MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 153)

Flandern gesandt, um dort die kaiserlichen ln- 
teressen zu vertreten. Gemeinsam mit seinem 
brüderlichen Freund und Gefährten Marlborough 
bezwingt er am 11. Juli 1708 in einem weiteren 
glänzenden Sieg den Gegner, als nämlich die 
Franzosen, beunruhigt über seine Ankunft,gerade 
im Begriffe waren, sich auf eine weiter hinten 
liegende Linie zurückzuziehen. Dieser neuerliche 
Sieg in Oudenarde bei Gand kostet den Feind 
enorme Verluste und viele Gefangene, die auf- 
grund einer ausgeklügelten Strategie Eugens ge- 
macht werden konnten: Indem er nämlich das 
französische Signal zum Rückzug blasen ließ und 
darauf seine Offiziere veranlaßte, die Führer der 
verschiedenen feindlichen Bataillone in franzö- 
sisch anzurufen. Von diesem Ereignis künden 
zwei Medaillen, die eine von Brunner, die andere 
von Müller (Abb. 8, 9). 
Noch dieser neuerlichen Niederlage bietet Lud- 
wig XlV., besiegt und überwältigt, Friedens- 
verhandlungen mit für Frankreich sehr erniedri- 
genden Bedingungen an. Eugen ist während sei- 
ner Reise zu den Friedensverhandlungen, die 
ihn durch die verwüsteten Gebiete führt, immer 
mehr zu der Überzeugung gelangt, daß ein 
Waffenstillstand für ganz Europa vonnöten 
sei. Dem entgegen will die Regierung in Wien 
noch härtere Bedingungen erzwingen, die im 
Jahre 1709 zu einem unvermeidlichen Bruch der 
Friedensvereinbarungen führen. Von neuem grei- 
fen Prinz Eugen und Marlboraugh zu den Waffen 
und demütigen die französischen Armee in einer 
Reihe van Schlachten so lange, bis nach der 
Eroberung der Feste von Taurnay und der 
Schlacht von Malplaquet am 11. Oktober 1709 
die Bahn für eine lnvasion Frankreichs frei 
ist. Als nun der Verwirklichung seines alten 
Racheplans nichts mehr im Wege steht, da erfaßt 
Prinz Eugen - der, weil er glaubte, der kaiser- 
lichen Sache auf den Schlachtfeldern dienlicher 
zu sein, auf den polnischen Thron und auf das 
Herzogtum Mantua verzichtet hat - Kriegsmü- 
digkeit, er fühlt sich mehr als genug belohnt 
durch die dem alten König Ludwig „ad abun- 
dantiam" zurückgegebenen Demütigungen. In 
Zukunft bekämpft er ihn fast ungern, weil er 
die Friedensbedienung, die der Kaiser seinem 
alten Rivalen auferlegt, für zu hart und ernie- 
dringend hält. An die Schlacht von Malplaquet 
erinnert eine Medaille von Hautsch (Abb. 10). 
Eine zweite Medaille von Hautsch gedenkt der 
anderen Siege dieser Jahre (Abb. 11). 
Der zu frühe Tod des Kaisers Josef I. im Jahre 
1711 verändert schlagartig die politische Kon- 
stellation in Europa: Die drohende Vereinigung 
Österreichs und Spaniens in der Person von 
Karl VI. (oder lll.) führt dazu, daß sich Verbünde- 
te vam Kaiserreich zurückziehen, weil sie um 
das Gleichgewicht in Europa besorgt sind. Aus 
diesen Gründen kommt es 1713 zum Vertrag 
von Utrecht und ein Jahr später zum Vertrag 
von Rastatt. Aber der Frieden im Kaiserreich 
ist nur von kurzer Dauer, und schon bald ist 
Eugen von neuem gezwungen, die Waffen zu 
ergreifen, um der Republik Venedig zu Hilfe 
zu eilen und somit seine tatenreiche und ruhm- 
volle Karriere im Kampf gegen diejenigen zu 
beenden, die seine ersten Feinde im Feld ge- 
wesen waren; die Türken. Nachdem er ihnen 
bei Peterwardein und Temesvar Niederlagen 
beigebracht hat, zerstört er zum wiederholten 
Mal Belgrad. Während der Belagerung Belgrads 
kam es zu einer äußerst gefährlichen Situation 
iür die Kaiserlichen, als sie zwischen dem tür- 
kischen Lager und der Stadt auf der einen 
Seite und der türkischen Hilfsarmee auf der 
anderen Seite eingezwängt wurden. Auch seit- 
lich gab es keinerlei Möglichkeiten zu entkom- 
men, weil die Pontonbrücken über Donau und 
26
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.