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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 147)

(indischen Künstlers auseinandergesetzt hat, 
ia damals schon seit seiner Teilnahme an 
Ausstellung der Münchner Sezession von 
l in Deutschland bekannt war. Zu seiner 
l entstandenen, 1898 abgebildeten Zeichnung 
winx" hat Toarop folgende Erklärung verfaßt; 
zse Zeichnung ist eine aus der Reihe, die dem 
3en Entwurf" vorausgegangen ist. Die 
inxfigur steht mitten auf einem Kampfplatz. 
erste Frauenfigur drückt das jungfräuliche 
angen aus, die zweite Figur das Nach- 
ken und die Reflexion. Die dritte Figur, die 
Sphinx umarmt, ist die zur Tat gewordene 
exion. Die liegende Figur soll die Ohnmacht 
die Schwäche darstellen. Links im Hinter- 
id befindet sich eine Kathedrale aus den 
en, als das christliche Gemeinschaftsleben 
1 schön war. In der Nähe zwei Figuren, von 
:r Aureole umgeben, die die heilige Liebe 
stellen. Rechts im Hintergrund die zerbröckelte 
he dieser Zeiten mit zwei kämpfenden Fi- 
an draußen, die die Revolution der gesell- 
iftlichen Zustände symbolisieren"? 
ist fraglich, ob dieser Inhalt, wie er von 
rop als Erklärung zur Abbildung seiner 
:hnung in „Bouw- en Sierkunst" dargeboten 
de, Klimt ganz bewußt geworden ist. Die 
ere Ähnlichkeit seines Gemäldes „Pallas 
ane" mit der Darstellung von Toarop ist 
nfalls unverkennbar. Groß ist die Überein- 
mung der beiden Gesichter in der nach- 
:klichen Frontalität, in der Physiognomie und 
kusdruck. Der Verlauf der Linie, den Wangen, 
enhöhlen, Brauen und der Nase der Sphinx 
ang, ist mit dem Ausschnitt des Helms der 
as Athene sehr vergleichbar. In beiden Dar- 
ungen wird das Bild knapp über den Köpfen 
egrenzt (im Gegensatz dazu sieht man in 
„Pallas Athene" von Stud( den ganzen 
aau des Helms). Der Schuppenpanzer der 
as Athene von Klimt erinnert an die Schup- 
am Körper der Sphinx. Die kleine Aktfigur 
ler Hand der Pallas Athene läßt sich mit 
kleinen Figuren neben und unter der Sphinx 
erbindung bringen. 
H im inhaltlichen sind Übereinstimmungen 
zustellen. Sowohl Toarop als auch Klimt 
en an sich erkennbare Motive aus ihrem 
zils historischen oder mythologischen Zusam- 
hang gerückt und haben sie so kombiniert, 
ichmal sogar deformiert, daß ein ganz eigen- 
diger, suggestiver Inhalt entstanden ist. Beide 
gorien verkörpern ein Programm, das eine 
en die Gesellschaft gerichtete Kritik enthält. 
Toarop ist wie in mittelalterlichen Darstel- 
ien das Geschehen im Vordergrund eine 
illele für die Szenen im Hintergrund (auch 
e Art der Zeichnung ist dem Stil von mittel- 
rlichen Miniaturen ähnlich]: der Sinnlichkeit 
l die Reinheit, der Zerbröckelung der eigenen 
ellschaft die religiöse Einheit der Vergangen- 
gegenübergestellt. Die Kritik von Klimt läßt 
unmittelbarer aus der Darstellung ablesen; 
as Athene erhebt sich gegen diejenigen in 
Gesellschaft, die der Entfaltung der wahren 
st im Wege stehen. Wie in der „Sphinx" 
st eine Kampfszene auf negative Kräfte hin. 
aeiden Füllen wird der Kontrast zwischen 
rfüllter Wirklichkeit und Utopie symbolisiert. 
einer Entstehungszeit hatte das Bild „Pallas 
ene" die Bedeutung eines Manifests. Die von 
it nach dem Gemälde entworfene graphische 
aung erschien zum ersten Mal auf dem 
schlag des Heftes des 3. Jahrgangs von Ver 
rum (1900), wurde danach mehrmals als 
1ette und als Plakatrnotiv verwendet und ist 
te noch als Emblem der Secession in Ge- 
JCh (Abb. 8). 
leich kann „Pallas Athene" als die erste 
 
5 Franz von Stuck, Plakat für die Vll. Internatio- 
nale Kunstausstellung in München 1897. Münch- 
ner Künstlergenossenschaft im Verein mit der 
Secessian 
6 Kampf zwischen Herakles und Triton. Flächen- 
proiektian einer griechischen Vasenmalerei (nach 
E. Gerhard) 
Jan Toorop, Sphinx, 1893. Bleistift, 30,5 x 37,5 cm 
Gustav Klimt, Umschlagzeichnung für die Zeit- 
schrift der Secession „Ver Socrum", l9D0lHeft l 
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[l Unser Autor: 
Drs. Marion Bisanz-Prakken 
Kunsthistorikerin 
Schwarzgrubersiedlung 9 
2391 Koltenleutgeben, NU 
gemalte Allegorie von Klimt betrachtet werden, 
die trotz des verhältnismäßig kleinen Formats 
den monumentalen Stil der Fokultätsbilder (1900- 
1903) ankündigt. ln der Zeit, die der Entstehung 
dieser Bilder vorangeht, zeigt schon das Blatt 
„Tragödie", das Klimt 1897 für die Serie „Alle- 
gorien, Neue Folge" zeichnete, den strengen 
Aufbau großer Flächen und deren parallele 
Schichtung an der Oberfläche, die Betonung von 
Horizontalen und Vertikalen, den Kontrast 
zwischen statischen Flächen und bewegten Linien 
und die selbständige Rolle des Ornaments. In 
der „Tragödie" bildet, wie ein Jahr später in 
„Pallas Athene", eine hieratisch frontale, unnah- 
bare Frauengestalt die Hauptfigur des allego- 
rischen Themas, und im Hintergrund ist auch 
dort eine friesartige, sehr wahrscheinlich von 
einer griechisch-archaischen Vasenmalerei über- 
nommene Szene dargestellt. 
Alle diese Kennzeichen sind in „Pallas Athene" 
weiterentwickelt worden. Neuartig ist darüber 
hinaus die Anwendung des Goldes in vielen 
Nuancen und lebendigen Strukturen und die 
Art, wie dieses mit den anderen Farben kombi- 
niert wurde. Durch die dominierende Farbe 
des Goldes wird die sakrale und zugleich durch 
den Gegendatz zu der kleinen, zarten Aktfigur 
betonte respektgebietende Wirkung der Göttin 
gesteigert. Noch weiter als in der „Tragödie" 
geht in „Pallas Athene" das täuschende Spiel 
mit lebender und nichtlebender Materie: die 
kleine Aktstatue, die Maske und die bewegte 
Szene im Hintergrund „leben" fast mehr als 
die Hauptfigur selbst. 
lm Laufe der neunziger Jahre zeichnete sich im 
Werk von Klimt der allmähliche Versuch ab, 
sich von der Tradition der Ringstraßenzeit, in 
der er ausgebildet worden war, zu lösen. „Pallas 
Athene" vertritt am deutlichsten das Suchen 
nach neuen Formen. Dafür wurde bezeichnen- 
derweise auch die Vorliebe für die strenge, 
flöchenhafte griechische Archaik charakteristisch, 
die nun die klassischen oder hellenistischen Vor- 
bilder ablöste. Nicht nur in der Form, sondern 
auch in dem neuartigen, vom Symbolismus von 
Toorop abgeleiteten Inhalt bildete „Pallas Athe- 
ne" einen Ausgangspunkt für die eigene Ent- 
wicklung einer monumentalen Kunst. 
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