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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 153)

lünstlerprofile 
Erich Lessing 
 
 
 
 
 
 
1 "Duellpistalen" - aus dem Buch 
nk. u. k. Armee 1848-1914" 
Z Peter Anich (1723-1766) „Heimat 
großer Sahne" - aus dem „Gro- 
en Usterreidiischen Bildkalender 
1970" 
3 Arrnbrustspanner und Setztarsche 
- aus dem Buch „Deutsche Ritter, 
Deutsche Burgen" 
 
 
 
Die Fotografie, nach nicht älter als 140 Jahre, hat 
sich in der industriellen Entwicklung Sdiritt für 
Schritt eine Position erobert, wie keine andere 
Erfindung des technisch-wissenschaftlichen Zeitalters. 
Seit den experimentierenden Anfängen um 1830- 
1840 ist der Fortschritt auf diesem Felde so rasant 
vor sich gegangen, hat die Perfektionierung der 
Apparaturen, Kopierverfahren und Aufnahme- 
techniken ein solches Niveau erreicht und sind die 
Vorstöße und Grenzüberschreitungen in das künst- 
lerische Neuland einer autonomen Fotografie so 
zahlreich geworden, daß man von einer appara- 
tiven Kunst und von einem einmaligen Triumph 
der Fotografie sprechen kann. Mehr als irgendeine 
andere Erfindung hat die Fotografie alle Daseins- 
bereiche durchdrungen und eine stete Veränderung 
unseres visuellen Bewußtseins bewirkt. Einer der 
seit vielen Jahren an der Spitze dieser Entwicklung 
und Entfaltung steht, ist Erich Lessing. 
Erich Lessing ist im Jahre 1923 in Wien geboren. Im 
Jahre 1939 mußte er emigrieren. Er fand in Israel, 
in Haifa, und später in einem Kibbuz eine neue 
Heimat. Im Jahre 1947 gehörte er der Associated 
Press an und bereiste in der Folge alle Länder 
Europas, immer auf der Suche nach aktuellen 
Bildern. Mit Ernst Haas war er einer der Begründer 
der sogenannten Magnum-Gruppe und trug wesent- 
lich dazu bei, daß diese Zeitschrift zu dem wichtig- 
sten Organ unseres optischen Zeitalters wurde. 
Erst im Jahre 1956 ließ er sich endgültig in Wien 
nieder, um nach den vielen Wanderiahren ietzt 
einen Weg zu beschreiten, der ihn wegführen sollte 
von der aktuellen Fotografie, van den zeitge- 
schichtlichen Dokumentationen in den Bereich einer 
künstlerischen Interpretation der historischen Ver- 
gangenheit. In kurzer Folge erschienen mehrere 
Bildbände, die allgemeine Zustimmung fanden 
und als außerordentliche und großartige Leistungen 
der zeitgenössischen Fotografie empfunden wurden. 
Erich Lessing erhielt für seine Arbeiten zahlreiche 
Preise: 1956 den Art Directors Award, 1966 den 
begehrten Fotopreis Prix Nadar, 1970 den Renner- 
Preis, und 1974 wurde ihm der Titel Professor ver- 
liehen. Zuletzt erhielt er den Preis der Stadt Wien 
„Für angewandte Kunst" 1976. In allen Werken 
Erich Lessings werden die Grenzen einer aktuellen 
Fotografie und Dokumentation zum künstlerisdien 
Neuland einer autonomen Fotografie hin über- 
schritten. Die Bünde, 1965 „Die Odysee", 1967 
„Entdecker des Weltraumes" und 1969 „Die Bibel" 
erschienen zuerst in deutscher Sprache, wurden 
aber dann ins Englische übersetzt und trugen 
Lessings Ruhm in alle Länder. Weitere Bände über 
Musiker, Reisen, das „lmago Austriae" sowie „Die 
Spanische Hofreitschule" schlossen sich an. 
Alle diese Arbeiten zeichnen sich dadurch aus, 
daß es Erich Lessing gelingt, das fotografische 
Bild so weit umzugestalten, zu inszenieren, das 
heißt mit Atmosphäre anzureichern, so daß eine 
ungemein verdichtete Aussagekraft und poetische 
Intensität des Bildes die Folge ist. Bei Lessings 
Arbeiten sieht sich der Betrachter nicht nur mit 
einer sachlich-richtigen Information konfrontiert, 
sondern vermag auch den zeitgeschichtlichen Hinter- 
grund zu ahnen und damit den Geist einer Epoche 
mit Hilfe neuartiger fotografischer Bildmittel einer 
apparativen Kunst zu erleben. 
Wilhelm Mrazek
	        

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