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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 153)

 
die ihm zugefügte Beleidigung zu strafen, da 
mußte er sich letztlich dem Gehorsam beugen. 
Endlich aber führten ihn seine Ausdauer und sein 
diplomatisches Geschick zum ersehnten Ziel, zum 
Oberbefehl im Türkenkrieg von 1697. Befreit von 
unfähigen und unentschlossenen Vorgesetzten 
erringt Eugen seinen ersten Sieg: Als er vom 
Plan des Feindes erfährt, der beabsichtigt, auf 
Siebenbürgen zu marschieren, beschließt Eugen 
mit außergewöhnlicher strategischer Voraussicht, 
den Feind zu stellen, noch bevor er die Theiß 
überquert. In Zenta, wo die Türken ihr Lager 
im Schutz einer alten, zerfallenen, mit Wagen 
und Bollwerken verstärkten Festung errichtet und 
eine Pantonbrücke gebaut haben, wirft sich 
Eugen völlig überraschend von allen Seiten auf 
den Feind (einschließlich der Flußseite, wo eine 
Sandbank seinen Soldaten das Eindringen ins 
feindliche Lager erleichtert). In Panik geraten, 
drängen sich die Türken alle auf der Brücke 
zusammen und behindern sich gegenseitig beim 
Passieren. Sie enden schließlich elend durch 
Ertrinken. 
Die schöne Medaille des deutschen Hofmedail- 
leurs Martin Brunner (1659-1725) wurde vom 
Kaiser zum Gedenken an dies Ereignis in Auf- 
trag gegeben (Abb. 1). Das hohe Ansehen, das 
Eugen mit diesem Sieg errang, ist klar aus der 
Tatsache zu erkennen, daß König Ludwig in un- 
mittelbarer Folge darauf versuchte, ihn für die 
eigene Sache zu gewinnen. Prinz Eugen, der 
sich ein für allemal für den Gegner entschieden 
hatte, lehnte dieses Ansinnen voll Verachtung 
ab, was die Einziehung aller französischen Gü- 
ter seiner Familie zur Folge hatte. 
Die zweite und dritte der hier abgebildeten Me- 
daillen (Abb. 2 u. 3) nehmen Bezug auf den 
von Eugen geführten Feldzug nach Italien im 
Spanischen Thronfolgekrieg von 1701-1714, der 
ganz Europa zu den Waffen rief. Eine Hälfte 
Europas schlug sich auf die Seite Frankreichs 
und stützte damit die Thronanwartschaft Philipps 
V., die andere Hälfte verband sich mit dem Kai- 
ser und stützte als Thronprätendenten dessen 
Sohn Karl (später lll. bzw. Vl.). Im Verlaufe die- 
ses Krieges wurde in Italien und an der Rhein- 
linie bis zu den Niederlanden gekämpft. 
Oberkommandierender der Kaiserlichen an der 
italienischen Front ist Prinz Eugen, der, in der 
Absicht, das Herzogtum Mailand für Österreich 
wiederzuerobern, statt von Norden her jenseits 
der Etsch in die Täler von Brescia zu mar- 
schieren - wo ihn mit seiner zahlenmäßig über- 
legenen französisch-spanischen Armee der Ge- 
neral Catinat erwartet, irregeleitet durch ein 
Täuschungsmanöver einiger Abteilungen - viel- 
mehr in einem tollkühnen Gebirgsmarsch die 
Lessinischen Berge überschreitet und von dort in 
mehreren Kolonnen in die veronesische Ebene 
herabsteigt. Pro forma entschuldigt er sich bei 
der Republik Venedig für die Verletzung der 
Hoheitsgrenzen und marschiert mit seinen Trup- 
pen bis nach Carpi und an die Etsch. Es gelingt 
ihm zwar nicht, das ganze feindliche Heer zu 
besiegen, sondern nur iene Truppenteile, die 
Catinat, überrumpelt vom unerwarteten Manöver 
und unschlüssig über die Pläne des Feindes, 
ihm verstreut entlang der Etsch entgegenschickte, 
führt aber zu einem anderen für Eugen posi- 
tiven Ergebnis: Die unhaltbare Truppenaufstel- 
lung an einer so weit gezogenen Front und mehr 
noch der Schrecken zwingen Catinat zu einem 
Truppenrückzug bis hinter den Oglio, wohin 
Eugen auf so einfache Weise zu gelangen nicht 
gehofft hatte. Catinat bezahlt seine Niederlage 
und den Rückzug mit dem Entzug des Komman- 
dos über die Operationen in Italien, das in der 
Folge Villeroy anvertraut wird. Eine Medaille 
von Brunner ist diesem Geschehen gewidmet 
(Abb. 2). 
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