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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 151)

ganz andere Atmosphäre umwittert einen 
tasievoll aus zwei Schalen komponierten 
in Florenz, wohl flämische Arbeit des 16. 
iunderts. Leider kennzeichnen kein Beschau- 
Meisterzeichen die silbervergoldete Arbeit. 
Jreiten, Fuß und Einguß verbindenden Bän- 
lie gleichzeitig die Stoßfuge der beiden Scha- 
ierdecken sollen, zieren in reichen Barock- 
ien Brustbilder von Göttern. Die beiden 
ren, der Außenwölbung folgenden Bänder 
an Griff und Ausguß, letzterer in Drachen- 
ilt. Völlig unmotiviert der Pferdekopf neben 
Einguß, während dünne Schlangen am Griff 
hochringeln, vorn Deckel aufsteigen, zum 
le sich wenden. Dem leider unbekannten 
ter genügte der Farbkontrast zwischen dem 
aheimnisvoller Ordnung flimmernden Perl- 
er und dem transluziden Schmelz an den 
abändern und am Einguß nicht. Geschickt 
ilte er Gruppen von kleinen Türkisen und 
indinen im einfachen Cabochonschliff. Nach- 
zu allen Zeiten echte, wenn auch kleine 
te höchst selten und teuer waren, halte ich 
r durchaus wahrscheinlich, doß es sich tat- 
ich um Granat-Almandin handelt, der in 
elen Ländern Europas, besonders im Alpen- 
zt, massenhaft vorkommt". 
ergleich mit den zahlreichen Halbedelstein- 
3en des „Museo degli Argenti" mit ihren 
t ausgewogenen Proportionen und der Zu- 
ialtung der Goldschmiede, wirkt diese Kanne 
s verspielt - womit in keinerWeise die tech- 
nische Meisterschaft des unbekannten Künstlers 
in Frage gestellt werden soll. 
Dieser auf so starke Farbkontraste abgestimmten 
Kanne kann ein „Nautilus"-Pokal zur Seite ge- 
stellt werden, derzeit im Boymans-van-Beunin- 
gen-Museum in Rotterdam. Alle minutiösen De- 
tails finden sich hier wieder, wenn auch man- 
ches Schmuckstück herausgebrachen ist. Harmo- 
nisch in der Gesamtgestaltung aufgebaut, trägt 
ein breiter Rundfuß einen gegliederten Baluster, 
während die Haltespangen den Zeichnungen der 
Perlmutterschicht folgen und diese gewisserma- 
ßen akzentuieren. Wieder reitet ein Neptun mit 
geschwungenem Dreizack auf einem Fisch. Mit 
anderen Worten: Kanne und Pokal wurden von 
einem und demselben Meister entworfen und 
hergestellt". 
Als Abschluß der Betrachtungen zu den „Nauti- 
lus"-Pokalen sei hier noch ein weiteres Stück 
erwähnt, das sich im „Museo de la Fundacion 
Lozaro Galdiano" zu Madrid befindet. Es ist 
deshalb bemerkenswert, weil ausnahmsweise der 
Auftraggeber seinen „Nautilus" im Naturzustand 
fassen ließ, eben mit der orange-braunrot und 
elfenbeinfarbigen Schale, zu welcher die natür- 
liche dunkel-perlmuttrige Wölbung kontrastiert, 
genau in der Schattierung der so raren gesuchten 
und zu Phantasiepreisen angebotenen kostbaren 
„grauen" oder „schwarzen" Perlen schim- 
mernd". 
Auch in diesem Falle darf angenommen werden, 
daß es sich um ein Werk aus dem Kreise um 
Wenzel Jamnitzer handelt, für welche Zus 
bung der Fuß besonders hervorgehoben zu 
den verdient: über die Bodenplatte rutscht 
sam eine Landschildkröte, auf welche eine l 
bergschnecke gekrochen ist. In dieser laufe 
vier Haltebönder zusammen, wovon eine 
Drachenmaske zum Lippenrand der Kanne 
Auf den Muschelbuckel ist ein Delphin aufg 
Reittier für einen den Dreizack schwinge 
jugendlichen Neptun. 
Irren ist menschlich - auch wir Kunsthi 
ker sind dieser Gefahr ausgesetzt wie 
andere Geisteswissenschaftler auch. Ist 
ein geschriebener Irrtum einmal gedruckt 
den, wird er zumeist gewissenhaft i 
schrieben und geglaubt „Magister 
dixit!" - und in andere Druckschriften über 
men. Im ersten grundlegenden Werk „Der S 
des Erzstiftes Salzburg" wird eine bau 
Schneckenschale in spätgotischer Fassung 
produziert; infolge politischer Situationer 
langte das Obiekt ins Museo degli Arger 
Palazzo Pitti in Florenz. Im „lnventar der S 
kammer" vom Jahre 1586 hat dessen Verf 
nur gewußt, daß die Schale aus irgend: 
Meere gefischt wurde; „Ain grosser Märscl 
mit einem silbervergulten Fuess und verg( 
Khlaidung". Im Band von 1966 erster kleine 
triebsunfall mit der Angabe, es handle sic 
eine „Nautilus"-Muschel. Im Salzburger 
stellungskatalog von 1967 wurde die An 
bedenkenlos übernommen. Autoritötsglöubit 

	        

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