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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 150)

it worden, der keine Aussicht auf Erfolg 
i. Doch aber ist er ein Zeichen für eine Ab- 
die nicht nur er, sondern auch manch an- 
in Italien vertraten: den Anschluß an die 
tzende" Zeit der römischen Republik zu ge- 
en. 
rend des folgenden Jahrhunderts wurde 
orenz, das gänzlich unter dem Einfluß der 
erlichen Familie der Medici stand, die Reno- 
i der Antike im Sinne einer Erneuerung der 
schen Republik in all ihrer Größe und Weite 
illen Kräften versucht. Die studioe humonio- 
die durch das ganze Mittelalter hindurch 
betrieben wurden, ohne aber großen Erfolg 
iringen, gewonnen an grundlegender Be- 
ing. Dante, Petrarca und Boccaccio waren 
ersten Humanisten, die ihre Überlegungen 
auf die Umsetzung und Neuformulierung 
en Gedankengutes oufbauten und dadurch 
reitere Entwicklung einleiteten. Dem kam in 
n vor allem zugute, daß Konstantinopel und 
"ömische Reich des Ostens in die Endphase 
verzweifelten Existenzkampfes eingetreten 
n. Die Hoffnungslosigkeit dieses Kampfes 
von vielen Mächtigen Europas, zum Teil auch 
den Medici, ohne Mitleid und ohne Unter- 
mgsabsicht mitangesehen worden. Ein gra- 
feil der Bevölkerung Konstantinopels, dar- 
bedeutende Gelehrte, verließ daraufhin 
'leimat und floh nach Italien. 
ohl das Ostreich in seiner letzten Phase wei- 
an der Antike entfernt war als das sich dem 
n von der heilen Welt der Antike hinge- 
e ltalien, wurden iene Flüchtlinge begeistert 
len italienischen Humanisten aufgenommen, 
e ihnen die unmittelbare Tradition zu der 
wischen Welt und zur griechischen Sprache 
iten. 
teste der antiken Welt, an die man in Flo- 
und den anderen italienischen Zentren an- 
ßen wollte, waren alle spütrömisch. Die 
itung der griechischen Philosophie und Dich- 
konnte man im wesentlichen nur durch die 
mg römischer Autoren, wie etwa der des 
o. Auch der scholastische Aristotelismus des 
zhrhunderts war mehr auf arabische denn 
iriechische Tradition aufgebaut. Nun aber 
ie griechische Welt durch ihre letzten Nach- 
n direkt in Erscheinung. Sa konnten Lehren 
Dieci libri delharchitettura di M. Vitr. tradutti 
cammentati da monsignore Barbara. Venezia 
::rcolini,1556.in-fol. mit Holzschnitten. G lll12 
irelli Saraynae Veronensis leg. Doct. De Ori- 
ne et Amplitudine civitatis Veranae. Die Arena 
Verona. E II 12 
und Werke von Manuel Chrysolares, Gemistos 
Plethon und Kardinal Bessarian starke Wirkung 
auf den Humanismus Italiens ausüben. Begünstigt 
wurde diese fruchtbare Einflußnahme ohne Zwei- 
fel durch den systematischen Forschungsdrang 
der Humanisten, die davon überzeugt waren,daß 
man alles unternehmen muß, um die Welt, die 
man als Vorbild nehmen will, auch genau zu 
kennen. In diesem Sinne wurden Manuskripte in 
verschiedensten Bibliotheken gesucht, studiert und 
kommentiert. Die griechischen Gelehrten aus 
Konstantinopel wirkten vielfach als Lehrer,zumin- 
dest als Lehrer der griechischen Sprache. In die- 
sem Sinne gründete Manuel Chrysolares 1436 die 
erste Humanistenschule in Florenz, und Cosimo 
il Vecchio 1459, angeregt durch den griechischen 
Platoniker Gemistos Plethon, die platonische Aka- 
demie. Unter Lorenzo il Magnifico erreichte iene 
zur Zeit des Wirkens der Gelehrten Marsilio Fi- 
cino und Pico della Mirandola ihren Höhe- 
punkt. 
Die Bewegung aber erschöpfte sich keineswegs 
in der Erforschung und Kommentierung antiker 
Autoren allein. Ihr für die Nachwelt wohl ein- 
drucksvollstes Ergebnis liegt vielmehr im Bereich 
der Architektur und der bildenden Kunst. Schon 
Boccaccio stellte fest, daß der Maler Giotto am 
Beginn des 14. Jahrhunderts „die Kunst wieder 
ans Licht geholt hätte, die viele Jahrhunderte be- 
graben gewesen war" (Decam. 6. Tg. 5. Nov.). 
Was für Giotto wohl ein gefühlsmäßig gewonne- 
ner Anschluß an die noch vorhandene spätantike 
Tradition war, wurde van den großen Meistern 
des frühen Quattrocento mehr in das studien- 
mäßig erworbene Bewußtsein von der alten Welt 
gehoben. Die Leistungen des Architekten Brun- 
nelleschi, des Malers Masaccio und des Bild- 
hauers Danatello regten Leon Bottista Alberti 
dazu an, in der Widmung seines Traktats über 
die Malerei an Brunnelleschi aus dem Jahre 1435 
zu sagen, daß in ihnen ein Geist lebt, der zu je- 
der rühmlichen Sache fähig ist und der durchaus 
keinem der Alten, wie berühmt er auch in diesen 
Künsten gewesen sein mag, nachzusetzen ist. 
So wie Danatello um 1440 in einem Medaillen, 
das van einem bronzenen Jünglingskopf getra- 
gen wird, das platonische Seelengleichnis nach 
Leonardo Brunis Übersetzung in ein Bild um- 
setzte, so wirkten in den Werken der über alles 
 
bedeutenden florentinischen Architekten die neu- 
aufgefundenen Lehren Vitruvs weiter. Als am Be- 
ginn des 15. Jahrhunderts Pioggio Bracciolini in 
der Klosterbibliothek von St. Gallen auf seiner 
Suche nach antiken Autoren ein Manuskript der 
zehn Bücher über die Architektur von Marcus 
Vitruvius Pollia entdeckte, gelang ihm ein Fund 
von weltweiter Bedeutung. Vitruv hatte im Heer 
des Augustus gedient und war wohl mit Lager- 
befestigungen und Brückenbauten befoßt gewe- 
sen. Einmal baute er sogar eine Basilika in Fa- 
num. Als alter Mann schrieb er seine Erfahrungen 
auf und widmete sein Werk dem Kaiser. Das 
Werk blieb erhalten, Abschriften sind aus dem 
3. und 5. Jahrhundert nachweisbar. Die älteste 
erhaltene Abschrift stammt aus der Kanzlei Karls 
des Großen. Durch die Entdeckung Bracciolinis 
erhielt die Arbeit besondere Wirksamkeit. Schon 
1486 erschien die erste Ausgabe in Druck und 
1511 die erste illustrierte Redaktion. Van da an 
wurden die Bücher des Vitruv, die die gesamte 
römische Architektur der augusteischen Zeit um- 
fassen, in alle europäischen Sprachen übersetzt 
und in verschiedenen illustrierten Ausgaben her- 
ausgegeben. Alle bedeutenden Architekten der 
folgenden Jahrhunderte haben das Werk be- 
nützt und selbst in Analogie dazu „Bücher über 
die Architektur" verfaßt. Sa Leon Battista Alberti, 
Sebastiano Serlio, Giacomo Vignola, Andrea 
Palladio, Vincenzo Scamozzi und Nikolai Gold- 
mann. Die große Wirkung Vitruvs aber bestand 
darin, daß keiner seiner „Schüler" auf die Idee 
kam, die beschriebenen Bauten nachzuahmen, 
sondern nur mit Hilfe der Lehren Vitruvs die 
technischen Überlegungen der Römer gelernt und 
erfaßt wurden, um neue Farmen daraus zu ge- 
winnen. 
Es ging überhaupt allen Humanisten, angefan- 
gen von den Gelehrten, Philosophen und Dich- 
tern bis zu den Künstlern, niemals um Nach- 
ahmung, sondern stets um Nachfolge. 
Wie der richtungweisende Roman des Francesco 
Colonno, die Hyperotomachia Poliphili ohne an- 
tike Voraussetzung nicht möglich ist, aber doch 
ein neuartiges Werk darstellt, sowohl im Konzept 
als auch der Ausführung nach, so sind die Bau- 
werke des 15. bis 18. Jahrhunderts ohne Vitruv 
nicht denkbar, nie aber wurde eine Kopie unter- 
nommen. Bromante etwa bekam von Papst Ju- 
AMpuiri-aiziinrvm m 
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