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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 154 und 155)

13 Schloß Emsburg, Zimmer neben der Eingangs- 
halle. Ofenmit blau-gelben Kacheln aus Schloß 
Hirschberg in Böhmen, um 1600 
14 Schloß Emsburg. Hauskapelle. Weißglasierter 
Ofen, um 1750, aus dem Palais Ledebur in Prag 
Anmerkungen 31734 
3' Die Archivalien befinden sich im BesitZ des Verfassers. 
"Ein Ofen mit vergleichbarem brokatartigem Ornament 
steht im Natianalmuseum VON Trient. 
"Salzburg, Sdwloß Klesheim und lnnsbrudr, Tiroler Volks- 
kundemuseum. Rosemarle Franz; Der Kachelofen, Graz 
1966, Abb. 537 und 533. 
" Großes Werk der Nächstenliebe. ln: Salzburger Nadi- 
richten, Z6. 1. 1963, S. 19. - Jubiläum der Halleiner 
Schulschwestern. ln: Rupertlbate, Nr. 4, 27. 1. 1963. 
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28 
 
Die Emsburg im 20. Jahrhundert 
Im Jahr 1908 erwarb Kunibert Graf Lamberg, 
der Sohn des einstigen Landeshauptmanns, vom 
Sohn des Grafen Thun-Hohenstein die Emsburg. 
Als Erbstücke seiner Gemahlin Josefine, einer 
geborenen Gräfin Waldstein-Wartenberg, ka- 
men 1911 einige wertvolle Ofen aus Böhmen 
in die Emsburg". Aus dem Waldsteinischen 
Schloß Hirschberg (heute Dosky) kam der aus 
blau-gelben Kacheln mit Brokatmuster und Putti 
gefertigte Ofen mit zylindrischem Aufsatz und 
durchbrochener Bekrönung von etwa 1600". Die 
beiden weißglasierten Rokokoöfen, einer aus 
der Mitte des 18. Jahrhunderts, der andere mit 
vereinzelten Louis-Seize-Farmen, stammen aus 
dem Palais Ledebur in Prag. Nach mündlicher 
Tradition wurde auch der in Blaumalerei aus- 
geführte Ofen der Zeit um 1700 aus Böhmen 
nach Salzburg gebracht. An seinem Unterbau 
wechseln hachrechteckige Bildkacheln, darauf 
sind Reiter und ein bewaffneter Mann in einem 
Bühnenkostüm gemalt, mit schmalen Pilasterka- 
cheln. Auf ihnen sehen wir bewaffnete Atlanten. 
Der Oberbau des Ofens ist sechseckig, die Ecken 
zieren weinlaubumwundene gedrehte Säulen, die 
Bildfelder zeigen Reiterinnen, darunter „Oriathia 
Reyne des Amazanes". Nach Entwurf des Archi- 
tekten Karl Pirich entstanden die nötigen Ergän- 
zungen des Ofens, wie die Füße und der darüber- 
liegende Ornamentstreifen, außerdem die zur 
Verkleidung der Wand benötigten Kacheln. So- 
wohl bei diesem Ofen wie auch bei den drei 
vorhin genannten, die nachweislich aus Böhmen 
kamen, bedeutet diese Angabe keinesfalls eine 
Bestimmung ihrer künstlerischen Herkunft. Ge- 
rade die dem in Blaumalerei ausgeführten Rei- 
terofen nahestehenden Beispiele befinden sich 
nämlich im alpenländischen Bereich". 
Noch 1913714 ließ Kunibert Graf Lamberg an 
der Nordseite des Schlosses einen apsisartigen 
Anbau anfügen. Der Raum im oberen Stock 
dieses Annexes erhielt einen neuen Ofen, des- 
sen Kacheln das Ordenskreuz des Rupertiritter- 
ordens zeigen; auch die Eingangstüre des Schlos- 
ses zu ebener Erde wurde mit einem solchen 
Kreuz versehen. 
Nach dem Tod des Grafen Lamberg 1930 be- 
wohnte die Emsburg seine Witwe, 1938 zog 
deutsches Militär ein, dem folgte ein kurzes 
Zwischenspiel des BDM. Als die Gräfin 1941 
starb, verkaufte der Erbe das Schloß an das 
Reichsforstamt, das hier eine internationale 
Forstzentrale einrichtete. 1945 beherbergte die 
Emsburg Soldaten der US-Armee. Schließlich er- 
warben die Halleiner Schulschwestern 1952 das 
Schloß als neues Mutterhaus". 
Die seit 1948 durchgeführte Restaurierung durch 
die Halleiner Schulschwestern brachte zwar eine 
Sanierung des allgemeinen Zustandes, doch wur- 
den der Turmhelm entfernt und nicht mehr er- 
neuert, an der Hauptfront zwei Fensterachsen 
vermauert und die Gesimse abgeschlagen, 
schließlich die beiden Gesindebauten seitlich des 
Haupteinganges an der Hellbrunner Allee um 
ein Stockwerk erhöht, wodurch die ursprüngli- 
chen Proportionen der Gesamtanlage gravierend 
verändert wurden. So befindet sich das Schloß 
Emsburg heute in einem zwar liebevoll gepfleg- 
ten Zustand, doch bedarf es einiger Kenntnisse, 
um den ursprünglichen Zustand wenigstens imagi- 
nör zu rekonstruieren. Erst danach kann sich die 
wahre Qualität des Baus zeigen, der als echte 
Villeggiatur venezianischer Prägung in Verbin- 
dung mit dem aus dem Toskano-Römischen 
stammenden Motiv der Substruktion im Salz- 
burger Kunstkreis allein dasteht. 
lIlAnschrift des Autors: Dr. Wolfgang Steinitz, 
Kunsthistarisches lnstitut der Universität 
Salzburg, Zillnerstraße 6, 5020 Salzburg 
 
 
15 Schloß Emsburg. Raum im 1. Stock. Wei 
sierter Ofen, um 1760, aus dem Palais LSI 
ll't Prag 
16 Schloß_Emsburg, Bibliothek, Reiterofen in 
malerel, um 1700, alpenlöndisch l?) 
K 
Der Beitrag ist meiner Mutter gewidmet, die VOr a5 . 
m der Emsburg geboren wurde. 
Für freundliche Hilfe und für die Erlaubnis, die Plc 
fotografieren, bedünke ich mich bei Herrn m. Adolf 
lErlabtet St. Peter), Herrn nimudi Hofrat Dr. 
Pagitz und FrOU m. Frlederike zülSberger [Sülll 
LGFItJESCIrClIiV] sowie Herrn oi. Albin RDfIrMOSGr lSUlll 
Museum c. M. 
1b
	        

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