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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 147)

auch als Wiederherstellung der Schöpfung, 
Beginn der Weltzeit" steht, schließen sich 
Ing und Ende dieses Zyklus zusammen, der 
I formal durch die alle Bilder durchziehenden 
lschaft des Hintergrundes verbunden er- 
int. Die Wiedergeburt zum ewigen Leben 
h Christus wird noch symbolisch durch den 
den Flammen auferstehenden Phönix in der 
zelzone unter dem Taufbild angedeutet. 
r den Türen der Nordseite, von denen iede 
Dotierung 1536 trägt, waren noch 1839 die 
er der Heiligen Georg und Antonius des 
iedlers zu sehen gewesen. Beide verdanken 
Anwesenheit in diesem Zyklus vor allem 
Tatsache, daß sie Patrone von Goldegg 
. Während das Potrozinium der Pfarrkirche 
Beorg ist, findet sich auch auf dem 1965 auf- 
eckten Fresko in der Pfarrkirche von 1330 
Darstellung des hl. Antonius des Einsied- 
5. Auf die Einsamkeit des Einsiedlers spielte 
l auch die Darstellung des Einhorns auf 
Türe unter seinem Bild an. Der in extremer 
zürzung gemalte Narr mit der Armbrust auf 
zweiten Türe entspricht einem Typus, der 
zum ersten Mal in einer Erlanger Hand- 
hnung (Erlangen, Univ.-Bibl. Bock Nr. 12) 
dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts 
lweisen lößt, und u. a. auf der Kreuzigung 
Meisters der Benediktbeuerner Kreuzigung 
der Marter des hl. Sebastian des Hans 
s von 1501 (beide München, Alte Pinakothek) 
ehen ist. Hatte der Narr in dieser Zeit die 
e des Warnenden übernommen", beson- 
in reformatorischen Flugblättern, so wird 
e Eigenschaft durch das drohende Zielen 
jeden im Rittersaal noch gesteigert. Der 
ysisch bedrohte Beschouer fühlt sich auch 
isch getroffen"" und wird erlebnismüßig in 
27 Goldegg Rittersaal, Nordseite, Lot und seine 
Töchter, Kain und Abel, Sündenfall (v. r. n. I.) 
28 Goldegg, Rittersaal, Nordseite, der verlorene 
Sohn, Narr (Türe), lsaak und Jakob, reicher 
Prasser und armer Lazarus (v. r. n. I.) 
29 Goldegg, Rittersaal, Nordseite, Jüngstes Gericht 
und Auferstehung 
30 Goldegg, Rittersaal, Nordseite, Christus und 
Petrus am Meer, Bergpredigt, Taufe Christi 
Anmerkungen 24-29 
es. Schiller, lkonogrophie der christlichen Kunst l, Güters- 
lOlt, 1967, s. 138. 
ß Beide Heilige genossen in dieser Zeit besonders als 
Ritterheilige eine große Verehrung: St. Georg als ldecll 
kämpferischer Tugenden, Antonius d. E. als besonderer 
Patron des Ritterstandes und als Vorbild der Ritter. 
u Z. B. Lukas van Leyden, der Narr als Worner vor dem 
lodreren Lebenswandel der Maria Magdalena, Kupferstictl 
von 1514. 
2' K. Rathe, Die Ausdrucksfunktion extrem verkürzter Figu- 
ren. Studies of the Warburg Institute, Vot. B, London 
1933, S. 19 ff. 
"Vergl. E, Guldan, U. Riedinger, Die protestantischen 
Deckenmalereien der Burgkapelle auf Strectiau, in: Wie- 
ner Jahrbudl für Kunstgeschichte XVlll, Wien 1960. 
S. 29-86. - R. Lieske, Protestantische Frömmigkeit im 
Spiegel der kirchlichen Kunst des Herzogtums Württem- 
berg, München 1973. 
1' Die Meisterfrage der Malereien ist hier bewußt aus- 
geklammert worden. 
Ü Unser Autor: 
Dr. Wolfgang Steinitz 
Kunsthistorisches Institut der Universität Salzburg 
Zillnerstraße 6 
5020 Salzburg 
die Bildsphöre einbezogen; es wird eine persön- 
liche Stellungnahme „erzielt". 
In diesem Zyklus wurde, wie eingangs erwähnt, 
ein reformatorisches Programm vermutet. Dies 
läßt sich nur in gewissem Maß nachweisen, denn 
alle Bildthemen, die hier gemalt erscheinen, gab 
es bereits im kirchlichen Kunstschaffen vor der 
Reformation, es wurde hier auch nicht auf die 
Darstellung von Heiligen (Georg, Antonius d. E.) 
verzichtet. Trotzdem scheint in der thematischen 
Akzentuierung protestantische: Gedankengut 
wirksam geworden zu sein, ohne ausgesprochen 
programmatisch in Erscheinung zu treten. Neben 
dem Dominieren des Christologischen finden sich 
hier Repräsentanten des Gesetzes (Moses) und 
des Evangeliums (Johannes d. T.), Vorbilder 
begnadeten Glaubens (Abraham - lsaak,Hl. Drei 
Könige), das Wirken der Gnade (Pouli Bekeh- 
rung), die Strafen der Sünde (Sodom, Jüngstes 
Gericht) u. s. f., also zentrale Themen der sich 
in diesen Jahren entwickelnden protestantischen 
lkonographie und lkonolagie. Aber erst in spö- 
teren Jahren werden in protestantischen Pro- 
grammen etwa die Aspekte der Verkündigung, 
Gesetz und Evangelium, oder Beispiele der Sün- 
de und der Gnade in polaren Kompositionen 
programmatisch dargestellt". 
Das sicher nicht ganz einheitliche Programm des 
Rittersaales von Galdegg vereinigt also die Ver- 
bildlichung der Reichsidee mit einem Manifest 
christologisch-heilsgeschichtlichen Gloubensver- 
ständnisses und mit den Leitbildern ritterlichen 
Lebens. Christoph Graf zu Schernberg hat als 
Auftraggeber in einer Zeit der großen Krise 
dieser Werte ihnen monumentale Gestaltung 
verliehen und - bezeichnend für den durch Koi- 
ser Maximilian geprägten Humanismus - sich 
zugleich ein Denkmal errichtet". 
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