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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 148 und 149)

Anmerkungen 1-4 
lF. Anzelewsky, Albrecht Dürer, Das malerische Werk, 
Berlin 1971, S. 159. ln diesem Buch Katalogangaben und 
Literaturverzeidlnisse auch für die anderen hier genann- 
ten Dürer-Gemälde. 
'Dazu iedach K. Oettinger und K.-A. Knappe, Hans Bal- 
dung Grlen und Albrecht Dürer in Nürnberg, Nürnberg 
1963, S. 119 (Knappe). „Die Zugehörigkeit zu Dürers 
Paumgartner-Altar  ist sehr fraglich"; s. 21 r. (omin- 
ger]: Zelt_der Trennung Herbst 1505 bis Frühiahr1507. 
Iurspriingiich wohl niederländisch angeregter; s. Paatz 
a. Anrn. 4 a. 0., s. 691. 
'A. Hümmerle, Der Pappenheimer-Altar im Dom zu 
Eichstötl, Eichstütt 1956; Die Kunstdenkmäler van Bayern 
V 1, Stadt Elchstatt, bearb. v. F. Mader, München 1924, 
S. 744;  Paatl, Süddeutsche Schnitzaltäre der Spöt- 
gotlk, Heidelberg 1963, S. 67 ff.; RDK V, Sp. 924, 926. 
2 
Hypotheses non fingo, 
sagt Isaac Newton 
Auf Dürers Paumgartner-Altar in der Alten Pi- 
nakothek zu München stehen die Innenseiten der 
Flügel mit den großen Einzelfiguren zum Mittel- 
bild rnit Christi Geburt in einem starken Gegen- 
satz. Dieses ist betont „bildhoft" in dem Sinne, 
wie das Wort für den damaligen Dürer anzu- 
wenden ist; in sich verschränkt, dadurch viel- 
teilig und unauflösbar zugleich, ganz ein Stück 
Welt in seinem Zusammenhang, seiner Tiefe und 
der klaren komplizierten Ordnung ihrer Dimen- 
sionen, an jeder Stelle „voller Figur". Die Flügel 
enthalten große, statuenhafte Gestalten, die das 
Bildformat gerade faßt. Wie neuerdings bekannt, 
ist für den hl. Georg auch eine Statue, die Dü- 
rer auf seiner ersten italienischen Reise gesehen 
hat, Vorbild gewesen, Tullio Lombardis Schild- 
halter vom Grabmal Andrea Vendramin in SS. 
Giovanni e Paolo zu Venedig, Berlin, vollendet 
1494l95'. Stark in ihrer vollen Dreidimensiona- 
litöt herausgearbeitet, wobei die hart schim- 
mernden Rüstungen, die Drehung von Körper 
und Fahnen, das plastische Sonderwesen iedes 
Teils ihre Rolle spielen, stehen sie vor dem völ- 
lig schwarzen Grund, der „nichts", nur Folie ist, 
weder Natur noch Goldgrund, aber ihre fest 
bestimmte Gestalt heraushebt. Auch der kahle 
Boden mit einigen Steinen ist mehr Standfläche 
als Umwelt. Zwar hat Dürer schwarzen Grund 
schon früher bei Porträts verwendet, und die 
Flügelaußenseiten des Paumgartner-Altars mit 
Mariä Verkündigung haben, wie die innen, 
Schwarzgrund und kahlen Boden, ohne solche 
plastisch selbständigen Figuren (sowie Hans Bal- 
dungs Schwabacher Tafeln der Heiligen Katha- 
rina und Margarete, die vielleicht die Stand- 
flügel von Dürers Altar warenf, schwarzen 
Grund und spärlichen Rasen). Aber hier bei 
geöffneten Flügeln stehen die statuenhaft Her- 
ausgehabenen dem „Bild" unmittelbar gegen- 
über. Die Annahme hilft nicht weiter, daß Mit- 
telbild und Flügel in der Entstehungszeit um 
einige Jahre auseinanderliegen. Das Spätere 
mußte sich auf das Frühere beziehen; der Gegen- 
satz isl beabsichtigt. 
Was den Paumgartner-Altar inhaltlich besonders 
auszeichnet, ist, daß die Flügelfiguren Ritterhei- 
lige sind, genauer milites christiani, Georg und 
Eustachius (bekanntlich die Portraits histories 
von Stephan und Lucas Paumgartner). Sa stehen 
sie wie Statuen neben dem Mittelbild, das als 
Malerei den Schrein vertritt. Eine Gruppe süd- 
deutscher" Altäre ist bekannt, bei denen an den 
Schmalseiten außerhalb des Schreins die plasti- 
schen Figuren von Ritterheiligen angebracht sind, 
als die „Wächter" der bildhaften Kontraktion 
von Kirche, die der neue große Retabelaltar ist. 
Das Motiv der Abwehr am Kirchengebäude sollte 
einmal zusammenhängend behandelt werden; 
es reicht von den Engelaltären auf karalingischen 
Westtürmen und Westwerken, die beim Streit 
um die Entstehung des Westwerkes eine Rolle 
spielen, über die karolingischen Sagenhelden 
am Domwestportal von Verona um 1139, die Rit- 
ter als öußerste Gewöndefiguren an Portalen in 
Chartres und Magdeburg, natürlich die Portal- 
löwen, bis zur Fassade der Michaelskirche in 
München mit den den Glauben schützenden Für- 
sten unter Christus, mit St. Michael im Kampf, 
und bis zu den Bildern an der inneren Eingangs- 
wand barocker Kirchen, wie der Tempelreinigung 
oder dem Helidor Solimenas in Gesü Nuovo zu 
Neapel. Die Ritterheiligen am Altar reichen auch 
bis in den Barock, so am Hochaltar der Franzis- 
kanerkirche in Salzburg von J. B. Fischer von Er- 
3 Albrecht Dürer, Paumgartner-Altar: hl. Georg, 
Geburt Christi, hl. Eustachius. Bayerische Staats- 
gemäldesommlungen, München, Alte Pinakothek 
Anmerkungen 5-8 
5N. LRclsma, Der Multscher-Altar in Sterzing, Bozen 1963, 
m. it. 
"Vgl. W. Pinder, Die Kunst der ersten Bürgerzeit, Frank- 
furt 1951, S. B5 ff., 54 ff. 
r Unter den Zeichnungen die einer nackten Frau auf Kugel 
in einer Nische von 1498 [Winkler l 1936, 1541, die Studie 
zur Mater dolarosa (ebd. 150] und die Studie zur Lu- 
kretia (s. u.l. Begleitet werden solche Werke seit der 
ersten italienischen Reise in Zeichnung und Druckgraphik 
von Entwürfen oder ldealentwürfen für Statuen, Statuet- 
ten, Denkmäler, kunstgewarbllche Gegenstände mit Fi- 
guren und von statuarisdl (aber nicht „wie Statuen") auf- 
gefaßten Elnzelfiguren. 
'W. Stechow, „Lucretiae statua", Essays in hanaur at 
Georg Swarzenski, Chicago-Berlin 1951, S. 114 ff. Studie 
von 1508, Winkler l 1936. 436.
	        

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