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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 153)

 
(Iber die eigentlichen Anfänge der deutschen 
und österreichischen gotischen Tafelmalerei sind 
wir nicht sehr gut unterrichtetl. Zwar lassen sich 
einige Werke sogar noch in spötromanische 
Zeit datieren, doch kann man kein klares Bild 
davon gewinnen, welche Bedeutung die frühe 
iatelmalerei wirklich besessen hat. Die vorhan- 
denen Lücken lossen sich zwar durch Zeugnisse 
der Buch- und Glasmalerei einigermaßen schlie- 
ßen, doch bleibt der unbefriedigende Eindruck 
des Fragmentarischen bestehen. Das Gesagte 
lößt sich auch für die Steiermark feststellen, wo 
der Beginn der Tafelmalerei mit einem dreiteili- 
gen Passionsretobel aus St. Lambrecht in Verbin- 
dung zu bringen ist (Farbtafel Il, Abb. i). Damit 
sind wir aber bereits in der zweiten Hälfte des 
14. Jahrhunderts. W. Suida bezeichnete die Ta- 
tel als „Vorstuie" der steirischen Malerei um 
14001. O. Pacht verwies besonders auf die böh- 
mische Stilgrundlage des „Meisters von Hohen- 
turt". K. Garzorolli identifizierte das Werk mit 
dem urkundlich genannten Maler „Wöltel von 
Neumarkt", der 1382 in Neumarkt als verstor- 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
ben vermerkt ist'. A. Stange wiederum be: 
nete ihn als Nachfolger des „Meisters der 
mannschen Kreuzigung"? E. Bacher brachte 
erdings einen Aspekt, der wertvolle Aufscl 
über das Verhältnis der Glas- und Tatelm- 
geben könntet. 
Das Passionsretabel steht mit St. Lambrei 
Zusammenhang. Als Benediktinerstitt war e 
kulturell bedeutsames Zentrum, von dem b 
tende Impulse ausgegangen sind. Neben 
damals wichtigen Städten Judenburg, Mura 
Neumarkt war St. Lambrecht Mittelpunkt 
geschlossenen steirischen Kunstlandschaft 
die Mitte des 14. Jahrhunderts mochte sic 
österreichischem Boden der Eintluß Giotto 
der Trecento-Malerei bemerkbar, die chai 
risiert ist durch ein besonderes Verhöltni 
Figur zu ihrem Umraum bzw. der Figur zur 
architektur. Die Figur wurde in dieser Zi 
eine neue Beziehung zu ihrer Umgebung 
setzt, was vor 1300 nicht möglich gewesen 
Es gibt vor der Mitte des 14, Jahrhundert 
ganz wenige Zeugnisse des italienischen
	        

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