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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 152)

Notizen 
 
Aachen - Neue Galerie 
„A playground for handicapped children". So 
erklärend, gibt Dolares Pacileo mit ihrem Kunstwerk 
„Der Ball" einer Bemühung Ausdruck, die auf 
besondere Weise eine Form von Kunst in den Dienst 
der Behinderten- und Gebrechensbekämpfung stellt. 
Dolores Pacileo, Amerikanerin, Künstlerin und 
Therapeutin zugleich, versucht mittels des Balles 
eine Spielwett für Kinder aufzubauen, deren Formen, 
Farben und Geräusche zum Spielen anregen und 
therapeutische Funktionen für behinderte Kinder - 
allerdings nur bis zu sechs Jahren - besitzen. Eine 
Art „portable art", aus Randgebieten der Kunst 
praktiziert. Die vom 26. März bis 3. Mai 1977 
dauernde Schau zog in ihrer ersten Phase eine 
Parallelshaw mit sich, die von der Eröffnung bis zum 
19. April 1977 dauerte und im Atrium unter dem 
Titel „KinderspieIpIätze der Welt" Aufnahme fand. 
Entwürfe, Zeichnungen und Fotografien von Klaus 
HerzoglNew York, City Department af City Planning, 
und der American Society of Landscape Architects 
Foundation u. a. 
„Kunst um 1970lart around 1970" in Wien. Zu dieser 
Ausstellung lud der Verein der Freunde der Neuen 
Galerie unter dem Titel „Ein Anstoß, nach Wien 
zu fahren". Wie man inzwischen weiß, ist es um 
die Schenkung eines Teiles dieser so bedeutenden 
Sammlung Ludwig - dieunter anderem achtzig 
der wichtigsten Stücke aus Aachen in der Wiener 
Schau vereint - zu intensiven Diskussionen um 
Annahme und Unterbringung dieser kontemporären 
Kunst in Wien gekommen. 
Düsseldorf - Hetiens-Museum, 
Galerie an der Düssel 
Eine gekoppelte Ausstellung von Glas und Meister- 
zeichnungen wurde hier am 13. Mai 1977 im Kunst- 
museum eröffnet. „Leerdam Unica - 50 Jahre 
modernes niederländisches Glas" und „Nieder- 
ländische Meisterzeichnungen des 16.-17. Jahr- 
hunderts". Als Inbegriff moderner holländisdier 
Glaskunst ging unter „Leerdam Unica" eine Anzahl 
freigestalteter Gläser in die Geschichte modernen 
Glases ein. Die in den frühen 20er Jahren ent- 
standenen Glasschöpfungen sind Unikate und waren 
hier erstmals in einer umfassenden Übersicht zu 
sehen. Bereichen durch sechs Zeichnungen 
Rembrandts und zwei Blätter Jan von Goyens, 
Leihgaben des Riiksmuseum Amsterdam, konnte 
gleichzeitig aus den Beständen des hiesigen Graphi- 
schen Kabinetts eine Auswahl niederländischer 
Meisterzeichnungen zur Ausstellung gelangen. 
In einer Multi-Personale unter dem Titel „Phan- 
tastischer Realismus" vereinte die Galerie an der 
Düssel vom 16. Mai bis 30. Juni 1977 eine namhafte 
Reihe vorwiegend österreichischer Künstler. Zu 
diesem Anlaß hat man nach den bisher veranstal- 
teten Einzelousstellungen diesmal versucht, mit einer 
guten Selektion der beteiligten Künstler einen 
Überblick über die Differenziertheit dieser nicht 
unbedeutenden Strömung der Gegenwartsmalerei 
zu geben. (Abb. 1) 
Hamburg- Museum tür Kunst und Gewerbe 
Anläßlich der von uns bereits im vorigen Heft 
gewürdigten 100-Jahr-Feier des Instituts hat das 
' Museum mehrere Ausstellungen in diesem Jubiläums- 
iahr vorgesehen. Unter den wichtigsten Eröffnungen 
war die im Jänner erfolgte Schau „Kunst der 
Antike", die am 24. März 1977 erfolgte Uffnung 
der Schatzkammern „Frühe Fotografie", „Franzö- 
sische Keramik der 20er JahrelSlg. Heuser". 
Am 22. Juni 1977 folgte dann die Eröffnung „Hohe 
Kunst zwischen Biedermeier und Jugendstil: 
Historismus in Hamburg und Norddeutschland". 
Sdtließlich die bedeutendste Sdtau „Barodrplastik 
in Norddeutschland" am 16. September d. J. Als 
feierlicher Ausklang folgt am 25. November 1977 
eine Weihnachtsmesse der norddeutschen Kunst- 
handwerker. 
Hannover - Aus der Kestner-Gesellschaft 
Der profilierte österreichische Graphiker Walter 
Pichler war in der hiesigen Galerie vom 25. März 
42 
bis 1. Mai mit einer Retrospektive zu Gast. An- 
schließend in der Whitechapel Art Gallery in 
London, ausgestattet mit dem Katalog der Kestner- 
Gesellschaft in englischer Version. Die Kunsthalle 
Tübingen und die Staatliche Graphische Sammlung 
in München sind weitere Stationen der Schau. 
Karlsruhe - Badisches Landesmuseum 
Die Sammlung der Keramik des Badischen Landes- 
museums, die Objekte von der Töpferkunst der Stein- 
zeit bis zur Gegenwart umfaßt, weist eine bedeu- 
tende Gruppe von Porzellanfiguren des 18. Jahr- 
hunderts auf. Das Rokako mit seiner Verspieltheit, 
seinen Vorlieben für Allegorien und die Commedia 
dell'Arte bietet sich an, in der grazilen Materie 
Porzellan künstlerisch dargestellt zu werden. Das 
Badische hat Obiekte der wichtigsten Porzellan- 
manufakturenrwie Wien, Berlin, Nymphenburg, 
Höchst und Ludwigsburg und vor allem auch Meißen 
und Frankenthal. Der Leiter der Keramikabteilung 
des Museums, Dr. Walther Franzius, erarbeitete 
nun ein Bildheft, in dem er auf 54 Bildseiten Obiekte 
vorstellt und dazu instruktiv die einzelnen Manu- 
fakturen, Herstellungsverfahren und Themen 
behandelt. 
Köln - Kunstgewerbemuseum 
Der Niederländer Piet Zwart, 1885 in Zaandiik 
geboren, war Titelträger einer Ausstellung „Design 
der zwanziger Jahre". Der Künstler, anfänglich 
unter dem Einfluß Iebensreformerischer Sekten, 
beschäftigte sich früh mit Philosophie. Um 1911 
entstehen erste Möbelentwürfe, beeinflußt von 
Berlage, den Wiener Werkstätten und De Stiil. 
Freunde und Gefährten sind Van Doesburg, Huszar, 
Rietveld und Mondrian. Erste typographische Ver- 
suche um 1921. Über Lissitzky und Schwitters 
entdeckt er die Fotografie, wird 1931 Gastdozent 
am Bauhaus in Dessau. Schließlich wendet sich Piet 
Zwart dem industriellen Design zu, auch theoretisch. 
Merkwürdigerweise ist der Niederländer nicht in 
die größere Künstlerlexika gelangt, obwohl er es 
verdienen würde. In Köln nahm man somit die 
Gelegenheit wahr, umfassend über den Künstler ein 
Bild zu erstellen. Die Ausstellung resultiert aus 
Beständen des Haags Gemeentemuseum, Den Haag. 
KopenhagenlNew York - Atelierschau 
Aladdins Hule 
Anfang Juni hielt der Maler und Graphiker Adi 
Holzer hier seine zweite Atelierschau ab. Die von 
großem Erfolg begleitete erste Schau dieser Art, 
1975, veranlaßte den austro-dänischen Künstler, 
alle zwei Jahre in seiner Aladdins Hule neue Werke 
vorzustellen. 1977, also heuer, präsentierte er die 
„Zirkussuite" (25 Gouachen, 3 Ülbilder, 15 kleine 
Ulbilder und 30 Federzeidmungenl sowie die Serie 
„Das verlorene Paradies" (Adam-und-Eva-Motiv]. 
Adi Holzer, dem wir stärkste künstlerische Aktivität 
und Produktivität bestätigen, ist auch heuer unge- 
mein rührig. Im späten Frühiahr ging er nach 
Washington, um mit Uwe Bremer auf der „Art 77" 
seine Siebdruckmappe „Zirkussuite" vorzustellen. 
Diese, von Ernst Hilger ediert, ist eingeleitet von 
Prof. F. Winzinger und bereichert durch eine Novelle 
von Peter Morginter. In seinem Blatt „Das ,Wichtige' 
ist nicht immer wichtig" verpackt Holzer auf lyrisch- 
aggressive Weise seine harte Mahnung an uns alle, 
nicht den Krebsgeschwüren unserer Zeit, dem 
Götzen „Auto", der Hektik, dem Streß, der depres- 
siven „Hopeless", zu erliegen. (Abb. 2) 
London - 
Gallery Thomas Gibson Fine Art Ldt. 
Hier zeigte man im Mai 1977 Pabla Picassos 
„La Grue" (The Crane) aus dem Jahr 1952. Immer 
wieder erstaunlich, auch anhand dieses Obiekts, 
der Einfallsreichtum des großen Basken. 
Unverkennbar in seiner Gestaltung, als Elemente, 
obiets trouves: Gaskoks, Gabel, Schaufel auf 
bemalter Bronze. 
Das Obiekt stammt aus der Curt-Valentin Gallery, 
Private CollectionlUSA, war auf zahlreidien Aus- 
stellungen, zuletzt in der „Summer Loan Exhibitian", 
1966, im New Yorker Metropolitan Museum of Art. 
(Abb. a) 
München - Kubin-Jahr und Villa Stuck 
100. Geburtstag von Alfred Kubin: 10. April 1977. 
Zahlreiche Ehrunen sind im Gange. Zwanzig Aus- 
stellungen sollen das Werk dieses bedeutenden 
österreichischen Künstlers zeigen. Die ersten sechs, 
für 1977 geplant, wurden bereits eröffnet. München 
beginnt, Baden-Boden, Frankfurt, Graz, Linz und 
Schärding nahe dem Schläßchen Zwicklet, wo Kubin 
die Hälfte seines Lebens lebte und sein gewaltiges 
Werk schuf, folgen. Der Verlag EllermannlEdition 
Spangenberg verlegte einen großen Gesamtkatalog 
von Alfred Marks „Der Illustrator Alfred Kubin" 
(2361 Buchillustrationen), ferner eine reich bebilderte 
Biographie „Alfred Kubin" von Hans Bisanz, 
gemeinsam mit dem Residenz-Verlag, Salzburg. 
In München, am Haus Mandlstraße 26, in dem Kubin 
wohnte, wird eine Gedenktafel enthüllt. Die Stadt 
hat 1971 das Kubin-Archiv, in fünfzigiähriger 
Sammelarbeit von Kurt OttelHamburg zusammen- 
getragen, erworben. Dieses Archiv ist eine der voll- 
ständigsten Sammlungen über Leben und Werk 
eines einzelnen Künstlers. ARD, ZDF und ORF haben 
sich am Jubiläumsjahr durch Ausstrahlungen von 
Filmen beteiligt. 
Der Stuck-Jugendstil-Verein EV lud für 11. Mai 1977 
in die Villa Stuck zu einer Ausstellungseröffnung 
„Käthe Kollwitz". Die Ausstellung dieser bedeu- 
tenden sozialkritischen Künstlerin ist hier noch 
bis 7. August 1977 zu sehen. 
Nürnberg - Albrecht-Dürer-Gesellschaft 
lm Germanischen Nationalmuseum veranstaltete 
man zu Ehren des an der Nürnberger Akademie 
tätigen Prof. Hans Wimmer anlößlich seines 
70. Geburtstages eine Ausstellung von Plastiken und 
Zeichnungen. Zur Einführung sprach Prof. 
F. Winzinger (12. Mai bis 28. Juni 1977). 
Gleichfalls im Germanischen Nationalmuseum fand 
am 22. Mai 1977 die Eröffnung einer Ausstellung 
des Malers und Graphikers Hans ErnipSchweiz, 
statt. (Abb. 4) 
Ein Ausstellungsdoppel bildeten in der Nürnberger 
Galerie im Pellersdwlaß die beiden Österreicher 
Rudolf Korunka und Erich van Ess mit Zeichnungen 
und Aquarellen vom 22. April bis 22. Mai 1977. Beide 
Künstler sind Schüler von Prof. Albert Paris 
Güfersloh. 
In ihren Kunstäußerungen kann man sie 
als intensive Beobachter ihrer Umwelt bezeichnen, 
die keinerlei Madeströmungen folgen. Heimo 
Kuchling meint über die beiden Künstler: „Sie fliehen 
nicht nach vorne, sie wollen dort Fuß fassen, wo 
die Maler schon immer gestanden sind." (Abb. 5, 6) 
Ohio - The Cleveland Museum of Art 
Eine Reihe von Ausstellungen führt das Cleveland 
Museum von April bis Dezember 1977 durch. Die 
ersten: 15. März bis 26. Juni 1977: „Beetween past 
and present: French, English, and American Etching 
1850-1950". Anhand von 49 Radierungen wird hier 
die Industrialisierung und Urbanisation West- 
europas und Amerikas zwischen 1850 und 1950 fest- 
gehalten. - 23. März bis 18. Mai 1977: „Japanese 
screens from the Museum and Cleveland collec- 
tians". Hauptthemen und Stil dieser Gattung iapani- 
sdwer Malerei auf Stellsdiirmen mit ihrem reichen 
Dekor von Tierszenen und solchen des iapanischen 
Lebens sind Gegenstand dieser Schau. - 15. April 
bis 29. Mai 1977: Man feiert das Rubens-Jahr mit 
„Rubens in the Cleveland Museum of Art: a tribute 
to his 400th anniversary". Aus den Beständen des 
Cleveland Museums konnte man Gemälde, Zeidi- 
nungen und Drucke zum feierlichen Anlaß des 
großen Barockmeisters zur Ausstellung bringen. 
Parmo - Galleria A - arti visive 
Paolo Venini, einer der bedeutendsten Kreateure 
der neueren italienischen Glaskunst (1895-1959), 
begann 1921 nahe Venedig in Murano in einer 
Periode extremster Depression Gläser in neuem Stil 
zu schaffen. Von der Herstellungsweise über-
	        

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