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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 147)

ln seinem Werk „Ringstraßensymphonie" schil- 
dert Fred Hennings unter dem Motto „Das 
Wandern ist des Denkmals Lust" Übertragungen 
von Monumenten der Wiener Innenstadt, wie 
etwa der Ritt des bronzenen Marschalls Radetzky 
vom Platz Am Hof auf den Stubenring oder des 
marmornen Mozart empfindsame Reise aus 
dem Umraum der Staatsoper in den Burggarten. 
Waren es früher oft rein geschmacklich oder 
historisch motivierte Erwägungen, die solche 
Transferierungen von Plastiken und einzelnen 
Bauteilen bewirkten, so diktierten während unse- 
res Jahrhunderts meist zwingende äußere Um- 
stände den „MarschbefehV; Kriegsschäden, Ver- 
lagerungen, Abbruch von Gebäuden, Verkäufe 
und manche abenteuerliche Wendungen. Gleich- 
sam Schicksale in Stein und Metall. Namentlich 
zwischen Wien und Niederösterreich kam es zu 
einem häufigen Austausch. Die folgenden Be- 
obachtungen ergaben sich bei zufälligen Ent- 
deckungen oder auf gezielten „Wünschelruten- 
gängen" des Autors, der für jeden weiteren 
Hinweis zum Thema dankbar wäre. 
Als markantes Wegzeichen kennen Autofahrer 
den sandsteinernen Markuslöwen am Straßen- 
rand von Laxenburg. Dieses heraldisch getrimmte 
Tier hat noch den Lokomotivenruß unzähliger 
Züge im Rachen, ist es doch eine emeritierte 
Giebelfigur des zerstörten alten Wiener Süd- 
bahnhofs. In der jetzigen, weniger „gehobenen" 
Position, kaum mannshoch über dem Asphalt, 
soll der geflügelte Leu an die historische Süd- 
route nach Venedig erinnern. Sein ebenfalls den 
Bomben entgangener Bruder verharrte im ange- 
stammten Revier. Er wurde vor dem neuen 
Südbahnhof aufgestellt. 
ln Laxenburg findet sich überhaupt ein breit 
gestreuter Wiener Statuenhain. Ein Hauptstück 
daraus ist freilich längst wieder in die Stadt 
„repatriiert". Als Franz Anton Zauner die Arbeit 
am Reiterdenkmal Kaiser Josefs ll. begann, goß 
er zunächst ein unterlebensgroßes Modell. Bis 
 
Markuslöwe. Giebelfigur vom alten Wiener Süd- 
bahnhof. Derzeit in LaxenburglNiederösterreich 
Geländer der demolierten Wienflußbrücken, der 
Elisabeth- und Tegetthoffbrücke und „Stein- 
trümmer" unbekannter Herkunft in der Villa Lo- 
renz in Altenberg an der DonaulNiederösterreich 
Marmorkopie von Canovas „Drei Gruzien". Vor- 
mals im Garten der Villa Gutmann in Gießhübll 
Niederösterreich, derzeit in Wien 6, Mittel- 
gasse 16 b 
Allegorische Kalossalstatue, 19. Jahrhundert, 
vermutlich von einer Wiener Donoubrücke. Der- 
zeit vor dem Salzburger Kommunalfriedhot. 
Sandsteingruppe „Raub der Sabinerinnen" aus 
dem Park des Schlosses Thürnthal (Wagrom- 
straßelfNiederösterreich. Wurde nach 1918 von 
Max Reinhardt in den Garten von Leopoldskron 
noch Salzburg gebracht. Seit kurzem im Park 
des Schlosses Klesheim 
auf geringfügige Einzelheiten gleicht e 
der später geschaffenen Figur vor der N 
bibliothek, dem ersten Werk des inlän 
Monumentalgusses in Bronze. Bei Hof fai 
der kleine erzerne Imperator würde s 
in den Laxenburger Park passen. Und 
er, von lebenden Pferden gezogen, auf 
Mini-Roß durch die lange Allee SÜdWt 
zum Sommersitz Franz' l. Nach einig 
wurde er aber zurückgeholt. Seither s 
in Schönbrunn, in einem schlichten Gevic 
Eingang zum Botanischen Garten. 
Dafür kamen die phantastisch gehar 
barocken Marmorskulpturen habsbu 
Herrscher von Peter und Paul Strudl a 
Schloß Belvedere in die Laxenburger Fr 
burg und dort, irn Milieu himmelblauer 
meiergotik, überdauerten sie alle Wech 
Anno 1839 wurde auf Initiative des 
Ferdinand von auswärts Karl Vl. in die s' 
Genealogie eingefügt. Diese Figur stan 
Prag, Matthias Ferdinand Braun, der bed 
Bildhauer des böhmischen Barock, hatte 
sprünglich für ein ouf der Moldaubrücke 
tiertes, aber nie ausgeführtes Denkn 
schaffen. 
ln der Franzensburg gibt es übrigens no: 
zweiten Zweiten Josef. In Bleiguß, aus de 
statt Moll, zeigt er sich nicht antik ge" 
sondern in Uniform mit Dreispitz, auf c 
Levade erhabenen Pferd. Die Aufstell 
Waffensaal ist zwar eine üllVeflfüUll 
keineswegs glückliche Lösung. Anfang 
dieses Denkmal in der Nähe des „Blauen 
und dort, unter freiem Himmel, sollte n 
wieder einen gebührenden Platz zuweis 
so eher, da Molls kavalleristischer Vol 
stilistisch viel besser in die theresianische 
anlage passen würde als in das rorn 
Ambiente des „Rittergaues". 
Schließlich ist noch eine historistische So 
stotue des Markgrafen Leopold zu eri
	        

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