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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 150)

"Reuererkirche, Würzburg, GlS Leihgabe der Bayerischen 
Staatsgemäldßsummlung. Das Bild wurde als das wert- 
vallste der Kirche zusammen mit einer Caruvaggia zuge- 
schriebenen Geburt Christi 1800 der kurfürstlichen Zentral- 
emöldegalerie geschenkt. 
" gt. Paul in Altenerding, Oberbayern, s. a. 
z" Kapuzinerkirche St. Anton, München. 
11 oder Degler, die Überlieferungen widersprechen sich iri 
diesem Fall. Waagen hält das Bild in seiner Monographie 
w. ein eigenhändiges Werk Walffs, Ludwig Waagen, 
Aridrede Wolff, GÜrtZbUfg im. 
11 Van Rittershauseri, Die vornehmsten Merkwürdigkeiten der 
Residenzstadt Miirieiieri tiir Liebhaber der bildenden Kün- 
ste, München 172a, s_ a3 r. 
1' Stiftung des Hachaltares GlS Siegesvotiv ridrii der Schlacht 
am Weißen Berg im. 
1- Beide waren durch große Halztatelbilder in der FFOUEH- 
kirche vertreten. Die Verklärung zweimal in Bildern des 
späten 16. Jahrhunderts, die deutlich auf Raffaels Trans- 
figuralian Bezug nehmen (Depot des DlÖZESGHITIUSSUITIS]. 
Die Himmelfahrt Mariens im Hochaltar. 
im Kirchengewand, unid der Apostel Jakob mit 
dem Pilgermantel, vor ihm das Evangelium des 
Matthäus; diese scheinen voll Tiefsinn, in großen 
Gedanken verloren. Hier zeigte Wolf, daß nicht 
allein die Grazien ihm löchelten, sondern, wenn 
er geboth, auch vom dunkeln Olymp donnerte. 
Über die täuscherude Einfalt der Natur, mit wel- 
cher diese Männer wirklich da sind, gebiethet 
eine Seelenstärke von ihren Angesichtermwelche 
vor iedem Tyrannen unerschüttert bleibt." 
Das Bild hebt als Hauptereignis aus dem Leben 
des hl. Rupert die Begründung der Wallfahrt von 
Altötting heraus. Der Heilige stellt die Gnaden- 
tigur auf einen Altartisch, der mit dem Medaillen 
einer Kapellenansicht geschmückt ist und unter 
welchem die Trümmer heidnischer Götzenbilder 
liegen. Im Buch, das der Engel hält, stehen die 
Worte „Tibi te ipsam" [Dir Dich selbst], mit wel- 
chen der Vorgang der Weihe an Maria zusam- 
mengetaßt wird. Maria ist, begleitet von zahl- 
reichen Engeln, herabgekomrnen, um die Weihe 
anzunehmen. 
Ober- und Unterbild des Rupertialtars sind 
ebenfalls im Diözesanmvseum ausgestellt, wie 
überhaupt zu den meisten der aufgezählten Sei- 
tenaltarhauptblöttern Predella- und Auszugsbild 
erholten sind. 
Drei der Predellenbilder verdienen besondere Be- 
achtung, ein bethlehemitischer Kindermord von 
Jacopo Amigoni, die Predella des Englischer- 
Gruß-Altares von Joachim Sandrart. Sie zeigt 
zwischen den Heiligen Johann Baptist und Cä- 
cilia einen Blick auf München um 1640, im Vor- 
dergrund der Marktplatz mit der 1637 errichteten 
Mariensäule. Das Predellabild des Gnadenaltars 
Marias Rosen von Kaspar Amortgalt im 18. Jahr- 
hundert als eine der Kostbarkeiten der Kirche. 
Es ist ein typisches Bild der süddeutschen Cara- 
vaggio-Nachfolge um die Mitte des 17. Jahrhun- 
derts. Dargestellt ist die Erscheinung des aufer- 
standenen Christus inmitten der Apostel. 
Die Folge dieser Bilder gestattet eine genauere 
Kenntnis der Entwicklung der süddeutschen Altar- 
bildmalerei, als sie bisher möglich war.Als erstes 
fällt auf, daß der Dreißigjährige Krieg die Aus- 
stattung der Frauenkirche nicht unterbrochen, 
sondern eher beflügelt hat". Die Entwicklung der 
Malerei blieb ungebrochen. Bilidformen der alt- 
deutschen Malerei, wie sie Hans Mielich tra- 
dierte, lebten noch bei Wilhelm Schöpfer 1627 
weiter. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts vermit- 
teln die Hofkünstler niederländische Einflüsse; 
Peter Candid, der aus der Vasari-Werkstatt 
kommt, bringt die Kenntnis des Florentiner Ma- 
nierismus. Urn 1604 machen sich venezianische 
Einflüsse geltend bei Kager, Rottenhammer, Cas- 
mas Piazza, und ab 1624 vermittelt J. U. Loth die 
Kenntnis der Lichteffekte Caravaggios und der 
frühen römischen Barockmalerei. Diese Richtung 
bestimmt die Zeit bis zur Mitte des 17. Jahrhun- 
derts. Dann wird der spötbarocke Stil J, A. Wolffs 
tonangebend. Vom Thematischen her kann man 
die Entwicklung so kennzeichnen: Das Altarbild 
im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts bei Loth, 
Schöpfer, Kager u. a. ist Historienbild. ln einem 
Hauptereignis wird das Leben des Heiligen bei- 
spielhaft dargestellt; von oben herabkommende 
Engel weisen auf die Vollendung des Heiligen- 
lebens hin. Am Ende des 17. Jahrhunderts bei 
Andreas Wolff ist das Altarbild Glorienbild: Ein 
Ereignis aus dem Leben des Heiligen wird in ein 
Zwischenreich zwischen Erde und Himmel ge- 
hoben. Der Bildtyp der Verklärung Christi und 
der Himmelfahrt Mariens" wird auf das Heili- 
genbild übertragen. Eine Entwicklung, die das 
barocke Deckenbild erst im fortgeschrittenen 
18. Jahrhundert bei Cosmas Damian Asam er- 
reicht, wird von Wolff 1695 im Altarbild vorweg- 
genommen.
	        

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