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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 154 und 155)

langte, deren äußerer der sanft abfallenden Li- 
nie des Ufergeländes folgt, deren innerer die 
Horizontalezum Ausgangspunktherhält(Abb.27). 
Minimal-art ist wie Neuer Realismus, wie Pop, 
Happening, wie Obiekt-Kunst und die des En- 
vironments gegen Ende der fünfziger Jahre ent- 
standen - als Reaktion auf die bis dahin nahezu 
absolute Herrschaft des offekt- und emotional 
betonten lnformel und Action paintirig. Neue 
Figuration, Neuer Realismus, Pop etc. wollten 
die äußere, vor allem auch die gesellschaftliche 
Wirklidikeit wieder als Gegenstand in die Kunst 
bringen. 
Minimal-art ist eine mehr innerästhetische Reak- 
tion, eine Spielart der abstrakten Kunst, die sich 
der Rationalität, _der Klarheit und Exaktheit des 
Konstruktivismus erinnert, aber ohne dessen 
große gesellschaftliche Ideale, ohne die heroi- 
sdien Illusionen der Pioniergeneration zu be- 
sitzen. 
 
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25 Claes Oldenburg, „Proiect tor Münster" ll, 
1977; Beton: 3 Kugeln im ß von 3,50 m. Laut 
Oldenburgs eigenen Erklärungen (Band 2, Seite 
552 de_s Münsteraner Ausstellungskatalags]. „Pro- 
iekt über die Riesenkugeln in der Anordnung 
von Billardkugeln. Verwirklichung einer Flächen- 
skulptur in Farm eines Pool-Billards mit Kugeln, 
die auf Standorte innerhalb des anzen Stadt- 
gebiets proiiziert wurden. Angepa t an die Um- 
stünde, nach denen, auf Grund der zur Ver- 
fägung stehenden Mittel nur drei Kugeln reali- 
siert werden konnten. iese wurden in einer 
typischen Stellung zueinander angeordnet, die 
sich beim Ablau des Spiels in einer lokalen 
Billardhalle ergab" (s. Abb. S. 592. 
26 Carl Andre, 97 Steel Line for Pro essor Landois 
(97 Stahlplatten-Linie für Professor Landois], 
l977; Material: Stahl, 97 einzelne Platten: 
O,50x0,50x0,005 m. Höhe der Steel Lin: 0,005 
m; L: 47,50 m; B: 0,50 m 
27 Donald Judd, Ohne Titel, 1977; Beton; äußerer 
Ring: Höhe 0,90 m Stärke: 0,60 rn, 15 m; 
innerer Ring: von 0,9Ö m auf 2.l0 m aufsteigend, 
60 cm stark, 13,50 m Ü. Im Katalog der Münste- 
raner Ausstellun , Band 2,'Seite 48, bemerkt 
Donald Judd: „ ie Kategorien von ,öftentlidi' 
und ,privat' haben für mich keine Bedeutung... 
Das kreisförmige Werk in Münster könnte eben- 
sogut auf einem Bauernhof stehen. Seine Grund- 
bedingun en sind einfadi und allgemein: ein 
ausladen es, offenes Gelände und ein sanftes 
Gefälle. Der außergewöhnliche Aspekt ist die 
Finanzierung, die notwendig ist, um das Werk 
zu erriditen." 
12 Eduardo Chillidci, Modulation d'espace ll, 1963; 
Eisen, geschmiedet: 57 x 78 x 61,5 crn 
 
 
2 
So legte Minimal-art sich auf einen Kult aller- 
einfachster Formen, der sogenannten „Primary 
structures" fest, den sie unter anderem auch als 
ein Mittel gegen die Reizüberflutung in der 
Konsumgesellschaft anpries. 
Sie trieb das an sich durchaus berechtigte Stre- 
ben nach Vereinfachung, nach Reduktion in der 
Kunst sehr weit, bis zum Entschwinden von 
Kunst - bis zum „Minimal" in armseligster Form, 
einer Kümmerkunst, welche durch wenig mehr 
als die Tatsache ihres Vorhandenseins noch 
überlegenswert ist, einer dürftigen und geistver- 
lassenen, iümmerlichen Form von Kunst. 
E Anschrift des Autors: 
Prof. Johann Muschik, Kunstkritiker 
Kegelgossa 401115136, 
l03O Wien 
26 

	        

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