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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 154 und 155)

anderen sind es Dokumente des ganz privaten 
Bereichs, in dem die enge Aufgabe der Bild- 
nisüberlieferung von anderen Konzepten über- 
deckt und erweitert werden kann. Hierher sind 
auch die Kopien nach Tizians „Fächermädchen" 
(Kot.-Nr. 9) oder „lsabella d'Este" (Kot-Nr. 5) zu 
zählen, die Rubens nicht um des Bildnisses, son- 
dern um des Bildes willen kopiert hat. 
Typisches Beispiel für die erste Gruppe ist das 
„Bildnispaar der Erzherzoge Albrecht und Isa- 
bella" (Kat.-Nr. 13, 14) aus den ersten Jahren 
seiner Bestellung zum Hotmaler der Souveräne. 
Es handelt sich um die offiziellen Porträtauf- 
nahmen, die in zahlreichen Fassungen, wie im 
Stich, verbreitet wurden. Der Jünglingskopf des 
„Vincenzo ll. Gonzaga" (Abb. 13) mag eben- 
falls den höfischen Porträts zugerechnet werden, 
wenn es sich dabei auch um ein Fragment aus 
einem sehr viel größeren Zusammenhang, aus 
der herzoglichen Stiftergruppe in Verehrung der 
Hi. Dreifaltigkeit vom Hochaltar der Mantuaner 
Jesuitenkirche (1605), handelt. Über die Identi- 
tät des Dargestellten herrschte lange Unklarheit 
- er wurde üblicherweise als der älteste Sohn 
Vincenzos l., Francesco, bezeichnet. Auf Grund 
der Bildtradition des Votivbildes, das den Jüng- 
sten immer zu Füßen der älteren Familienmit- 
glieder, und iedenfalls nie umgekehrt, zeigt, 
kann die Identifizierung mit dem [üngsten Sohn, 
dem späteren Herzog Vincenzo ll., als gesichert 
gelten. Bei der Rubens-Ausstellung in Antwer- 
pen im heurigen Sommer war neben diesem 
ein weiteres, exakt anschließendes Fragment mit 
dem Bildniskopf des wesentlich älteren, mitt- 
leren Bruders Ferdinand zu sehen, dessen Zu- 
gehörigkeit zum Mantuaner Altar nach dieser 
Gegenüberstellung eindeutig ist". 
Das private Bildnis war in der Ausstellung mit 
drei Porträtzeugnissen der eigenen Familie vor- 
züglich vertreten: neben dem „Selbstbildnis" 
(KaL-Nr. 58) aus den letzten Lebensiahren, in 
dem sich der Künstler in aristokratisrher Distan- 
ziertheit darstellt, unter dem „Pelzchen" Kot-Nr. 
57), das zwischen Bildnis der Helene Faurment 
und allegorischer Darstellung die Mitte hält, 
war der „Mädchenkopf" (Kat.-Nr. 17) aus der 
Sammlung Liechtenstein zu sehen, in Format 
und Durchführung mehr Kopfstudie als Bildnis. 
Wahrscheinlich ist hier doch die iung ver- 
storbene Tochter des Künstlers, Clara Serena, 
dargestellt, wie ein Vergleich mit anderen Bild- 
nissen sowie der Albertinazeichnung nahezu- 
legen scheint. 
Eine Sonderstellung nehmen die historisierenden 
Bildnisse ein, die Rubens authentischen 
bildern, wie bei „Maximilian I." (Kot-N: 
nachempfunden oder, wie bei „Karl dem 
nen" (Kat.-Nr. 29), hier unter Verwendul 
zianesker Muster, frei erfunden hat. Beid 
_hären offenbar einer Bildnisreihe an, e 
wie auch „Ansegisus und Bega" (Abb 
ein Bild, das auf eine Vorlage aus dem f 
16. Jahrhundert zurückgehen könnte. Zw 
Bildnis und Andachtsbild steht die SlCl15Tll( 
ein authentisches Porträt zurückzuführende 
Therese von Avila" (Kat.-Nr. 15), die im lm 
Erzherzog Leopold Wilhelms vorkommt 
kürzlich in den Beständen der Galerie w 
entdeckt werden konnte (Abb. 10). 
Als ein charakteristisches Beispiel einer 
gattung, der politischen Allegorie, mit de 
bens sich in den zwanziger Jahren um 
sonders im letzten Jahrzehnt seines Leber 
foßt hat, war auf der Wiener Ausstellung 
die Occasio-Allegorie (Abb. 3) aus den S 
lungen des Fürsten von Liechtenstein zu s 
Rubens' Beschäftigung mit dieser Bildgc 
steht in engem Zusammenhang mit seiner 4 
matischen Tätigkeit während des sich zuneh 
katastrophal auswirkenden Dreißigiäh 
Kriegs und trägt nicht selten exhortative 
1D 
11 P. P. Rubens, Die Beweinung Chrisli, [ 
Eichenholz 107,5x115,5 cm, Kunslhislor 
Museum, Öemöldegulerie, 1nv.-Nr. 529 
12 P, P. Rubens, Ansegisus und die hl. 
Eichenholz, 94 x 76 cm,Kuns1his1orisches ML 
Gemäldegalerie, 1nv.-Nr. 521 
13 P. P. Rubens, Vincenzo (11.) Gonzagcz, 
67x51,5 cm, Kunslhislorisches Museum, C 
degalerie, lnv.-Nr. 6084 
Anmerkungen 17-21 
"AussL-Kat P. P. Rubens, Gemälde 7 Ulskizlen A 
nungen 29, Juni - 30. Seplernber 1977, Änlwerpen, 
liclves Museum der Schönen Künsle, Nr. 1Ü; V9 
Norris, in: The Burlinglon Magazine 117, 1975, 
An der alten Bezeiüinung hal1en zulelit fesh F. H 
Porlrails I 1: COrpUS Rubenianum Ludwig Bu 
Purl 117), Brüssel 1977, 29 11., und M. JuHe, Rube 
lialy, oxrdrd 1977, 76, sowie J. Müller-Hofslede, 
bens in Hallen, ÄussL-Kdl. Köln 1977, 100-105, 3 
(Nr, B9). 
"M. Warnke, op, (11., 121i30; allgemein zu den 
schen Allegorien; J. S. Held, in: Journal o1 Ohe W 
und Caurmuld 1nsli1u1es 38, 1975, 218733, und R. 
slurk, m; Aachener Kunsälalöller 411974, 125-234. 
" Die „Vier Wellleile" wurden anläßlidw der Äuss 
gerelnlgl, die Furbubbildung gib! das Bild nach d 
deckung wieder. Hinluweisen isl 2. B. auf die ur: 
um andere Poslhcn der Tigerin, deren Kdpo e 
rnler dem linken Vorderluuf des ielll sichburen 
iegi. 
"Die Chronologie von Rubens' Lcndschallen isf 
noch 58h! konfrovers; ersl iüngsf m die, wenn ITID 
demselben Typus angehörende Berliner Landsch: 
dem Schiffbruch des Äneas in Rubenf ilalienisd 
dclierl worden, vgl. M. Jolle, op. ci1., 78. 
" ÄUSSYrKOÖ. KHM, Nr. 41, S104.
	        

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