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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 154 und 155)

 
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Auch das etwas abgelegene Prämonstratenser- 
stift Schlägl weist interessante Möbel der Jahr- 
hundertmitte auf. Gerade dieses ärmere und 
daher weniger umgebaute Stift hat in der ersten 
Hälfte des 17. Jahrhunderts bedeutende Bau- 
arbeiten durchgeführt. im Gegensatz zu den 
großen Barockstiften sind sie noch erhalten. 
Wie eng die künstlerischen Kontakte der ein- 
zelnen Stifte untereinander waren, beweist 
die Tatsache, daß der Kremsmünsterer Stifts- 
schlosser Hans Walz ebenso wie in St. Flo- 
rian 1634 in Schlägl das Chorabschlußgitter 
schuf. lnteressant sind die 1654 datierten großen 
Sakristeischrönke des Aigner Tischlers Ulrich 
Koch". Sie vertreten die Stilstufe des zweiten 
Viertels des Jahrhunderts mit seinem reichen 
Ohrmuschelstil und den glatten unintarsierten 
Feldern. Die beiden Schränke in der Priester- 
sakristei sind eingebaut. Dazu gehört nach ein 
Büfett, dessen Aufsatz später dazugefügt wurde. 
Vergleichbare Möbelformen finden sich im baye- 
rischen Raum im zweiten Jahrhundertviertel". 
Der Schrank Kochs in der Priestersakristei ist 
ein Stollenschrank, der offensichtlich falsch zu- 
sammengestellt wurde. Er besteht aus zwei ver- 
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schieden hohen Stollen. Der niedrige Stollen 
wurde wohl irrtümlich auf den höheren aufge- 
setzt, statt wie üblich unter ihm. Stilistisch ent- 
spricht er den Kästen der Prälatensakristei. 
Einen andersgearteten Möbeltypus repräsen- 
tieren zwei Tragorgeln des Linzer Tischlers und 
Orgelbauers Valentin Zeiss von 1639 und 1646 
im Museum Carolino Augusteum in Salzburg und 
in der Kapelle von Schloß Aistersheim". Zeiss 
wurde 1639 von Kaiser Ferdinand lll. als Hof- 
tischler aufgenommen. Auch die Kammereirech- 
nungen von Kremsmünster erwähnen ihn. Beide 
Orgeln weisen einfache, schwarz gebeizte Kö- 
sten mit Schnitzereien und Malereien auf. Tasten- 
instrumente sind häufig in bemalten Kästen un- 
tergebracht. Jedoch kommt dieser Typus auch bei 
anderen Möbeln, wenn auch selten, vor. Die 
Kremsmünsterer Kammereirechnungen erwähnen 
z. B. 1649 ein Bett des Linzer Tischlers Mathias 
Pidermann, das schwarz gebeizt ist und zwei 
bemalte Teile aufweist. In der Johanneskapelle 
von Traunkirchen befinden sich Kirchenstühle, 
die in das zweite Viertel des Jahrhunderts zu 
datieren sind. Die schwarz gebeizten einfachen 
Kirchenbänke sind reich bemalt, und zwar in 
 
einer Ornamentik, die der des Steyrer Gest 
ähnlich ist. Ein weiteres Möbel dieser Art 
findet sich auf Schloß Auhof bei Perg. Es l 
delt sich um einen zweitürigen Kleiderschr 
der in vier Feldern Reiterdarstellungen aufm 
Dieser im 18. Jahrhundert auch im bäuerli- 
Bereich vorkommende Kastentypus hat iei 
mit der Volkskunst nichts zu tun. Der Kasten w. 
ein Wappen mit fünfzackiger Krone auf 
ähnelt dem der bayerischen Familie Meichsr 
Aus der Tradition der schwarz gebeizten be 
ten Möbel des 17. Jahrhunderts erwächst c 
im 18. Jahrhundert die Nachfolge der bäu 
chen Möbel. 
Neben diesen reichen und prunkvollen Mö 
finden sich auch einfache Möbel, auf die 1 
im einzelnen eingegangen werden kann. 
Vollständigkeit halber seien sie aber erw(' 
1613 ist der Einbauschrank der Sakristei vor 
Wolfgang am Abersee datiert. Um diese 
ist wohl auch der Einbauschrank der Sakr 
des Klosters Mondsee, zu dem St. Wolfgang 
hörte, entstanden. 1624 datiert ist die Vert 
lung des Gasthauses in St. Agatha bei Goi: 
1626 zwei Türen in der Abtei von Kremsmün 
1643 ein Sakristeischrank der Kirche von K 
berg bei Kremsmünster, 1656 das Chorge: 
der Kremsmünsterer Pfarre Oberrohr. Ähr 
gestaltet ist das Chorgestühl der Schlägler V 
fahrtskirche St. Wolfgang am Stein. Zwei 
datierte Türen sowie eine Kassettendecke im 
Landesmuseum (lnv.-Nr. Mä 41, 219) stam 
aus dem Salzkammergut. 
Auffallend ist, daß das frühbarocke Möbel 
ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts vor allen 
Bereich der Stifte angesiedelt ist und hier 
derum Kremsmünster und Garsten hervorz 
ben sind. Die Kunsttötigkeit dieser beiden S 
war im fraglichen Zeitraum besonders groß. 
übrigen oberösterreichischen Klöster waren 
Ausnahme von Schlägl weniger dominierenc 
den Schlössern finden sich mit Ausnahme 
Ebenzweier und Aistersheim keine eindeutig 
dem Zeitraum stammende Mäbel. 
Ü Anschrift der Autorin: 
Dr. Brigitte Heinzl 
Oberästerreichisches Landesmuseum 
Museumsstraße 14 
4010 Linz 
24 Valentin Zeiss, Tragorgel, 1646. Aistersh 
Schlaß, Kapelle 
25 Chorgestühl, Mitte 17. Jahrhundert. St. V 
ganglo. Stein, Kirche 
Anmerkungen 39-42 g 
"Everrnod Hager, Die Kunstdenkmäler des Stiftes Sr 
aus der Zeit Martin Greysings, 1627-1665, km2 
Abb. 10. 13. 
w Kreisel, Abb. 390, 391, m, _ 
41 John Henry van der Meer, Die Orgelklavlere 
Valentin Zeiss, Linz, in: Kunstiahrbuctnder Stadt Linz 
"Ein Christoph Adam Merchsner ehelichte 1656 an 
sitlerm des Schlosses lGear Grillt, Burgen und Schl 
im Mühlviertel, Wien 1962. Die Herkunft des St 
ist leider nicht geklärt, J, Stebrnachers großes Wal 
buch sechsten Bandes, 1. Abteilung, Abgestorbener 
rischer Adel, ll. Teil, Nürnberg 1906, T. 86.
	        

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