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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 151)

Notizen 
 
Basel - Antikenmuseum 
und Kunstmuseum 
Antikenmuseum: Einem Glücksfall ist es zu ver- 
danken, daß man hier erstmals eine archaische 
griechische Marmorskulptur, einen wohl zu einer 
Mädchenstatue („Kore") gehörenden Kopf, um 
530 v. Chr. auf der Insel Thosos geschaffen, 
erwerben konnte. Trotz Beschädigung ist dem Werk 
wie allen aus der Antike auf uns zugekommenen 
Werken eine starke Ausstrahlungskraft eigen. 
Knapp nach dem ersten Weltkrieg noch in 
Schweizer Privatbesitz, kann es nun im Antiken- 
museum der breiten Offentlichkeit gezeigt werden. 
Kunstmuseum: lm Jubiläumsiahr Arnold Böcklins, 
zu seinem 150. Geburtstag, wird Basel vom 11. Juni 
bis 11. September eine große Jubiläumsousstellung 
zu Ehren des Künstlers veranstalten. Wie man weiß, 
war die Aussicht auf einen großen Wandbildauftrog 
mitbestimmend für die Rückkehr des Künstlers 
1866 von Rom nach Basel. Fünf Jahre weilte Bäcklin, 
mit mehreren Aufträgen beschäftigt, in den Mauern 
der Stadt und schuf iene Fresken im Treppenhaus 
des Museums, die zum Anlaß der Feierlichkeiten 
restauriert wurden. Da man seit langem keine 
Böcklin-Ausstellung im europäischen Raum 
veranstaltet hat, wird Basel sicher für diese Monate 
Anziehungspunkt der Freunde und der Anhänger- 
schaft des Künstlers sein (Abb. 1, 7). 
Berlin - Sanierung der Stadt 
Immer mehr greift der Wunsch, vor allem der 
großstädtischen Bevölkerung, um sich, die eigene 
Stadt mitzugestalten und mit teilzuhaben an ihrem 
neuen, besseren Gesamtbild. So auch in Berlin, wo 
unter Karin Carmen Jung und Dietrich Worbs 
unter dem Titel: „Was halten die Bürger von 
Sanierung und ihrer Beteiligung daran?" unter 
starker Publikumsbeteiligung zum Forschungsthema 
„Bürgerbeteiligun an der Planung" mehrere 
Sessionen stattfanden. Grundsätzlich sollte darüber 
diskutiert werden, welche individuellen und struk- 
turellen Bedingungen denn eigentlich die Bürger 
Berlins in den Stand setzen, überhaupt bei der 
Stadt mitzuplanen, d. h. im Konkreten, welche 
Möglichkeiten der Mitbestimmung bei Zielvor- 
stellungen, Planungen, bis herunter zu den 
exekutierenden Maßnahmen der Durchführung der 
einzelne hat. Die Proiektgruppe, die seit 1973 
arbeitet, will versuchen, die breite Vermittlung aller 
Forschungsergebnisse mit Daten der amtlichen 
Statistik und Daten aus Expertengesprächen zu 
verknüpfen. So sehr alle diese Bestrebungen, die 
vom einzelnen Bürger ausgehen, unterstützt sein 
sollen und wollen, damit er innerhalb seiner Stadt 
nicht vor ungute vollendete Tatsachen gestellt wird, 
so sehr will auch, wie wir meinen, der Standpunkt 
des Planenden, des Architekten, des Soziologen, 
der auf der Wissenschaftlichkeit basiert, haupt- 
sächlich zum Tragen kommen. Wir haben nichts von 
Städten, denen, durch Jahrhunderte gewachsen, für 
die Zukunft das große Konzept, die große Linie 
fehlt. Nicht immer kann der einzelne Bürger, 
sachlich doch unwissend, mitbestimmen! 
Chicago - University of Chicago 
Die von Edward Moser, dem Ordinarius für 
Kunstgeschichte an der Universität von Chicago, 
geleitete David and Alfred Smart Gallery an dieser 
Universität hat im Jönner und Februar 1977 eine 
Ausstellung „The Cleveland Tuti-nama Manuscript 
and the Origins of Mughal Painting" veranstaltet. 
Das Auftauchen der Miniaturen und ihre Entdeckung 
durch Sherman E. Lee, dem Direktor des Cleveland- 
Museums, sowie ihre Erforschung durch Dr. Pramod 
Chandra von der Universität Chicago ist ein 
Stück aufregender Wissenschaftsgeschichte, das 
schließlich zu der hervorragenden Faksimile-Edition 
durch die österreichische „Akademische Druck- und 
Verlagsanstalt" in Graz führte (Abb. 3). 
Coburg - Coburger Glaspreis 1977 
Für- hervorragende und richtungweisende Arbeiten 
auf dem Gebiet der zeitgenössischen Glaskunst in 
Europa wurde der „Coburger Glaspreis 1977" für 
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moderne Glasgestaltung in Europa gestiftet. 
Initiiert und angeregt von den Kunstsammlungen 
der Feste Coburg, haben Stadt Coburg und Coburger 
Landesstiftung einen Wettbewerb ausgeschrieben. 
Dessen Ergebnis wird im Sommer 1977 in einer 
Ausstellung der Preisträger und weiterer Künstler 
auf dem Gebiete des modernen Glasschaffens 
seinen Niederschlag finden. 
Duisburg - Wilhelm-Lehmbruck-Museum 
Der als Maler und Mitbegründer der Tachisten- 
Gruppe „Cobra" international bekannte Willem de 
Kooning zeigte Anfang des Jahres Plastiken und 
Graphiken erstmals in der Bundesrepublik. Die 
Ausstellung im Studio des Museums wurde vorn 
Stedeliik Museum Amsterdam zusammengestellt 
und geht dann nach Genf und Grenoble. 
Düsseldorf - Hetiens-Museum, 
Galerie an der Düssel 
Zu dem breiten Komplex der nach dem zweiten 
Weltkrieg erworbenen Sammlungen und kostbaren 
Einzelstücke des Hetiens-Museums konnte ietzt 
in London eine weitere Gruppe von elf bedeutenden 
Spitzenwerken chinesischer Keramik der T'ang- 
und Sungzeit erworben werden. Damit kann 
die weltweit bekannte Sammlung ihren Freunden 
neue Ostasiatica-Akzente vermitteln. 
Der Wiener und Altösterreicher Michael 
Coudenhove-Kalergi setzte die Reihe der in der 
Galerie an der Düssel präsentierten österreichischen 
Künstler mit einer Ausstellung vom 16. März bis 
30. April fort. Die skurrile Phantastik und der über 
die Maßen hohe Einfallsreichtum des fabulierfreudi- 
gen Künstlers sind aus Quellen gespeist, die ihm 
nur so im Vorübergehen aufzuspringen scheinen. 
Sie sprudeln gleichsam permanent aus seiner 
Künstlerseele und füllen im einzelnen randvoll 
seine eigenwilligen Blätter, deren iedes voller 
Surprisen ist (Abb. 4). 
EsslingenlRegensburg - 
Künstlergilde Ostdeutsche Galerie 
Mit einer Reihe von Ausstellungen setzt die rührige 
Künstlergilde ihre Aktivitäten auch 1977 in vollem 
Umfang fort: Esslingen, Villa Merkel, noch bis 
15. Mai „lda Kerkovius". lm Alten Rathaus war bis 
8. Mai eine Ausstellung von Bildhauern und 
Zeichnern der Künstlergilde, im Schloß Hamburg! 
Wiehl ist der Österreicher Hans Fronius noch 
bis 15. Mai zu sehen. 
Regensburg, Ostdeutsche Galerie, bis 15. Mai 
„Nidden" in der bildenden Kunst, ebenfalls bis 
15. Mai Ernst Mollenhauer. Vom 26. Mai bis 
10. Juli wird die Jahresausstellung der Künstlergilde 
1977 dem Thema „Landschaften" gewidmet sein, 
zur gleichen Zeit auch eine Ausstellung von 
Plastiken von Herbert Volwahsen stattfinden. 
Aus österreichischer Sicht ist erstaunlich, wie dicht 
das Ausstellungsprogramm von Hans Fronius ist, 
der heuer unter anderem die Ehre hat, im Pariser 
Cabinet d'Estompes mit seinem Werk 
präsentiert zu werden. 
Frankfurt a. M. - Werkstätte Molnar 
Einen etwas ungewöhnlichen Weg beschreitet der 
1940 geborene Pavel Molnar, Absolvent der 
Glasfachschulen Eisern, Brad und Gablenz, der 
auf der diesiährigen internationalen Frankfurter 
Messe inmitten der Geschäftigkeit und dem reichen 
Anbot von Industrie, Wirtschaft und Gewerbe seine 
künstlerischen Gläser zeigte. Inspiriert vor allem 
durch altes römisches Glas wie auch von solchem 
des Jugendstils, hat sich Molnar auf seine Weise 
profiliert, was nicht zuletzt auch auf seine seit 1968 
währende freiberufliche Tätigkeit im Deutschen 
Museum München zurückzuführen ist. 
Hamburg - Museum für Kunst und Gewerbe 
ln der Reihe der europäischen Kunstgewerbemuseen, 
die das Jubiläum hundertiöhrigen Bestehens 
feierten - kürzlich das Osloer - steht nun das 
Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg im 
Jahre 1977 vor dieser stolzen Aktualität. 
1877 wurde es „als Vorbildersammlung der besten 
Zeugnisse der Kunst und des Kunsthandwerks 
vergangener Zeiten und der Gegenwart" von 
Justus Brinckmonn gegründet. Wie immer lebt ein 
Museum nicht nur von den Ankäuten, die es tätigen 
kann, sondern und vor allem von hochherzigen 
Stiftungen. So auch das Hamburger Museum.- 
Es knüpft nun im Jubiläumsiahr an diese Über- 
lieferung, seine Bestände auch aus Schenkungen 
zu bereichern und zu erweitern, an und wendet 
sich verstärkt an seine Freunde und Gönner, 
ihm dabei zu helfen. Dabei nimmt man den 
80. Geburtstag des Präsidenten der Justus-Brinck- 
mann-Gesellschaft, Eberhard Thast, einem 
besonderen Förderer der Kunst des 20. Jahrhunderts, 
zum Anlaß, in diesem Sinne an alle zu appellieren. 
Das Österreichische Museum für angewandte Kunst, 
das seinen „Hunderter" bereits 1964 beging, 
schließt sich der Reihe der Gratulanten herzlich an. 
Karlsruhe - Badisches Landesmuseum 
Aus einer Reihe von Neuerwerbungen möchten wir 
hier auf ein Meisterwerk französischer Porträt- 
plastik hinweisen. Es ist dies eine Büste eines 
Ordensritters, Frankreich, um 1700, aus Kalkstein. 
Geschaffen von einem Künstler des Umkreises 
von Jean-Louis Lemoyne, stellt diese ein besonders 
markantes Beispiel hochbarocker französischer 
Bildniskunst dar. 
Eine weitere Neuerwerbung des Badischen, eine 
Mädchenbüste von Alphonse Mucha, Paris, um 1900. 
Aus Bronze, vergoldet und versilbert, hat hier das 
weibliche ldealbild des Jugendstils künstlerische 
Ausprägung erfahren. Die dem Künstler nahe- 
stehende Schauspielerin Sarah Bernhardt galt 
lange als Modell dieser Büste. Mucha, der 1860 in 
Prag geborene Altösterreicher, einer der führenden 
Schäpfer der „Art nouveau", für seine weithin 
gerühmten Plakate bekannt, schuf Plastiken eher 
selten (Abb. 5, 6). 
Köln - Galerie Vömel 
Diesmal begegnet uns die Düsseldorfer Galerie 
„Vömel" auf der Westdeutschen Kunstmesse in 
Köln-Deutz, wo sie mit den anderen Galerien 
ausstellte. Zur gleichen Zeit fand im Stammhaus in 
Düsseldorf, Kö-Center, eine Ausstellung des 
Schweden Gunnar Norrman statt, der äußerst 
subtile, feinsinnige Landschaften, fernästlich 
anmutende „skandinavische Transzendenzen" 
hervorbringt (Abb. 7). 
London - electrum gallery 
Die „electrum" präsentiert vorwiegend moderne 
Schmuckkünstler. Im Februar des Jahres war der in 
Venezuela lebende Pole Harry Abend mit sehr 
eigenwilligen Schöpfungen zu Gast. Mitarbeiter so 
prominenter Künstler wie Calder, Leger, Arp, 
Vasarely und Arroyo. Stark spürbar in seinen 
Kreationen ausgeprägtes architekturales 
Empfinden, südamerikanisch temperiert und form- 
„coloriert". Im März folgte der Ägypter Emanuel 
Raff, Sohn griechisch-italienischer Eltern, der über 
Australien und Mailand zur Suite moderner 
Goldschmiede heranwuchs. ln ihm manifestiert sich 
ein Künstler weitab allen Traditionen der 
Schmuckkunst. Bruchstückhafte, seltsam ineinander 
gefügte „obiects trouvees" von ganz starker neuer 
Originalität sind das, in denen vielleicht doch 
Elemente seiner ägyptischen Heimat im Untergrund 
mitgeistern (Abb. 8). 
München - Neue Sammlung 
Einer der hervorragendsten Künstler auf dem 
Gebiete der künstlerischen und ornamentalen 
Schrift, Jan Tschichold, der 1974 im Alter von 
72 Jahren verstarb, war mit einer Ausstellung in der 
Neuen Sammlung des Staatlichen Museums für 
angewandte Kunst posthum hier zu Gast. Untertitel 
der Schau: „Typograph und Schriftgestalter". 
Jan Tschichold muß als einer der wichtigsten 
Vertreter einer Spezies gelten, die nach und nach an 
Nachwuchsmangel zu kranken beginnt. ln Zeiten 
des Computers und der Datenverarbeitung flattert 
das Banner der Schriftkünstler immer matter. Um so 
mehr ist es zu begrüßen, daß man hier die Gelegen-
	        

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