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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 147)

Notizen 
 
Aachen - Neue Galerie 
„Feldzeichen." Solche, seine Zeichen der Zeit, 
versuchte Hannsiörg Voth seinen Zeitgenossen in 
einer an künstlerischen und verwandten Aktionen 
so trächtigen Zeit unter Publikumsossistenz hier auf 
einen stadtnohen Bühel zu setzen. Er erntete damit 
einen „umsägenden" Erfolg. Ein Dorf und 
Herbeigeeilte reagierten baß sauer auf das, was 
man ihnen hier eingrub und somit aufrichtete. 
Vielleicht sollten wir zur Ehrenrettung dieser 
ehrboren Bürger sagen, daß es schwierig ist, 
Aktionen, die dem besseren Verständnis gegen- 
wärtiger Kunstäußerungen dienen möchten, zu 
verstehen, weil sie weit und weiter sich entternend 
vom „schönen", begreif- und deutboren „Bild" 
von Kunst un-verständlich wirken. Voths „Feld- 
zeichen" aber, deren Aufrichtung, griff direkt in 
die Alltagsrealität. Des Bauern oder Landmanns. 
Voth wollte mit diesen von Tüchern und Seilen 
umwickelten und verknoteten Stämmen im Quadrat, 
vier an der Zahl, jeder an 30 Meter hoch, den 
Einfluß von Klima und Wetter registrieren. Diese 
„gesetzten" Zeichen auf dem Feld aus 
lmponderabilien und Materialien des Menschen auf 
der Scholle ähnelten gewiß manchen „natürlichen" 
ähnlichen Zeichen, die der bäuerliche Alltag gebar, 
reden wir aber nicht von Vogelscheuchen! Lehnte 
sich dagegen der Unwillen der Angesprochenen 
auf? Warum? - Verschandelung, Beschimpfung, 
angedrohte Ordnungsstrafen, ein Rattenschwanz 
von Mißdeutung bis Reinhaltewillen, im Gefolge 
der intermittierenden Aktion. Feldzeichen, das 
beschwört lmoginatianen, tief verwurzelte, von 
hehren, unantastbaren Zeichen, etwa dem Vexillum 
über römischen Legionen, aber auch von solchen 
über eigenen gedemütigten, geschlagenen Heeren 
unseres kriegslüsternen Jahrhunderts. Voths Zeichen 
also eine Verunglimpfung, dahinweisend? - Wir 
meinen wienerisch-secessionistisch: „Der Zeit ihre 
Kunst, (aber) der Kunst (doch) ihre Freiheit" - und 
dabei wäre der Begriff „Feldzeichen" doch so richtig 
gelegen und auch unbefangen zu verstehen 
gewesen. - Geschehen um Aachen zwischen 29. 5. 
und 12. 6. 1976. Ein Dokumentationsband, betextet 
von Wolfgang Becker und anderen Autoren, wurde 
vom Institut für moderne Kunst, Nürnberg, her- 
ausgegeben (Abb. 1). 
Düsseldorf - Galerie Vömel 
Zeichnungen und Graphik von Horst Janssen waren 
vom 10. 5.-l5. 6. 1976 in der Königsallee IZOFKö-Center 
zu sehen. Janssen, Hamburger, 1929 geboren, 
gelingt es immer wieder, durch verzerrende 
Anatomien seiner figuralen Welt und mit straffster 
graphischer Akkuratesse der Gegenwart ihre Typen 
zu entreißen (Abb. 2). 
Duisburg - Wilhelm-Lehmbruck-Museum 
Diese faszinierenden, umweltreflektierenden, über- 
glatten Obiekte eines Brancusi, ultramodern, 
futuristisch im echten Sinn, lassen nicht ahnen, daß 
dieser bereits im 19. Jahrhundert, 1876, geboren 
wurde. Wiederkehr des 100. Geburtstages dieses 
großen Rumänen feiert man heuer, der neue 
Gesetze im Bereich der Plastik des 20. Jahrhunderts 
schuf durch die Entmateriolisierung. An den 
spiegelglatten Oberflächen seiner Obiekte rutschen 
„begreifende" Hände ab, diese Objekte sind - 
bisweilen epigonal nachgeahmt - schlechthin perfekt 
in ihrer DurchformungfMan hatte hier genügend 
Zeit, vom 11. 7.-5. 9. 1976, Constantin Brancusis 
Größe in Plastik wie in Zeichnung zu erleben (Abb. 3). 
Karlsruhe - Badisches Landesmuseum 
und Kunsthalle 
Noch bis 10. Oktober zeigt das Badische unter der 
Patronanz der lCOM „Kunst und Kultur der 
Kykladeninseln im 3. Jahrtausend v. Chr.". Man 
beschäftigt sich erst kurze Zeit mit dieser in-der 
internationalen Archäologie als Randkultur 
abgetonen Kunst und Kultur der Kykladen - genauer 
seit Mitte der fünfziger Jahre -, basierend auf 
Christian Zervos Buch, das er dieser widmete. 
Inzwischen aber haben gezielte Grabungen und 
auch Zufallsfunde reiche wissenschaftliche Ausbeute 
gebracht. Vor allem griechische, englische und 
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amerikanische Archäologen konnten den Beweis 
erbringen, daß die Kykladenkultur sowohl die 
Ausbreitung der ägäischen Kultur, ober auch 
bestimmend der europäischen Kunst den Boden 
bereiten half. Jürgen Thimme im Verein mit elf 
internationalen Wissenschaftlern hat in einem 
der in letzter Zeit so in Mode gekommenen Katalog- 
Wälzer von über 600 Seiten alle Aspekte der 
Kykladenkultur in Wort und Bild beleuchtet, wichtig 
für iene, die nicht mehr nach Karlsruhe kommen 
können. 600 Exponate, darunter Glanzstücke aus 
dem British Museum, dem New Yorker Metrapolitan 
Museum, dem Pariser Louvre, den Berliner Museen 
und internationalem Privatbesitz, zu gut zwei 
Dritteln noch nie gezeigt, haben Anteil an einer 
weiteren Belebung dieses interessanten iungen 
Forschungszweiges. 
Zur abgelaufenen „Feuerbach-Ausstellung" ist nach- 
zutragen, daß in der Staatlichen Kunsthalle unter 
dem Titel „Die Karlsruher Kunstszene zur Zeit 
Feuerbachs" der Malerei in Karlsruhe von 1850 bis 
1870 eine kleine Parallelexhibitian gewidmet war. 
Auch hier für Verhinderte oder zu spät Gekommene: 
ein Katalog mit über 350 Seiten, acht Abhandlungen 
und reichem Bildmaterial hält diese erste wesentliche 
Feuerbach-Ausstellung seit 1929 fest. Pasthum zur 
Freude seiner Stiefmutter, die sich vor genau 
100 Jahren, 1376, bitterböse bei dem Wagner- 
Dirigenten Hermann Levi beklagte: „ln hundert 
Jahren wird er ein großmächtiger Künstler sein, 
... ietzt aber muß er sein schönes, armes Leben 
verzappeln in der Misere des alltäglichen Unver- 
standes . . ." Wem sagt(e) sie das, die Gute... 
(Abb. 4). 
Köln - Aus den Stadtmuseen 
„Römische Kleinkunst - Sammlung Löffler." Diese 
vom 9. 7.-19. 9. 1976 im Römisch-Germanischen 
MuseumlGroßer Hörsaal veranstaltete Ausstellung 
erhob stellvertretend für ähnliche Unternehmungen 
die Frage noch der Bedeutung dieser oder anderer 
privater Sammlungen. Museen können nur ent- 
sprechend ihrer finanziellen Mittel sehr gezielt 
sammeln, sie sind Konzepten und Statuten 
verpflichtet, letzten Endes aber mit der hohen 
Potenz hervorragender Wissenschaftler, denen 
Sammeln für die Öffentlichkeit oberste Verpflichtung 
auch zu höchstqualitativer Selektion ist. Der private 
Sammler, meist auch Liebhaber - oder beides in 
einer Person -, agiert da eher in einem zwanglosen 
Erwerbsklima, zur eigenen Freude, wohl auch 
Leidenschaft. Museum und privater Sammler in 
Objekten vereint, ermöglichen ein reicheres, oft 
lückenloseres Bild einer Kunstgattung, eines 
Spezialbereiches zu geben. Das sollte auch diese 
Ausstellung unter Beweis stellen, die römische 
Kleinkunst in den Bereichen Glas, Keramik, Metall, 
Edelstein, Marmor und Bein zeigte, gleichzeitig 
aber auch die unterschiedlichen Religionen der 
römischen Welt sichtbar machte. 
Das Museum für Ostasiatische Kunst verzeichnet 
zwei auf einer Auktion erworbene Neuerwerbungen. 
Eine große Wasserkanne von besonders seltenem 
Typus (iapanisch suibyo), die im ausgeprägten 
Ritual des Buddhismus Verwendung findet. Diese 
Wasserkanne des Typs vom Berg Shiki, nach dem 
an dem iapanischen Schrein Oyamazumi-iinia 
aufbewahrten Kannenpaar benannt, stammt aus 
der Kamakura-Zeit (1186-1336) und hat ein Gegen- 
stück in der Freer Gallery, Washington. Das zweite 
Obiekt ist ein großer Topf aus Porzellan mit 
kobaltblauem Dekor in Unterglasur. Im 30. Jahr der 
Kaiserära Wan-li entstanden, das ist 1602, stellt sie 
ein wichtiges Dokument und eine Hilfe für die 
Dotierung späterer Ming-Porzellane dar. Leider 
ohne Henkel, trägt der Topf eine lange Aufschrift 
und figürliche Szenen mit Gestalten des taoistischen 
Pantheon. 
Kölns Graphikfreunden, ebenso allen interessierten 
Besuchern und vor allem Studenten, ist nun wieder 
Gelegenheit geboten, in Ruhe Handzeichnungen 
und Druckgraphik des 15. bis 20. Jahrhunderts am 
Original zu betrachten. In der Graphischen 
Sammlung wurde der bisherige provisorische 
Ausstellungsraurn umfunktioniert in einen neuen 
Studiensaal. 
Kopenhagen - Glashütte Holmegard 
Ein für eine Glashütte wohl seltenes Jubiläurr 
feierte in Kopenhagen iene von Holmegord,l 
wovon wir ietzt erst Kenntnis erhielten. 150 J: 
überdauerte diese älteste Glashütte Dänemar 
und gab mit der Präsentation der neuen Glas 
„Banquet" von ihrem ungebrochenen Lebens- 
Schoftenswillen Kunde. Teamwork, im döniscl 
Kunstgewerbe großgeschrieben, zeichnet auc' 
diese letzte kreierte Jubiläumsserie verantwo 
Kylle Svonlund, Sidse Werner, Per Lütken unc 
Michael Bang. 
Mexiko - Tane 
Unter dem Titel „Arte Obieto" versammelte r 
eine Reihe von Miniatur-Skulpturen vorwiege 
mexikanischer, aber auch zweier europäischei 
Künstler: Gerda SpureylOsterreich und Carlo 
Schweiz. Die Mini-Kreationen dieser Obiect-c 
sind aus Silber, einem für Mexiko charakteris 
Metall, das in der Welt des Schmucks und den 
Edelmetalle bevorzugt verwendet wird. Entwi 
aus den traditionellen Konzeptionen, sind die 
modernen Schöpfungen als solche ekzessibli 
ihren Verwendungsmöglichkeiten. Wir erfahrt 
auf diese Weise, daß die bisher im Ehe-Depp 
agierende Wiener Porzellanmacherin Gerda 
neuerdings dem Silber huldigt. 
München - Handwerksptlege in Bayeri 
Etwas verspätet notieren wir eine Ausstellung 
Thema Formensprache, die hier im Mai drei 
Künstler: Susanne BalleisenlSchmuck - Horst 
Stauber Glas - Erika SteinmeyerlWandteppic 
vereint auftreten ließ. Bolleisens Schmuckgest 
ist naturhaft vegetabilisch und stark „iugends 
Stauber ein exzellenter Formen- und Material 
mit wirklicher Linie, Erika Steinmeyer einfühl: 
bildhafte Mittlerin zwischen bolivianischen ln 
und Europäern mit ausgeprägter Textilsprach- 
München - golerie biedermann 
„Antoni Topies - Die Praxis der Kunst" war c 
Titel einer Ausstellung, die Werner Schmalenl 
am 9. Juni 1976 in Anwesenheit des Künstlers 
eröffnete. Bilder, Gouachen, Zeichnungen, Gr 
Bücher des prominenten Katalonen und die 
Präsentation seines Buches unter dem Ausstel 
titel, erschienen im Erker-Verlag, St. Gallen, g 
dem Münchner Publikum Gelegenheit, sich 
eingehend über Antoni Topies zu orientieren, 
eigenständige, profilierte grafische Handschri 
und Kunsterfahrungen und -erkenntnisse zu et 
(Abb. 5) 
London - British National Gallery 
London Press Service unterrichtete uns offizie 
davon, daß die British National Gallery ein 
Gemälde von Gustav Klimt von einer Schweiz 
Privatsammlung erworben hat. Das 1904 entst 
Bild ist ein Porträt von Hermine Gallia mit de 
Maßen 170,5 x 96,5 cm. Die ohne Foto übermii 
Nachricht läßt uns dieses sicher nicht so sehr 
bekannte Gemälde hier leider nicht zum 
Abdruck bringen. 
Nürnberg - KunsthallefNorishollel 
U-Bahnhof 
An drei Stellen präsentierte man vom 28. Mai 
26. September 1976 die Schau „Schuhwerke - 
Aspekte zum Menschenbild". Zur Anlockungr 
Besuchers kündigte man an: „Sie sehen Filme 
hören Musik, trinken Bier. Bitte ziehen Sie die 
Schuhe an, die Sie am liebsten mögen." Wie 
der Mensch mit seinem Schuhwerk „verwochsi 
ist, offenbart das Plakatsuiet: ein Paar Mens: 
füße, die ab dem Rist in den Schott hoher 
Männerschuhe münden, verwachsen, „eins" w 
Vier Vorträge taten ein Übriges, dieses publik 
nahe Thema zu erläutern: „Schuh-Werke- 
DefinitionWWilhelm Salber, „Der Schuh - I 
geheimnisvolles ZeichenWFaul Weber; „Mag 
und die FolgenWClaus Corte und „Der Schuh 
Motiv in der Pop-art"lHeinz Beck. Der Norm: 
biirger, der im täglichen Trottauf-Trottab das
	        

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