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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 152)

stadt unterordnenden Gestaltung zu spüren, ohne 
dabei dem Barockklassizismus mit seinen viel 
stärker quellenden Formen nahezukommen. Der 
Risolit tritt hier nur flach vor die Front und zer- 
stört auch höhenmäßig nicht den in sich ge- 
schlossenen Kubus. Bewußt wird damit die mo- 
dernere Struktur der Körperdurchdringung ver- 
mieden, wie sie beinahe gleichzeitig - und zwar 
keineswegs erstmalig - beim Eisgruber Teich- 
schloß zur Anwendung kommt (Abb. 12). Beispiele 
dafür lassen sich, beginnend mit dem Vorbau des 
Zirkus Bach von 1807, schon relativ früh bei Korn- 
höusel feststellen und sind auch spöterhin bei al- 
nach völlig willkürlich über die Fassade verteilt. 
Da wir keine Ansicht dieser Seite haben, können 
wir hier nur aus Wahrscheinlichkeitsgründen eine 
ähnliche „Doppelgesichtigkeit" der Architektur 
annehmen, wie sie auch für die Lustgebäude 
Kornhäusels im Raum von Eisgrub wie Apollo- 
tempel und Teichschloß bezeichnend ist" (Abb. 
12-13). Handelt es sich bei diesen zwar um reine 
Denkmalarchitekturen, deren Gebrauchswert nur 
durch eine funktionell gestaltete Rückseite Rech- 
nung getragen werden konnte, so kommt dem 
Schüttel-Lusthaus mit seiner ausgeprägten Schau- 
seite doch auch denkmalartiger Charakter zu. 
Neuhot gar so weit, den zentralen kreisrunden 
Saal mit einem kanzentrisch angelegten Kuhstall 
zu umschließen". Die Gartentront am Schüttel 
ist nur mehr aus späteren Adaptierungsplönen 
rekonstruierbar und stimmt mit Ausnahme des 
flachen Dreieckgiebels, der den zentralen Teil im 
Risalit fester zusammenschließt, im wesentlichen 
mit der Donaukanalansicht überein". Zu ergän- 
zen ist nur die der Lithographie nicht zu ent- 
nehmende Nutung der Mauerfläche an den Sei- 
tenteilen unter der Bogenschichtung. 
Aus Gründen der Vollständigkeit sei hier noch 
eine weitere Bauführung des Fürsten auf Wiener 
len von Vorbildern unabhängigen und isoliert 
stehenden Gebäudetypen reichlich vertreten". 
Daneben stößt man in seinem Schaffen aber auch 
immer wieder auf starke Verbundenheit zur loka- 
len Tradition". Das bereits erwähnte Esterhazy- 
sche Haus in Baden mag hier als besonders ge- 
glücktes Beispiel für eine durch Bauherrschaft und 
äußere Umstände parallel gelagerte Aufgabe 
stehen, die den konservativen Gesamteindruck 
bewußt anstrebt. 
Der überlieferte Grundriß des Schüttel-Lusthauses 
entspricht zwar in groben Zügen der Anordnung 
von Kornhäusels Eisgruber Teichschlößchen, läßt 
aber die dem Architekten sonst eigentümliche 
Klarheit vermissen. Vergleicht man weiters die 
Planaussage mit der Beschreibung, so zeigen sich 
Diskrepanzen, die nahelegen, daß es sich bei 
den beiden Grundrißzeichnungen um recht ober- 
flächliche, wahrscheinlich nach einem frühen Zu- 
stand des Proiektes entstandene Baumeisterpläne 
handelt, die dem Zweck der Baueinreichung ge- 
rade genügten. So ist der Kamin der ebenerdigen 
Meierwohnung im Obergeschoßplan nicht einge- 
tragen, während umgekehrt das Abfallrohr der 
Toilette in die Küche darunter zu liegen käme. 
Wenig glaubhaft wirkt nicht nur die äußerst un- 
bequeme Mansardentreppe, sondern auch der 
denkbar ungünstige seitliche Zugang von der 
Stiege zum Saal, ohne den vorhandenen Mittel- 
flur folgerichtig auszunützen. Gewiß waren dort 
die Säulen auch nicht im lnterkolumnium der 
beiden äußeren Fenster eingestellt, sondern die 
Raurnteilung entsprach dem Risalit, was auch aus 
dem zeitgenössischen Bericht hervorgeht, der im 
Speisesaal nur von drei bis auf den Fußboden 
reichenden Fenstern mit Brustwehren und „Mezza- 
ninen", also dem großen Mittelfenster, allein 
spricht. 
Auch die Erdgeschoßfenster der Hofseite sind 
28 
Eine Lithographie zeigt das heute ebenfalls nicht 
mehr existierende Stallungsgebäude mit dem 
hochgezogenen Risalit des Mittelsaales" (Abb. 
14). Der Festraum inmitten der Pferdestände - 
eine Kombination, welche für heutige Begriffe 
zwar reichlich merkwürdig anmutet, den romanti- 
schen Schwärmereien von damals iedach gewiß 
gerecht wurde. Auch in Eisgrub wurde zu dieser 
Zeit der Meierhof durch Anbau eines Saalgebäu- 
des erweitert, von dem aus die beiden Flügel des 
„Schweizerstalles" eingesehen werden kannten, 
und Hardtmuth ging bei seinem 1809 begonnenen 
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Boden gestreift, von der jedoch weder das ge- 
naue Ausmaß noch der Urheber bekannt sind. 
Der Fürst hatte 1808 in der Leapoldstadt eine 
Realität am Donaukanal erwarben, die später 
unter dem Namen „Leopoldsbad" ein Begriff 
wurde". Bereits Daniel Hubers Vogelschau ver- 
zeichnet dort den Dreiflügelbau eines Barock- 
schlosses, dessen offener Hof zur Stadt hin ge- 
richtet ist. Während die Baukörperform im großen 
bis zum Abbruch 1895 erhalten geblieben ist, hat 
das Äußere im Laufe der Zeit mehrere Abände- 
rungen erfahren. So meldet das Baukonsensbuch 
1- n Lnh .. .. bahn. h, ll r.....r..... . lllvp 
Din- PünutiLichlennln-irlsrhr-n Slaliungen 
an der Donau.
	        

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