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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 152)

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1 Salzburger Domschatz: sog. Mitra des heiligen 
Rupertus, Seidenstott, Goldborten, Fransen. 
Höhe 24,5 cm. Länge der Fanones 36,5 cm 
Anmerkungen 4-12 
'Vgl. die etwas phantastischen Ausführungen und Abbil- 
dungen m Back 1 (s. Anm. 3) und Bock 2, 148 f. 
P. Brüuh, 1907, 424 1., schiebt etwas zu voreingenommen 
die Meinungen der älteren Forscher, z. s. Bocks, vom 
Tisch. An römisch-orientalischen Vorbildern hat es nicht 
gefehlt- Zylindertörmiges Phrygium der Priester im Tem- 
pel der Palmyra-Götter in Dura-Eurapos. 
Eine Kaiserin des 6. Jahrhunderts (Theodore, Ariadne?) 
wird in monumentaler Plastik und auf Eltenbeintafeln mit 
einer seitlich gebauschten Haube und einem Diadem dar- 
über dargestellt, vgl. W. V. Volbuch, Elfenbeiriarbeiten 
der Spötantike und des Mittelalters, Mainz 1952, Nr. 51 
und 52. Die monumentalen Köpfe im Lateran in Rom 
und im Castella Sforzesco in Mailand. 
Hierzu auch E. EKhmdnrl (Anm. s) 192a. 
KZ. B. Friedrich von Wettin, gestorben 1152, mit seiner 
Grabplatte im Dom von Magdeburg. 
A Schramm-Müthericla, Nr 166, T. 401, s. Anm. 3. 1m Schatz 
der Kathedrale von Sens ist auch eine runde Haube er- 
halten, deren Bedeutung aber umstritten ist, Taralon, 
s 46. 
 
' Braun 1907, Bild 222. Rohault de Fleury Vlll, pl, DCLVIII: 
Falls die Fanones nachträglich umgenäht sind, wäre eine 
Umdrehung denkbar 
'gra31;n 1907, Bild 226. Müller-Christensen, Gewänder Nr. 
' Katalog Barcelona 1961, Nr. m. 
'11. N. von Wilmawsky, Die Grabstütten der Erzbischöfe 
irn Dom zu Trier, Trier 11176. Abb. DUCh bei Braun, 1907, 
S. 460, Bild 220, 
1' P. Jas. Braun, Mittelalterliche Paramente zu Neustitt 
bei Brixen, Zeitschrift für christliche Kunst XXll, 19119, 
111. Borte bei Dreger iAnrn. 11, Nr. m. Müller-Christen- 
sen, Gewänder, Nr. 34 und 35, Abb. 53. Katalog 1000 
Jahre Babenberger, Stift Liiienfeld, 1976, Nr. 1083, Farb- 
tafel der Kasel Abb. 9 Zur Mitra in New York: Rori- 
mer, The Metropaliton Mus. ot Art sdii XI, 195a, 277. 
Es gibt nach eine dritte Mitra aus dem zweiten Drittel 
des 13. Jahrhunderts in Brixen, Abb. Dreger Büc Vgl. 
auch Braun 1907, S. 466, Bild 224 und 225. 
"Mechthild Lemberg und er. ING Schmedding, Abegg- 
Stiftung Bern In Riggisberg 11, nxtilien, Farbtafel 15. 
sche Reihenfolge zu konstruieren. Dazu ist zu be- 
denken, daß bei der Durchsetzung der immer 
noch neuen lnsignie sicher große lokale Unter- 
schiede bestanden. Vorher gab es [e nach dem 
liturgischen Anlaß verschieden reich geschmück- 
te Mitren. Man unterscheidet die Mitra simplex, 
die Mitra aurifrisiata oder auriphrygiata und die 
Mitra pretiosa, die mit Edelsteinen und Perlen 
geschmückt ist. Die erstere war ganz einfach und 
aus weißem Leinen, die andere mit Goldborten 
geschmückt wie die des heiligen Rupertus. 
In die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts werden 
einige Mitren datiert, die wirklich oder angeblich 
aus Heiligengröbern stammen. Freilich kann man 
nur dort wirklich sicher sein, wo verläßliche Aus- 
grabungsberichte existieren wie im Fall des 
Papstes Clemens in Bamberg. Außerdem ist die 
Kronhaube aus dem Grab Heinrichs lV. erhalten 
(gestorben 1104). Diese runde Haube hat eine 
Borte in circulo, zwei Querbänder wie Bügel und 
Fananest. 
Mit dem seligen Bernardo degli Uberti, gestorben 
1133, wird eine Mitra in Santa Trinita in Florenz 
verbunden. Sie ist aus weißem Leinen, hat aber 
scheinbar die Schilde vorn und hintenÄ Ähnlich 
unsicher ist die Dotierung einer mit Goldbarten 
geschmückten Mitra der gleichen Form in Sankt 
Michael in Bamberg, die von dem hl. Otto, ge- 
storben 1139, stammen soll". Schließlich gilt das 
gleiche von der Mitra de San Ologuer, gestorben 
1137. Sie ist aus Leinen und hat gestickte Medail- 
lons mit Büsten von Heiligenv. 
Mit Sicherheit aus dem Grab des Erzbischof: 
Albero von Trier (gestorben 1152) stammt eine 
Mitra mit seitlichen cornua, die der Ausgröber, 
J. N. von Wilmowsky, abgezeichnet hat". Da 
die Kunstdenkmäler alle darin übereinstimmen, 
daß die cornua erst um die Jahrhundertmitte 
vorne und hinten getragen wurde, muß man den 
anderen Beispielen skeptisch gegenüberstehen. 
Glaubwürdig erscheint die Verbindung von zwei 
Mitren und einer Kasel mit dem seligen Hartmann 
von Brixen (1140-1164). Alle diese Gewänder 
sind mit palermitanischen Goldborten ge- 
schmückt. Die heute in New York befindliche Mi- 
tra hat sehr merkwürdige Fanones". Auf 
den Randstreiten dieser Bänder war eine In- 
schrift eingewebt, die aber schon unleserlich war, 
als P. Braun die Gewänder 1909 in Brixen sah. 
ln der Mitte dieser Fanones sind Medaillons mit 
Gotteslamm und Löwen in weißer Seide, immer 
abwechselnd, zu erkennen. Die Umschrift heißt 
Agnus Dei und Leo Fortis. 
Aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und 
aus der Zeit „um 1200" sind recht viele Mitren 
erhalten. Hier können wir schon Gruppen zu- 
sammenstellen. Der Rupertus-Mitra steht eine 
Mitra besonders nahe, die aus der Salzburger 
Abteikirche Sankt Peter stammt und sich heute 
in der Abegg-Stiftung in Bern befindet". Auf 
einem älteren byzantinischenß) Seidenstoff sind 
palermitanische Goldbarten in circulo et in titulo 
angebracht. Besonders reich und mit silbernen 
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