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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 152)

A Künstlerprofile 
 
 
 
- e J-iabviunßuJnn-ialu-d- .- uns, 
Acryl auf Holztaserplatte 
„Maria-Troster-Triptychon", 
1974. Leinen, Schnur auf Holz- 
faserplatten 
Weiß und Schwarz 
Gerllnde Wurth 
Materialbild, (rechte Hälfte) 
1974. Jute und Schnüre auf 
Halzfaserplatte 
Weiß 
 
 
 
Gerlinde Wurth 
Gerlinde Wurth wurde 1933 in Wien geboren und 
wohnt nahe der Donau in einem kleinen Haus in 
Langenzersdarf. Sie lebte drei Jahre in Stockholm, 
wo ihr Schaffen eine entscheidende Wendung be- 
kam. Schon kurz nach ihrer Rückkehr zeigten ihre 
Arbeiten ein Netzwerk, eine Fasernverflechtung, 
In großen Kunstharzbildern reihte die Wurth 
Zellen an Zellen, die durch dunkle Stege getrennt 
und verbunden wurden. Die Farben der labyrinthisch 
aneinandergereihten Kammern sind zu inhärenten 
Modulationströgern geworden. Schon hier wird 
einerseits ein starkes Gespür für die Ordnung 
der Flüche bewußt, wobei aber nie Ornamentales 
entsteht, und andererseits das Interesse für den 
Ausschnitt, für die Nahsicht bezeugt. 
Zu Beginn der siebziger Jahre wendet sich die 
Künstlerin dem Materialbild zu. Sie verspannt 
Schnüre, verwendet Jute und ähnliche Grundmate- 
rialien, verfremdet Gerätschaften, etwa Stühle, 
und seit dem Frühiahr 1975 geht sie ganz dazu 
über, mit Acryl und Sand, mit Schnüren, Schrauben 
und textilen Uberschichten zu arbeiten. Ihre Farben 
sind dabei meistens sehr zurückhaltend, oft nur 
in schwach variierenden Braun-, Ocker- oder 
Grautönen schwankend, manchmal auch fast 
durchgehend weiß monochrom. 
Oft werden diese Arbeiten mit ienen der Infor- 
mellen verglichen, wie es uns scheinen will, iedoch 
zu Unrecht. Immer wieder spürt man, daß hier 
sehr überlegt gearbeitet wurde. Sicher, der Impuls 
kam aus einer Grundmotivation, und das letztlich 
vorliegende Werk ist auch ein Ausdruck dieser, 
doch die Konzeption dieser Bilder verrät eine sehr 
überlegte Arbeitsweise. 
Schon die Materialmontagen aus dem Jahre 1974 
scheinen uns diese These zu bestätigen. Hier 
werden etwa Jutebahnen reliefartig auf eine 
Holzfaserplatte, die mit Reihen von Bohrungen 
versehen ist, montiert, und durch diese Bohrungen 
werden dann Schnüre gezogen. Nun ließe sich 
solcherart sicher ein gefülliges Muster entwickeln. 
Das liegt iedoch der Wurth fern; in unregelmäßi- 
gem Auf und Ab spannt sie die Fäden, Iößt auch 
ab und zu Lochungen aus, zieht Querverbindungen 
und bündelt dann wieder die Kordeln zu einem 
besonderen Schwerpunkt. Schon durch die Ver- 
wendung der verschiedenen Materialien bekommt 
das „BiId" ein gewisses plastisches Volumen. Die 
Eindimensionalität wird verlassen. Durch das 
Einreißen der aufgetragenen Jute sowie durch 
Umschlagen der Ränder oder das Übereinander- 
legen und Verknautschen werden weitere plastische 
Elemente in das Objekt hineingetragen. 
Was erreicht wird ist ein Gefüge, das auf den 
sensiblen Beschauer wirkt. Das nicht mit optisch 
erfaßbaren Dingen der uns umgebenden Wirk- 
lichkeit in Zusammenhang gebracht werden und 
verglichen werden kann, daß aber sehr wohl mit 
der uns im Gemüt, in der Seelenhaltung inne- 
wohnenden Wirklichkeit in Beziehung gesetzt 
werden kann. 
Auch die Farbgebungen wollen hier beachtet werden: 
Das monochrome Weiß, da und dort eingerissen, 
also verletzt, mit unsicheren Rändern, oft defor- 
miert; die verschiedenen Grau- und Brauntöne, 
die oft ins tiefe Schwarz, in narbenumgebene Risse 
und Spalten münden, können mit Wirklichkeiten im 
Menschen - sowohl im Schöpfer der Obiekte als 
auch im Betrachter dieser - in Zusammenhang 
gebracht werden. Wenn einmal irgendwo ein 
helles Rot oder Blau aufleuchtet, am Rande, gerade 
noch den nächsten dunklen Flächen entkommend, 
so ist es sehr fröhlich und verheißungsvoll. 
Gerlinde Wurth, eine unermüdliche und fleißige 
Arbeiterin, hat es nie verstanden, sich in den 
Vordergrund der Kunstszene zu spielen. Sie hat 
nie mit billigen Gags und großsprecherischen 
Gesten wie manch anderer für sich geworben. Sie 
ist daher sicher besonders froh, in der Wiener 
Galerie Modern Art eine seriöse und einsatzfreudige 
Vertretung gefunden zu haben. 
Alais Vogel
	        

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