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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 154 und 155)

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eitl" war der Leitspruch von Bauhaus-Be- 
der Gropius. 
die Maschine glaubte auch der fröhliche 
and Leger, der das mechanische mit dem 
zischen Ideal verbinden, den menschlichen 
ier als „rhythmische Maschine" im Stile der 
ke veredeln wollte. „Die menschliche Um- 
wird eindeutig vom mechanischen und in- 
'iellen Objekt bestimmt; dieses unterwirft 
die Brüste und Rundungen der Frau, die 
nte, die weiche Landschaft - Inspirationen 
den Maler, seit es die Kunst gibt", schrieb 
in andermal nicht ohne Witz (Abb. 5, „Frau 
Blumen", 1922). 
ende Gegner der Maschine, der durch sie 
erkstelligten Mechanisierung und Entfrem- 
; des Menschen, waren die Dadaisten. Die- 
Sachverhalt darzulegen, unternimmt eine 
ne Sektion der außerordentlich materialrei- 
und von Eberhard Roters in Zusammenar- 
mit Hanne Bergius umsichtig gestalteten 
aistenausstellung in der Akademie (650 Ob- 
2). Dada entstand 1916 in Zürich, im Jahr 
mehr als sieben Monate währenden und 
Jtornben von Menschenopfern fordernden 
arialschlacht von Verdun. Die Bewegung 
tete sich in rebellischen lntellektuellenzirkeln 
r ganzen Anzahl von Ländern Europas und 
erikas aus und endete 1923-1925 mit dem 
rgang zu Neuer Sachlichkeit und Surrealis- 
a war gegen den Krieg, das „wahnsinnige 
Jrodukt der Herrschaftsordnung". lnszeniert 
extremen Individualisten, selber meist bour- 
ser Herkunft, und Bohemiens, „Hybriden 
Gattung Bürger" (Roters in dem umfangrei- 
l und außerordentlich instruktiven Katalog 
Ausstellung, 3710), wendete dadaistische Ak- 
':it sich so ziemlich gegen alles, was 
in bürgerlichen Wertvorstellungen in Kunst 
Gesellschaft gab. Die Dadaisten glaubten 
haupt nicht an die Ratio. Protagonisten eines 
fstands der Ungläubigen gegen die lrrgläu- 
in" (Arp), Verfechter der Theorie des 
öpferischen Chaos", hoben sie das Irratio- 
e, Widersprüchliche, Zufällige auf den Schild, 
ipften sie mit den Mitteln des Schocks, des 
fs, des Skandals, der Mystifizierung, der Iro- 
(auch der Selbstironie) und des Paradaxons. 
l Rays heiter-widersinniges „Geschenk" (ein 
eleisen mit 14 Nägeln auf der Bügelfläche) 
rorhanden, aber auch eine Fülle von noch 
ver-rückterem, aggressiverem, übermütigem 
nicht zuletzt auch von ernstem, dokumenta- 
iem, auf krasse gesellschaftliche Mißstände 
veisendem Material. Plakate der einen wie 
anderen Art sind zu sehen, Aufrufe, Zeitungs- 
chnitte, Fotos und bildliche Darstellungen 
Grabenkrieg, von Kriegskrüppeln, Schie- 
l, von der Fließbandarbeit in den Fabriken. 
wen Zeugnissen dadaistischen, lyrischen und 
wtatischen Schaffens finden sich solche, die 
H] Begriff davon geben, was ein Otto Dix 
b. 6), ein George Grosz (Abb. 7] und andere 
eutende Meister auf dem bildnerischen Felde 
gesellschaftskritischer Satire geleistet haben, 
Schwitters (in vielen schönen Beispielen) in 
Kunst der Collage, was der frühe Max Ernst 
Vlalerei und Graphik, was Arp im abstrakt- 
tischen Relief, was Heartefield in der Foto- 
itage. 
ch einige Reserve, gerade an dem nun zu 
andelnden äußerst kritischen Punkt, leistet 
er auch die Berliner, ansonsten höchst in- 
native Dadaistenausstellung der weitverbrei- 
in Unsitte Vorschub, so zu tun, als habe der 
 
 
 
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Dadaist Marcel Duchamp (1887-1968), mit sei- 
nen etlichen, seit 1913 entstandenen „Ready- 
mades" eine neue Art von Kunst begründen 
wollen. Fiel ihm gar nicht ein! 
Duchamp zu dem prominenten Pariser Kunst- 
kritiker Pierre Cabanne im Jahre 1966: „lch 
wollte ia eigentlich kein Kunstwerk daraus ma- 
chen. Der Ausdruck ,Ready-made' (zu deutsch 
Fertiges, Vorfabriziertes; meist auf industriell 
hergestellte Produkte angewendet; d. Verf.) 
tauchte erst im Jahre 1915 auf, als ich nach Ame- 
rika ging. Er interessierte mich erst als Wort, 
aber als ich ein Fahrrad-Rad mit der Gabel 
nach unten auf einen Schemel montierte (Abb. 8), 
dachte ich dabei weder an ein Ready-made 
noch an irgend etwas anderes, ich wollte mir so 
nur die Zeit vertreiben. Es gab keinen bestimm- 
ten Grund dafür, idw wollte es nicht ausstellen 
und nicht beschreiben. Nichts dergleichen..." 
(Pierre Cabanne, Gespräche mit Marcel Du- 
champ, deutsch, Köln 1972, Seite 66). 
Der Künstler sah in Sachen solcher Art, wie auch 
in dem „Flaschentrockner" (1914) und der 1917 - 
um „Skandal" zu erregen (Cabanne, Seite 79) - 
in eine Ausstellung eingesandten „Fontöne" (ein 
verkehrt auf einen Sockel postiertes Urinoir) im 
Ernst nie etwas anderes als „Antikunst" oder 
„A-Kunst" (bei Cabanne u. a. Seite 80; siehe 
auch Hans Richter, Dada-Kunst und Antikunst, 
Köln 1973, Seite 94195). 
Gelegentlich führte der alte Duchamp, teils är- 
gerlich, teils belustigt, über seine Verehrer und 
Nachahmer auch unmittelbar Klage: „Ich warf 
ihnen den Flaschentrockner hin und das Urinoir 
ins Gesicht - als eine Herausforderung. Und 
jetzt bewundern sie das als ästhetische Schön- 
heit!" („Der Spiegel", 3. Mai 1971, anläßlich 
einer großen Duchamp-Schau in Brüssel.) 
Es gibt auch duldsamere Bemerkungen Marcel 
Duchamps. Die von ihm 1919 durch Bleistiftstriche 
mit einem Schnurrbart und einem Ziegenbart 
geschmückte Kunstdruckreproduktion der Mona 
Lisa bezeichnete er gerne als „ein Ready-made, 
kombiniert mit ikonoklastischem (also bildstür- 
merischem) Dadaismus", was eine vergleichswei- 
se sachliche Charakterisierung ist. Ebenso das 
Sätzchen, er habe an den unteren Rand des 
billigen Farbdrucks 4 (in Wahrheit 5) Buchstaben 
geschrieben, „die, französi ch ausgesprochen, 
eine ziemlich riskanten Witz über die Gioconda 
ergellen". Schonungsvoll und sich selber scho- 
nend und in sich hineinlächelnd, schließt Du- 
champ, indem er die förmlich ins Metaphysische 
reichende Ausdeutung seines - fast ist man 
versucht zu sagen - Knabenstreichs von 1919 
durch den Jahrzehnte später zu ihm gestoßenen 
Kunsthändler Arturo Schwarz, wonach „der Bart 
nicht nur eine ikonoklastische Geste, sondern 
auch die Vorliebe für Unbestimmbarkeit" sei, 
sanft und ohne ieden Widerspruch anführt (Kat. 
31228). 
Bedeutende malerische Leistungen des Künstlers, 
wie der berühmte „Akt, eine Treppe herab- 
steigend" (1912) und die Glasbilder aus der Zeit 
von 1913-1915123 sind in dieser Ausstellung meist 
nur durch Fotos bzw. Entwurfzeichnungen ver- 
treten. Maler, Zeichner, Fotograf, auch Plastiker, 
Schriftsteller, Kritiker und Dichter war der ge- 
bürtige Wiener Raoul Hausmann (1866-1971), 
der zu den führenden Köpfen von Berlin-Dada 
gehörte. Um 1921 entstand seine in Publikatio- 
nen seither des öfteren abgebildeten Assemblage 
„Der Geist unserer Zeit. Mechanischer Kopf" 
(Abb. 9). Sie besitzt Einfachheit trotz vieler De- 
tails, die der Künstler zu ihrer Grundform fügte. 
Das Objekt bleibt ein klar umrissenes Ganzes. 
Es ist nicht ohne Bosheit, aber auch nicht ohne 
Anmut. 
 
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