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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 154 und 155)

an ikonogrophischen Besonderheiten der 
inazeichnung, die aus der Unsicherheit 
frühen, ia vermutlich erstmaligen Besdrtäf- 
t mit dem neuen Thema verständlidt wer- 
reten die tastenden Versuche in der forma- 
iestaltung. Sie drücken sich in zahlreichen 
nenti aus, beispielsweise am linken Arm 
ladonna sowie in der Mehrzahl der Pul- 
Im Stil und Realismus des Ausdrudcs sind 
ienen im Gemälde „Judith und Holofernes", 
auch dem schreienden Kind im linken Flü- 
les Antwerpener Kreuzaufrichtungsaltars 
eichbar". Der Gesamteindruck der Zeich- 
läßt jedenfalls vermuten, daß hier kein 
ld übernommen oder variiert, sondern um 
Ssung eines neuen Themas gerungen wird. 
rsammenhang mit dem Wiener Gemälde 
immelfahrt Mariae stehen auch dieVorder- 
Rückseite eines Blattes der Albertina mit 
an für den gegen den Grabstein sich stem- 
en Mann sowie für den sich vorneigenden 
1it staunender Ergriffenheit in das geöffne- 
eere Grab Mariaens blinkenden Apostel 
8 und 9). 
Gestalten scheinen bereits im Leningrader 
llo auf, mit dem sie mativisch noch eng 
nden sind, während Ausführung und Sen- 
mus der Darstellung bereits auf das Wie- 
ild hinweisen. Stilistisch zeigt der Männer- 
nklänge an die Gestalt des hl. Christopho- 
if der Außenseite des 1611-1614 entstande- 
(reuzabnahmealtars der Antwerpener Ka- 
rkungen 12-25 
ouin, a. a. O. p. 64, Anm. 35. 
zl. B. KdK. 305, 338. 
21; Kat. Kunsth. Museum, Wien 1977, Nr. 3. 
weiters M. Varshavskaya, Rubens' Paintings in the 
iitage Museum, Leningrad 1975, Kat. 1, wo auch die 
an Gemälde von Fermo und Antwerpen abgebildet 
ferner die Zeichnung d. Albertina, lnv, 8206. Die 
ns-Zeidtnungen der Albertina, Ausstellungskatalog, 
thedrale (die Ulstudie dazu befindet sich in der 
Münchner Pinakothek)", die seinerseits stark die 
Kunst Midielangelos reflektiert (Abb. 11). Rubens' 
frühes Gemälde derTaufe Christi im Museum van 
Antwerpen", zu dem eine Vorzeichnung im Lou- 
vre existiert", sowie eine aus dem Besitz des 
Künstlers stammende, heute in der Albertina 
sich befindlidne Originalzeichnung Michelange- 
los" können diese Beziehungen näher illustrie- 
ren (Abb. 10 und 12). Das jugendliche Modell 
auf der Rückseite des Blattes wurde in einem 
für Rubens typischen Schaffensvorgang erst in 
der Gemäldeausführung zum bärtigen Apostel 
umgewandelt, doch haben seine Züge offenbar 
die Gestaltung des sich unmittelbar dahinter 
befindlichen, wohl Johannes darstellenden Apo- 
stelkopfes beeinflußt, der im Leningrader Bild 
nach nicht im reinen Profil aufscheint (vgl. auch 
das Motiv des aufgestellten Kragens). 
Besonders eng ist die Übereinstimmung zwi- 
schen zeichnerischer Studie und Gemäldeausfüh- 
rung bei der Gestalt eines sich vorwärtstasten- 
den Blinden im Altarbild der Wunder des hl. 
Franz Xaver (Abb. 17 und Abb. 7, p. 7). Wohl 
wird in der Ausführung auf die Wiedergabe des 
Gewandes und den auch in der Ölstudie zum 
Bild noch vorhandenen, über dem rechten Ober- 
arm gelegten Faltenbausch verzichtet (während 
ein Relikt van diesem aber erhalten bleibtl), an- 
sonsten iedoch wird die Zeichnung sehr genau in 
das Gemälde übertragen. Hingewiesen sei auf 
die Silhouette der durchgedrürkten Hände, mit 
Wien 1'777, Nr. B0 (bearbeitet van E. Mitsch . Hier auch 
der Stidt des Missale von 1627 abgebildet. (n der Folge 
zitiert: Kat. Albertina, Wien 1977.) 
"Der Katalog Burchard-d'Hulst Nr. 73 vermerkt, daß bei 
dem Putta rechts von der Madonna ursprünglich eine 
ähnliche Stellung geplant gewesen wäre wie im Gemälde 
des Budcingham Palace. Die Sdtlußfalgerung, daß die 
Zeichnung daher vielleicht nach diesem anzusetzen sei, 
erscheint iedadn nidtt zwingend. 
" KdK. 30 und 36. 
7" KdK. 53. 
der, in der Zeichnung nur angedeuteten, origi- 
nellen Gestaltung des Daumens. 
Zuletzt bedarf es noch der Erwähnung der 
drei in der Albertina sich befindlichen Kopf- 
studien für den berühmten Altar des hl. llde- 
fonso (Abb. 13 und Abb. 14-16). Sie dienten 
als genaue Vorlagen für die Madonna und 
zweier sie flankierender weiblicher Heiligen, von 
denen der rechte Kopf im Dreiviertelprofil später 
im Gemälde wieder getilgt worden ist. Die 
Zeichnungen sind Musterbeispiele Rubenssdter 
Ökonomie zur Erzielung farbigen Reichtums und 
stärkster sinnlicher Wirkungen. Das mädchen- 
hafte Antlitz der Madonna sdteint im Gemälde 
einen etwas reiferen Ausdruck erhalten zu ha- 
ben. Eine ähnliche Feststellung läßt sich auch 
bei anderen Werken des Künstlers treffen, bei- 
spielsweise der Albertinazeichnung mit zwei 
Mädchenbildnissen für das Gemälde „Tomyris 
läßt das Haupt des Cyrus in Blut tauchen"." 
Dieser Aspekt könnte auch den Abstand zwi- 
schen der wahrscheinlidt Rubens' älteste Tochter 
Clara Serena darstellende Parträtzeidtnung 
einer Ehrendame der lnfantin lsabella (Farbabb. 
p. 8) zur Gemäldeausführung in der Leningrader 
Eremitage verringernß. 
i] Anschrift des Autors: 
Dr. Erwin Mitsch 
Kustos an der Graphischen Sammlung Albertina, 
Augustinerstraße 1, 1010 Wien 
1' KdK. 14. 
n Burohard-dHulst Nr. 29. 
"Albertina-Im. 123. R. 130. Die Zeidinung stellt zwei Akt- 
studien zur „Schladit bei Cascina" dar. Ausst.-Kat., 
Italienische Zeichnungen der Renaissance. Zum 500. Ge- 
burtsiahr Micftelan elos (bearb. v. E, Knab), Albertina, 
Wien 1975, Nr. III 18). 
" Kot. Albertina, Wien 1977, Nr. 29. 
"KdK. l. Auflage 272 links; Varshovskaya, a. a, O. Nr. 
28, Farbtaf. 26.
	        

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