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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 153)

für den Unterricht, sondern auch für das 
an Bäumers prägend. 
vor vor allem diese Grundhgltung, die sein 
tältnis zu seinen Schülern bestimmte, und 
rchwer es für ihn oft war, die Andersartig- 
der Schüler zu ertragen, manchmal wurden 
Schülern auch Freunde, lebenslange Freunde. 
Erfahrungen aus der Itten-Schule halfen 
n Unterricht natürlich viel, und so waren 
itige Grundlagen des Lehrens Farb- oder 
kturstudien und Studien über warm-kalt, fest- 
lend, dick-dünn oder hell-dunkel. Auch Bild- 
lysen gehörten dazu und die einfachen Mo- 
: Pyramide, Kugel, Würfel und Faltenwurf. 
fache Ideen als Lehrer, die möglichst viel 
m lassen zur Entfaltung; eng-weit, im ein- 
ten, eng gestellten Thema die Weite ent- 
cen." 
allem ging es Bäumer darum, das Schöpfe- 
ie in iedem einzelnen zu wecken, und das 
nur möglich in einem Raum der Freiheit, 
lem nichts festgelegt war. Ohne es zu be- 
chtigen, trug Bäumers eigene Unsicherheit 
seine unerbittliche Ehrlichkeit und Demut 
' dazu bei, den Schülern Mut zu machen, und 
alf ihnen dadurch rascher, eine eigene Basis 
finden. Schon während seiner Lehrtätigkeit, 
r vor allem nach seiner Emeritierung im 
' I963 zog es den Maler, der sich im Goethe- 
an Sinn als „Deutsch-Römer" empfand, immer 
der und mit zunehmender Sehnsucht nach dem 
EH. 
s größte Wunder einer Landschaft ist, doß 
in ihr Himmel und Erde berühren." 
erson) 
zes Wunder erlebte Bäumer in Kalabrien. Die 
ge Erde, die unzivilisierte Wildheit der Felsen, 
Schluchten und Täler, das ewige gleiche 
doch ständig veränderte Meer und darüber 
Himmel. „. . . ein himmlischer Abend, schwere 
lkenbank, leichte Wolken, die Mondsichel, 
Abendstern strahlend und ein Himmel von 
zr Zartheit und Süße, daß man darin ver- 
l Eduard Bäumer, „Landschaft in Kalabrien mit 
Tropea", 1959. Ol, 50 x 86 cm 
2 Eduard Bäumer 
schweben hätte mögen. Ist darin eine Ahnung 
von Verklärung? Ich fühle mich nicht nur in 
Kalabrien, sondern im Mittelmeerraum, wenn 
ich mich auch immer nur vor ein kleines Stück 
Natur setze, um zu malen. Ich spüre hier die 
Revolution des Franziskus noch besser, sie hat 
noch lange nicht alle Füchte getragen. Vielleicht 
sind wir und unseresgleichen dazu berufen." 
Seit 1958 zog es Bäumer nach Tropea, der klei- 
nen alten Stadt, hoch oben auf dem Felsen über 
dem Meer gebaut, in Kalabrien, dem südlichsten 
Italien. Hier fand er, was er gesucht hatte, ele- 
mentare Natur und einfaches Leben bei armen 
italienischen Bauern. „Mein Leben hier basiert 
eigentlich darauf, in einer Welt zu leben, die 
noch ganz elementarisch ist: Erde, Meer und 
Himmel und darüber die Sonne, Bauern und 
Fischer im Mittelmeerraum" (1969). 
„Er führte mich hinaus ins Weite", diese Psalm- 
stelle hatte für Eduard Bäumer eine tiefe und 
vielfältige Bedeutung. Die Weite war, genau wie 
das Schauen, im praktischen Sinn zu verstehen, 
aber noch viel tiefer im metaphysischen. Es war 
die Sehnsucht, „großräumig" zu leben, die ihn 
erfüllte, die ihn als Maler und Denker beschäftig- 
te. Sein Denken bewegte sich, wie die Malerei, 
in Bahnen, die durch eigenes Erleben und durch 
die Lektüre von Dichtern, Denkern und Heiligen 
angeregt wurde. „Das Malen'ist ein Weg, so wie 
das Denken oder Dichten. Im Religiösen sagt 
man Viator. Mir kommt's ietzt manchmal, mein 
Leben zu überblicken, ein sehr zerstückeltes 
Leben, und ich sehe große Zusammenhänge 
und viel Sternhattes, große und kleine Augen- 
blicke, Vergangenheit und Gegenwart wachsen 
zusammen. Ich lebe großenteils mit den Malern 
die ich lieb gewonnen habe, die meisten tot." 
(1970) 
Trapea wurde für den Maler der Platz, an dem 
er zum ersten Mal in seinem Leben kontinuierlich 
arbeiten konnte, und die Bescheidenheit seines 
Lebens gab ihm Raum frei für seine Kunst. Es war 
nicht leicht, dieses „einfache" Leben, das Zu- 
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