ments für Erzherzog Karl auf dem Wiener 
Heldenplatz erfolgte. 
Eine kleinere Gruppe von Wandbrunnen be- 
schränkt sich auf rein ornamentale Ausgestal- 
tung. Die dekorative Verkleidung der Brunnen- 
nischen besteht aus grotesken, phantastischen 
vegetabilen und tierischen Formen, wobei oft 
eine männliche oder weibliche Maske als Was- 
serspeier fungiert. Diese Art der Dekoration, die 
in der italienischen Renaissance ausgebildet 
wurde und sich auf antike Quellen stützt, findet 
man vor allem bei kleineren Wandbrunnen, die 
der Ausschmückung eines größeren baulichen 
Ensembles dienen. 
Als Beispiel hiefür seien die zwei Wandbrunnen 
an der Akademie der Wissenschaften genannt. 
Die um 1755 entstandenen Brunnen verquicken 
tierische und pflanzliche Elemente zu einem dem 
baulichen Ensemble untergeordneten Ornament. 
Eine besondere Ausprägung dieser Dekorations- 
kunst findet man im 19. Jahrhundert bei dem 
Maiolikabrunnen des Österreichischen Museums 
für angewandte Kunst". Die von V. Teirich 1873 
geschaffenen Brunnen lehnen sich bewußt an 
Formen der italienischen Frührenaissance an. 
Die buntglasierten Ziegel, die wasserspeiende 
Maske, die phantastischen Tierformen und die 
Groteskornamentik der Seitenpfeiler erinnern an 
florentinische Werke des 15. Jahrhunderts und 
unterstreichen so den Gesamtcharakter des Ge- 
bäudes. ln diesen Brunnenanlagen hat der Hi- 
storismus einen seiner Höhepunkte erreicht. 
V. Tischbrunnen 
Von den an den Fürstenhöfen so beliebten Tisch- 
brunnen sind leider nur mehr fragmentarische 
Beispiele erhalten. „Tischbrunnen gehören zu 
den im Mittelalter sehr beliebten ,Mirabilien', 
kostbaren Spielzeugen, die um ihrer zierlichen 
und kunstreichen Form und ihrer sinnvollen Me- 
chanismen bewundert wurden. Sie standen viel- 
fach inmitten der Tafeldekoration und dienten 
zum Vergießen von Parfüm oder Wein"". 
Als Beispiel für diese Art von Brunnen kann der 
silberne Lustbrunnen gelten, den Wenzel Jam- 
nitzer 1581-1585 für Kaiser Rudolf II. anfertigte". 
Von diesem Kunstwerk sind heute nur mehr die 
vier Trögerfiguren, die die vier Jahreszeiten 
personifizieren, erhalten, der Rest wurde im 18. 
Jahrhundert eingeschmolzen - ein Schicksal, dem 
die meisten dieser kostbaren Tischdekorationen 
zum Opfer fielen. Nach einer Beschreibung 
eines anonymen Studenten befand sich innerhalb 
eines kronenförmigen Aufbaus ein ganzer Kos- 
mos, dessen einzelne Teile durch die Wasser- 
kraft bewegt wurden. 
Allerdings sind diese Tischbrunnen Randerschei- 
nungen, kostbare Spielereien, die in keiner Weise 
auf die Entwicklung der Monumentalbrunnen 
entscheidenden Einfluß nehmen konnten. 
In neuerer Zeit hat sich vor allem die Kitsch- 
industrie der Gattung der Tisch- und Zimmer- 
brunnen angenommen. Von einer kontinuier- 
Iichen Entwicklung kann also nicht gesprochen 
werden, trotzdem versuchen Künstler vereinzelt, 
diese alte Kunstgattung wieder aufleben zu las- 
sen. Ein Beispiel des Körntners Hans Muhr soll 
am Ende dieser Abhandlung gezeigt werden 
und so die Verbindung zur Moderne herstellen. 
L] Unser Autor: 
Dr. Gabriele Gubitzer 
Kunslhistorikerin 
Vorgortenstraße B7 
1200 Wien 
29
	        

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