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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 148 und 149)

figuren (Abb. 1, 579) stehen die sogenannten 
„Callot-Zwerge" der Wiener Porzellanmanufok- 
tur Augarten (Abb. 3) mit jenen der alten Wie- 
ner Porzellanmanufaktur (Abb. 2) in einem direk- 
ten Zusammenhang. 
Als die Manufaktur Augorten 1923 gegründet 
wurde, war eine ihrer wichtigsten Zielsetzungen 
die Wiederaufnahme und Fortführung der-Tra- 
dition der „k. k. Aerarial-Manufoktur". Man ver- 
stand darunter die Wiederverwendung alter Mo- 
delle, Formen und Dekore. Zahlreiche figurole 
Modelle, darunter vor allem die „Catlot-Zwerge" 
und viele Wiener Kaufrufe, wurden von der 
Manufaktur Augarten meist noch Alt-Wiener 
Vorbildern aus der Porzellansammlung des 
Österreichischen Museums für angewandte Kunst 
kopiert. 
Es ist in einigen Füllen möglich, die Originale 
der Wiener Manufaktur und die Kopien von 
Augarten einander gegenüberzustellen (Abb. 2, 
3). Nicht nur die Form, sondern auch die Far- 
bigkeit wurde übernommen, soweit dies möglich 
war. Bekanntlich unterliegen Porzellonfarben im 
Brand gewissen Veränderungen, so daß das 
exakte Kopieren einer bestimmten farbigen 
Nuance nahezu unmöglich ist. 
Besonders bemerkenswert sind diese Augarten- 
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Figuren in unserem Zusammenhang, da sie nicht 
nur auf die Alt-Wiener Modelle zurückgreifen, 
sondern auch eine Marke tragen, die sich von 
der heute bekannten Augarten-Marke (Binden- 
schild mit Krone und Beischrift Wien oder Au- 
garten) deutlich unterscheidet: ein eingepreßter 
Bindenschild, darüber ein W mit Punkt (I Wien], 
die eingepreßte Modellnummer (ab 100 bzw. ab 
1000 für die Zwergenfiguren) und die übergla- 
surbloue Bezeichnung: „Erster Brand 20 Vlll 
1923" (Abb. 4]. Es wurde bereits darauf ver- 
wiesen, daß der Porzellansammler nicht nur 
durch Fälschungen, sondern auch durch Verfäl- 
schungen getäuscht werden kann. Dies geschah 
sehr oft dadurch, daß skrupellose Verfälscher 
die ursprüngliche Marke der Porzellanmanufak- 
tur entweder entfernten oder veränderten und 
den Bindenschild zusätzlich anbrachten oder eine 
dem Bindenschild ähnliche Marke von charakte- 
ristischen Zutaten „befreiten", um Hinweise auf 
die Manufaktur, die das Porzellan hergestellt 
hatte, zu verwischen. 
Dies wurde bei Tausenden Porzellonen des spü- 
ten 19. und frühen 20. Jahrhunderts so gehand- 
habt: Marken wurden mit einem Goldfleck über- 
deckt, unliebsame Zeichen abgeschliffen, der Bin- 
denschild zusätzlich angebracht. 
 
11 
10 Jagdgruppe nach einem Modell van Oudry, 18. 
Jahrhundert, Sevres, Biskuitparzellan. Manufac- 
ture Nationale de Sevres 
11 Jagdgruppe nach dem Modell Abb. 10. Glasier- 
tes Porzellan, vermutlich 2. Hälfte 19. Jahrhun- 
dert. Bez.: unterglcisurblauer, imitierter Binden- 
schild, Firmenmarke von Samson, vgl. Abb, 12. 
Oberösterreichisches Jagdmuseum, Schlaf} Ho- 
henbrunn 
12 Unterseite der Gruppe Abb. 11 
13 Detail der Gruppe Abb. 11; 
Jägers 
linker Fuß des 
Die Gefahr späterer Verfälschung besteht auch 
bei den Augarten-Collot-Figuren, da bereits ein 
Fall bekannt wurde, wa eine solche Augarten- 
Figur von allen „überflüssigen" Zeichen befreit 
wurde, um als alte Wiener Figur ausgegeben 
zu werden. Nur mehr die ausgeschliffenen Stel- 
len bilden dann Verdachtsmomente, denn alles 
andere - Modellierung, Farbigkeit usw. w stimmt 
(a mit den Vergleichsbeispielen des Österreichi- 
schen Museums überein. Manchmal vergißt der 
Verfölscher jedoch wesentliche Zeichen. Für die 
frühen Augarten-Figuren sind das W und die 
Madellnummer (Abb. 4) ebenso charakteristisch 
wie für alte Wiener Porzellane des 18. Jahrhun- 
derts uncharakteristisch. 
Ein sehr schönes Beispiel falscher Zuschreibung 
durch eine nicht authentische Marke stellt eine 
Jagdgruppe aus weiß glasiertem, unbemaltem 
Porzellan dar (Abb. 11-13). 
Die Unterseite dieser Gruppe (Abb. 12) zeigt 
zwei unterglasurblaue Marken: den Bindenschild 
und ein Zeichen, das aus zwei einander kreu- 
zenden spiegelgleichen S besteht. Seit dem Be- 
ginn des 20. Jahrhunderts ist die letztgenannte 
Marke als Zeichen von Samson in Paris bekannt. 
„Samson, the imitator" - diese Charakterisie- 
rung trifft auf eine Pariser Firma zu, die seit der
	        

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