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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 154 und 155)

Die genetische Wurzel des Puttenreigens reicht 
gleichfalls zu diesem Werk zurück, das eine 
kompositionell und ikanographisch vergleichba- 
re Lösung darstellt, bevor sich Rubens der ihn 
später so häufig beschättigenden Gestaltung 
des Themas der Himmelfahrt Mariae zuwandte, 
an deren Beginn das Leningrader Bild und wahr- 
scheinlich die Zeichnung der Altertina stehen. 
Der urkundliche Bericht von 1611 spricht von 
„duo modella cantinentia histariam Assumptionis 
B. Mariae Virginis, diverso modo depictamz. im 
Leningrader Bild, das einer altertümlichen, nor- 
dischen lkonographie folgt, wird die Jungfrau 
von Christus gekrönt, während sie in der Zeich- 
nung in den Himmel aufföhrt, wie dies auch bei 
allen anderen Rubensschen Darstellungen dieses 
Themas der Fall ist. Nicht beachtet aber wurde 
meines Wissens bisher, daß im Albertinablatt 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
ein herabstürzender Putto über das Haupt Ma- 
riens einen Kranz hält. Dieses Motiv kommt bei 
Rubens häufig vor, auch im Zusammenhang mit 
dem Marienthema", nicht iedoch bei der Dar- 
stellung ihrer Himmelfahrt, welche die Krönung 
durch Christus zum Ziel hat. Es wäre denkbar, 
daß sich Rubens dabei an Märtyrerdarstellungen 
inspiriert hat und sein frühes, 1602 in ltalien 
entstandenes Gemälde „Die hl. Helena mit dem 
Kreuz Christi" eine Quelle dafür war". Der 
linke Putto der Zeichnung, der offenbar einen 
Palmzweig hält, deutet in denselben ikonogra- 
phischen Umkreis. Derartige Reminiszenzen an Ge- 
mälden der italienischen Zeit des Künstlers treten 
auch im fliegenden Putto seitlich der Madonna 
im Leningrader und im Wiener Bild auf. Er hat 
seine Vorläufer in der „Beschneidung Christi" in 
S. Ambrogio in Genua (das Modello dazu be- 
findet sich in der Gemäldegalerie der Akademie 
der Himmelfahrt Mariae stehen auch die Vorder- 
anbetung von S. Filippo Neri in Ferma, zu der 
eine Variante im Gemälde der Antwerpener St.- 
Pauls-Kirche existiert, welche bereits nach Ru- 
bens' Rückkehr aus Italien entstanden ist's. Noch 
im Kupferstich der Anbetung der Hirten im Mis- 
sale von 1627 von einem Rubens-Nachahmer 
findet dieser Putto Verwendung". 
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P. P. Rubens, Der 
lldefonsoaltar, Ei- 
chenholz, Mittelbild 
352x236 cm, Flügel 
i? 352x109 cm. 
unsthistorisches 
Museum, Gemälde- 
galerie, lnv. 678 
P. P. Rubens, Studie 
zur Madonna im Il- 
defonsoaltar. Rötel, 
schwarze Kreide, 
weiß gehöht. 191x 
165 mm, lnv. 8172 - 
Kat. Albertina 1977, 
Nr. 49 
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F. P. Rubens, Studie zu einer Heiligen in 
fonsoaltar (Profil nach rechts). Rötel, sch 
Kreide, 245x158 mm. lnv. 8270 - Kot. Alb 
1977, Nr. 51 
P. P. Rubens, Studie zu einer Heiligen irr 
fonsoaltar (Dreiviertetprofil). Rötel, sch 
Kreide, weiß gehöht, 249x165 mm. lnv. i 
Kat. Albertina 1977, Nr. 50 
F. P. Rubens, Blinder Mann, mit ausgestn 
Armen sich vorwärtstastend. Schwarze K 
weiß gehöht, 282x417 mm. lnv. 17.641 - 
Albertina 1977, Nr. 17 

	        

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