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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 153)

Mariazell oder in St. Lambrecht, ist umstrit- 
i. Die zwischen dem Reiterheer rechts und der 
wutzmantelmadonna links vermittelnde kni- 
de Heilige ist wahrscheinlich Ludwigs Toch- 
' Hedwig". Unter dem Schutzmantel der Ma- 
nna finden sich mehrere Figuren, von denen 
2 in der ersten Reihe portröthafte Züge auf- 
eisen. O. Wonisch glaubt, in der Figur mit den 
xhofsinsignien Abt Moyker von St. Lambrecht 
ll9-l455) zu erblicken", in der rotgekleicleten 
omas Hoffmann von Weitra, Kaplan der Pe- 
skirche ebenda. Auf dem Tafelwerk wird Hi- 
irisches mit Religiösem vermischt, das Profane 
ht ins Sakrale über, alles das entspricht den 
ttelalterlichen Vorstellungen. Wo auch der Ma- 
' beheimatet gewesen sein mag, in Juden- 
rg oder im damals steirischen Wiener Neu- 
idt, er hat sowohl kölnische, böhmische und 
lienische Elemente verarbeitet. Seine Großar- 
keit liegt nicht in der Synthese, sondern in der 
lividuellen Bearbeitung des Themas. Die Ma- 
nnenfigur ist ohne westliche und böhmische 
irbilder nicht denkbar, aber die Art, wie der 
Jler die Körper modelliert, die Konturen zeich- 
t und die Typen „porträtiert", ist doch mar- 
nt. Freilich bewegen sich die Figuren in einer 
eitgehend flöchenhaft gesehenen Umgebung. 
in größtem Interesse ist der rechte Teil des 
des, wo sich die Pferde und Reiter zu einer 
wegten Masse verdichten. Ohne italienische 
nst und ihrer Auffassung von Körper und 
um, Pisanello und besonders Gentile da Fa- 
lano seien als Zeitgenossen erwähnt, wären 
T4 Kreuzi ung Christi um 1430-1435. Tlaxlilcm. 
Linz, berösterreichisches Landesmuseum 
T5 Flügelretabel mit hl. Martin, um T440. llO,5x 
170,5 cm (in geschlossenem Zustand). Graz, Alte 
Galerie am Joanneum 
 
vor allem die Pferdekörper nicht denkbar. 
Die gesteigerte Erzählfreude (siehe etwa die 
Leichenfledderer rechts unten] erinnert z. B. an 
Conrad von Soest. Die Stellung der Votivtafel 
zum „Waloch-Epitaph" (Abb. 10) soll noch kurz 
beleuchtet werden. Dieses Werk, das 1434 da- 
tiert ist und aus Wiener Neustadt stammt, scheint 
Oettingers These, daß es sich um einen Künstler 
aus dem steirischen Wiener Neustadt handelt, 
am ehesten zu bestätigen". In den wenigen 
Jahren (etwa ein Jahrfünft), die zwischen der 
Entstehung der Votivtafel und des Epitaphs lie- 
gen, hat sich der Maler zu einer architektoni- 
schen Bildgestaltung hingewandt. Übrigens fin- 
det sich der Thron der Madonna in etwas va- 
riierter Form an einem Relief im Bayrischen Na- 
tionalmuseum in München wieder". Hier ergibt 
sich wirklich konkret ein Hinweis, daß der Ma- 
ler auch Bildschnitzer gewesen sein könnte. 
Ein ähnliches Raum- und Körpergefühl zeigt 
eine andere Tafel (Schweiz, Privatbesitz) mit der 
Darstellung einer „Geburt Christi"? Ohne 
Zweifel wäre dieses Werk für denselben Meister 
in Anspruch zu nehmen. Anzuschließen wären 
mehrere Fragmente von Altarretabeln. 
Hier seien drei „Kreuztragungen Christi" in Wien 
(Österreichische Galerie), Wels (Städtisches Mu- 
seum) und Graz (Alte Galerie) zur Diskussion 
gestellt. G. Schmidt fügte noch eine Variante 
in der Huntington Library (San Marino, Kalifor- 
nien) hinzu". Sie unterscheidet sich aber doch 
wesentlich in ihrem ganzen Gefüge und drückt 
den italienischen Einfluß am stärksten aus.
	        

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