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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 148 und 149)

5D lassen konnte. Die Verabsolutierung der 
tlerpersönlichkeit wurde bei ihm wie bei 
iamp oder später bei Ben Vautier in dessen 
Jtre totale" (1963) ironisch und polemisch 
eben. Es ging darum, den Mechanismus bür- 
cher und herkömmlicher Kunstdefinitionen 
:hte zu machen, die nur das als Kunst gel- 
assen wollten, was die Form des gerahmten 
es oder der mit einem Sockel versehenen 
ik hatte und im Museum ausgestellt wird. 
zoni signierte 196i zwei Aktmodelle in grie- 
her Pase als „opere d'arte vivanti", fügte 
Echtheitszertifikot hinzu und stellte sie aus. 
entlich ist hier das Moment der Travestie, 
lerlebendigung einer als ideal konzipierten 
. Der Italiener Luigi Ontani hat die Pose, 
er er sich selbst als Bacchus darstellt, als 
iafte Vergegenwärtigung eines idealen 
st realisiertt. 
Beginn einer registrierbaren Kunstgeschichte 
an Künstler immer wieder ihren physischen 
psychischen Zustand, ihr Verhalten selbst- 
iachtend registriert. Es war dies ein Prozeß 
hmender Wahrnehmung vorerst seiner 
t, dann seiner Umgebung, dann seiner 
t im Verhältnis zu dieser Umgebung und 
zßlich und endlich der Beziehung zwischen 
und seiner Umgebung. Vor allem der letzte 
ich gerät immer mehr in das Blickfeld der 
iachtung des gegenwärtigen Künstlers, der 
e Umgebung durch das perzeptive System 
er Sinne, seines Körpers erfährt. Es geht 
er mehr um eine Befragung der Realität, 
nur der Prozesse der Außenwelt, sondern 
iie Untersuchung der Art und Weise, wie 
"e Erfahrung zustande kommt. 
ler effektiv gewordene Verlust der Verfüg- 
eit über das eigene Leben, über die Summe 
r Äußerungen und Eigenschaften, kommt, 
lusion der Verfügbarkeit sublimiert, auf den 
elneri zurück. Die Illusion der Verfügbarkeit 
uziert die Gesellschaft dank der ständig 
ichsenden Anhäufung von Konsumwaren, 
elber das in unendlich viele Teilungen ver- 
te Leben vertreten. Den Verlust der Verfüg- 
ait als käuflich und koufenswert zu sugge- 
1 ist die Funktion von Ersatzbedürfnissen, 
amit zugleich die Illusion der Verfügbarkeit 
uzieren. Auf dem Gebiet der Kultur erreicht 
landel mit der Ware „Leben" ihre immerzu 
allste Sublimierung. Die kulturellen Medien 
die Zukunftsmusik der autonomen, ideologi- 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
9 
I0 
ll 
Günter Brus, „Vienna Walk" [von der Polizei 
estoppt). Wien, 1965 
Rudolf Schwarzkogler, Aktion, 1965 
Günter Brus, Zerreißprobe Aktiansroum I., Mün- 
chen, 1970 
Hermann Nitsch 
Anmerkungen 1-5 
unmittelbaren Kärpergefühls, des Verhält 
von Erinnerung und unmittelbarer Erfal 
von Abbild und Realität. Leben und Kunst 
den nicht wie bei Manzoni polemisch i 
fiziert, sondern kritisch hinterfragt. Der Kü 
versucht die Realität, seine eigene physische 
lität, zu befragen, um zu einer neuen Unr 
barkeit zu gelangen. Der Künstler realisie 
seine Weise, daß der Mensch in einer ihn 
fremdeten Welt lebt, in der er die Verfüg 
gewalt über sein eigenes Leben verlorer 
Aus den Arbeiten werden freilich keine idei 
schen, programmatischen Inhalte ableitbar 
gesellschaftskritische Eigenständigkeit bev 
die Werke durch die bewußtseinskritische 
schauung des Bedingungsnexus bestehende 
hältnisse. 
Andy Warhol war einer der ersten Pop-Kü 
(vielleicht auch der einzige), der die Bildpr 
tion zugunsten der Dokumentation der Re 
aufgab. In seinen frühen Filmen „Eat", „S 
„Kiss" ging es ihm um die simple Dokumen 
realer Ereignisse, welche frontal, ohne Ver 
rung des Kamerastandpunktes aufgenoi 
wurden. Gerade der kunstlose, bewußt anc 
Aufnahmestil wurde für die Dakumentatio 
„Aktionen" wesentlich. „Die Starre befällt 
nur das Obiekt und die Kamera, die es 
schlingt, sondern gleichermaßen die eigen: 
ralisch engagierte Aufmerksamkeit". W: 
„Eat" und „Sleep" sind damit Aufzeichni 
elementarer Ereignisse, deren Reprodi 
durch die Verwendung der frontalen Kamer 
der identischen Zeit (Filmzeit und reale Zei 
identisch) gesteigert wird. In dem Film , 
1D 
steigert die Variation einer Kußszene mit i 
selnden Partnern ähnlich wie in Hueblers „l 
tion Piece" die Vorstellung vom Kuß in: 
griffliche des Küssens. Huebler erreicht durc 
Dokumentation (mit Hilfe von Aufnahmen] 
schiedener Reaktionen auf seine Auffordi 
zu lachen eine Generalisation des Begriffes 
chen". 
Der verstorbene österreichische Aktionist R 
Schwarzkogler redete von einer Kunst de 
generierten Erlebnisfähigkeit. „Kunst als f 
torium, als Lebensritual. Kunst als Purgat: 
der Sinne. Dem zivilisatorischen Begriffs 
rinth stellt der Künstler seine idiotisch einfr 
Konstruktionen gegenüber. Kunst als Eselsb 
zur Wirklichkeit," Emanzipatorische Selbsti 
rung und Selbsttätigkeit als Aktion oder Pi
	        

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