MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 151)

I Aktuelles Kunstgeschehen I Österreich 
 
Wien 
Museum des 20. Jahrhunderts - 
Junggesellenmaschinen 
Eine Schau, die schon seit 1975 in den verschie- 
densten Museen gezeigt wurde, die mit Leonardos 
Maschinen beginnt und bis zu maschinellen 
Konstruktionen zur sexuellen Selbstbefriedigung 
reicht. Es ist viel, das dazwischen liegt, und immer 
wieder ist das Problem der Erotik und Sexualität 
dabei, die Maschine als ldol und die Maschine 
als Teutelswerk, als Lust- und Todbringer. Stark 
beschäftigt sich Dada mit diesem Thema. Wir 
finden Werke von Marcel Duchamp, Picabia, Man 
Ray, Dominguez, Max Ernst. Die Surrealisten haben 
dieses Gebiet nur am Rande behandelt. Eine über 
manche Passagen sehr interessante Schau, die zum 
Nachdenken anregt. Die im Grunde zur Erkenntnis 
führen müßte, daß nur eine personelle Ich-du- 
Beziehung aus dem Teufelskreis einer maschinellen 
Erotisierung führen kann (die schließlich paranoisch 
enden muß). (2. - 28. 2. 1977) - (Abb. 1, 2) 
Künstlerhaus 
lnge Dick und Kurt Spurey 
Weiß in Weiß mit einigen hellblauen Einstufungen, 
so könnte man diese Schau Überschreiben. In 
einem von den Künstlern geschaffenen weißen 
Environment, selbst der Fußboden ist weiß, hängen 
die Bilder und Reliefs. Das sieht alles, vielleicht 
noch durch die Aluminiumhalterungen der Steh- 
wönde betont, sehr klinisch und steril aus, und es ist 
fraglich, ob das die beiden Aussteller auch 
bezweckten. Die Bilder der Dick geben Meditatians- 
punkte, hier vervollkommnet sie ihre Technik. Am 
besten scheint mir in dieser Richtung ienes Bild, 
das gerade noch eine schwache senkrechte Beto- 
nung zeigt. Kurt Spurey bietet uns kurvige Formen 
in Weiß. Sie sind kräftiger, regen aber weniger 
zur Versenkung als zum Abtasten an. Dazu sind 
sie aber freilich dem Material nach nicht geschaffen. 
(2. 12. 1976-9. l. 1977] 
Künstlerhaus 
Russischer Februar 1977 Wien 
Es war die dritte Ausstellung nonkonformistischer 
russischer Künstler in diesem Haus. Dieses Mal 
sind 13 Maler, Graphiker und Plastiker vertreten 
gewesen. Bei manchen merkt man den westlichen 
Einfluß mehr, bei anderen weniger, bei fast allen 
konnte man von einem Anschluß an die russische 
Tradition sprechen. Selbst die rein abstrakten 
Gebilde eines Garry Faif, schwebende Plexiglas- 
und Metallkörper, greifen auf die konstruktivistische 
Schule eines Tatlin zurück. Noch viel weiter müssen 
wir bei Wladimir Bougrine zurückblicken. Bei 
seinen sehr farbintensiven großen Bildern steht 
die lkonenmalerei im Hintergrund, wobei ein 
starkes religiöses Motiv fast bei allen Bildern 
durchschlägt. Michail Chemiakine zeigte saubere 
Druckgraphiken mit magischen Gestalten. Valentina 
Shapiro arbeitet duftig leicht, fast impressionistisch. 
Adam Samogit zeigte eine ebenmäßige Holzplastik, 
die einem Fruchtbarkeitsidol nahekommt. Am 
extremsten schien Michail Koulakov aus Leningrad 
mit seiner Spontanmalerei, die wir in der Nähe 
iener des Kärntners Staudacher ansiedeln würden. 
Natürlich fanden wir auch surreale Arbeiten, etwa 
Victor Koulbaks sehr feinteilige Graphiken. Sehr 
ausdrucksstarke, von der Volkskunst herkommende 
Keramiken und Plastiken bot Alexander 
Neidanov. (13. 1.-6. 2. 1977i - (Abb. a, 4) 
Heinrich Sussmann 
Der 1904 geborene Künstler wollte wohl ein recht 
breites Spektrum seines Schaffens vorlegen, es 
waren daher Aquarelle, Gouachen, Bleistift- und 
Tuschezeichnungen, Photomontagen und Ulbilder 
ausgestellt. Sehr diszipliniert und gekonnt wirkten 
die Entwürfe für die Zeremonienhalle des Wiener 
Zentralfriedhofes. Viel weniger überzeugen die in 
Mischtechnik gemalten flächengefügten Figuren, 
die in Hutterschen Zuckerlfarben gehalten sind. 
Die Graphiken sind meist skizzenhaft. Am meisten 
beeindruckten die Ulbilder. Hier nimmt Sussmann 
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alles Heftige und Schreiende zurück. Hier spürt 
man den großen Atem eines Valkes, das viel 
gelitten und viel erfahren hat. ln diesen schemen- 
haften Gestalten scheint uns ein Teil iener Kraft 
wahrhaft verwaben, die in allen Verbannungen 
und allen Ghettos den Söhnen Israels iederzeit nahe 
war. (13. 1.-6. 2. 1977] - (Abb. 5] 
Galerie Würthle 
Karl Stark 
Der Kärntner Maler zeigte Ulbilder, Gouachen 
und Zeichnungen. Es ist eine kraftvolle, starke 
Hand am Werk. Das beginnt schon beim festen 
Strich der Graphik, wird am deutlichsten bei den 
Ulbildern, wo aber gerade wieder die Gefahr 
aufscheint, daß die Stärke in Steifheit umschlägt, 
kulminiert aber deutlich in den Aquarellen. Be- 
sonders gelungen sind die Landschaften. Die 
heftigen Farben des südlichen Berglandes ver- 
fließen mit ienen der schweren Himmel. Die saftigen 
Grün der Almen haben, fern ieder Monotonie und 
Flöchenhaftigkeit sonstiger Landschaftsbilder, eine 
wundervolle Leuchtkraft. [2.-24. 12. 1976] - (Abb. 6] 
Galerie auf der Stubenbastei 
Linde Waber 
Unter dem Titel „Waber sieht Wien" gab es 26 
Graphiken, Zeichnungen, Siebdrucke und Holz- 
schnitte, zu sehen. Oft waren die Blätter auch mit 
Aquarellfarben reizvoll gehöht. Die Drucke haben 
durchwegs nur eine Auflage von 8 oder 9 Stück. 
Allein die Zeichnungen beweisen schon, wie kon- 
zentriert die Waber arbeitet. Ihre Striche sind 
energischer geworden, hageln oft in engem 
Nebeneinander in die Tiefe oder verdichten sich zu 
dunklen Flächen. Zufälliges wird nun auch einbe- 
zogen, das Lidit und Dunkel ist abgemessen. 
(8. 12-8. 1. 1977] - (Abb. 7) 
Galerie Alte Schmiede 
Rudolf Haybach 
Zum 90. Geburtstag des Meisters wurden über 30 
meist kleinformatige Ulbilder gezeigt. Holzschnitt- 
artig sind die Dinge auf die Malebene gesetzt. 
Zwischen Neuer Sachlichkeit und Expressionismus 
angesiedelt, bekommen die Landschaften, um solche 
handelt es sich hier fast ausschließlich, etwas 
Statuarisches, Erstarrtes. Die Farben sind kraftvoll, 
satt, aber meist ohne irgendwelche Lichtquellen 
und Kontraste. Die große Eruption scheint Haybach 
ferngelegen zu sein. (24. 11. 1976-8. 1. 1977) - 
(Abb. 8) 
Lieselott Beschorner 
30 Bilder und Collagen präsentierten das Werk 
der bekannten Wiener Künstlerin, besonders die 
Collagen sind eine Art Wiederholung oder vielleicht 
Variante der erschreckenden Schädel, die uns die 
Malerin immer wieder zeigt und aus denen uns 
Gier, Blödheit und Maßlosigkeit des Menschen 
entgegenblicken. Denn das ist es, das uns da 
anschaut. Auge in Auge. Es sind unsere Zeitge- 
nossen, die Wohlstandsbürger unserer nächsten 
Umgebung. Warum freilich auf manchen Blättern 
solch heitere Couleurs die Folienmuster abgeben, 
war uns bei der Beschorner noch nie klar. Da 
finden wir ihre neuesten Kreationen, die grotesken 
Köpfe aus Ton, treffender in der Farbgebung. Hier 
stimmt alles zusammen. Die dämonischen Physio- 
gnomien, die Summierungen des Unheimlichen, das 
zur Maske erstarrte Gemeine. Hier ist ieder 
Betrachter betroffen. Mit den 38 keramischen 
Arbeiten ist der Beschorner ein großer Schritt nach 
vorne geglückt. (19. 1.-23. 2. 1977) - (Abb. 9) 
Galerie in der Blutgasse 
Ange und Ange 
Besonders die kleinformatigen Zeichnungen 
dokumentieren, daß hier mehr Wollen als Können 
am Werk ist. Wenn schon manchen iungen 
Menschen iede Selbstkritik ermangelt, was noch 
durchaus verständlich ist, so müßte eine verunt- 
wortungsvolle Galerieleitung doch ernstere Maß- 
stäbe anlegen und unbeholfene Gehversuche zurück 
auf die Gehschule verweisen. (10.-30. 1. 1977) 
Galerie Basilisk 
Cecco Bonanotte 
Der 1942 geborene ltaliener studierte auf der 
Akademie in Rom. In Rom lebt und arbeitet er 
auch heute noch. Hier wurde er etwa auch mit der 
Gestaltung der Heiligen Pforte neben iener Manzus 
betraut. In der Wiener Ausstellung dominierten 
die kleinen Freiplastiken. Der Künstler modellierte 
seine Formen durchwegs in Wachs und gießt dann 
im Ausschmelzverfahren die überaus zarten und 
grazilen Figuren. Es sind sowohl bei der Einzelfigur 
als auch bei den von Bonanotte bevorzugten 
Gruppen starke Bewegungsmotive vorherrschend. 
Die eher nur strukturell erfaßten Gestalten sind 
gleichsam von einer inneren Unruhe getrieben, 
und auch im Sturz des Ikarus ist noch ein flammen- 
des Geflecht von Leib und Maschine. Nur in den 
tödlich Getroffenen ist zusammenfassende Gebörde 
gleichsam in einer Umrißlinie eingeholt. Oft 
arbeitet der Künstler mit dem Kontrast des leichten 
Körpers seiner bewegten Figuren vor einer 
schweren Hintergrund- oder Bodenplatte. (7. 1.- 
20. 2. 1977] - (Abb. 10) 
Galerie Modern Art 
Gerlinde Wurth 
Materialbilder. Auf Faserplatten hat die Malerin 
Jute, Schnüre, dicke Acrylfarben, vereinzelte 
Schrauben, aber auch gefältelte oder geschichtete 
Leinenstücke montiert. Sie legt dann immer wieder 
neue Farbschichten darüber, meist sehr wenig, aber 
recht gefühlvoll nuanciert, oft auch fast nur Weiß 
gehalten, dann wieder in dunklen erdigen 
Tönungen. Besonders die kleinen Formate, im 
Zwischengang und auf den Pulten aufliegend, 
zeigten subtile reliefartige Formen. Eine Malerin, 
die es verdient, mehr bekannt zu sein. (19. 1.- 
5. 2. 1977] - (Abb. 11) 
Galerie am Rabensteig 
Elisabeth Kodre-Defner 
Eine reiche Auswahl verschiedenster Schmuckgegen- 
stünde in kleinen Vitrinen. Sah man im Voriahr 
von der Künstlerin in der lnterkunst 76 über- 
raschend neue Formen, so ist sie bei dieser 
Präsentation wieder zu den alten zurückgekehrt, 
was aber vielleicht auch mit dem bearbeiteten 
Material zusammenhängt. Dort stellte sie nur 
Silber- und hier nur Goldschmuck aus. Es gab 
besonders viele Anhänger, und die Verwendung 
von edlen Steinen setzte reiche Glanzpunkte. 
Florale und zoomorphe Darstellungen herrschten 
vor. Es waren fast durchwegs außerordentlich 
zarte, fragile Gebilde, die nur zu einer großen 
Abendtoilette passen. (30. 11. 1976-261 1977) - 
A b. 12 
i b ) Alois Vogel 
Salzburg 
Bildungshaus St. Virgil 
Werner Persy 
In der großen Säulenhalle des durch Wilhelm 
Halzbauer neu erbauten Hauses werden unter 
Verantwortung von Hans Spatzenegger laufend 
Kunstausstellungen veranstaltet, die eine wesent- 
liche Bereicherung des künstlerischen Lebens in der 
Stadt Salzburg darstellen. 
Der 1924 in Trier geborene und dort lebende 
Werner Persy erwies sich mit seinen gezeigten 
Arbeiten als einer der wichtigen Holzschneider 
unserer Generation. Auch als Entwerfer von textilen 
Wandbehängen wie von monumentalen Kirchen- 
fenstern hat sich Persy bereits einen guten Namen 
geschaffen. (9. 13.-24. 4. 1977] 
Museumspavillon 
Antonio Maro 
Die subtil gemalten Gouachen des 50iährien 
peruanischen Malers sind in ihrer Thematik von 
indianischem Mythos ebenso beeinflußt wie von der 
ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. (4. 3.-27. 3. 1977] 
Galerie Armstorfer 
Herwig Bayerl 
Der 27iährige Salzburger scheint in der Reihe
	        

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