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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 154 und 155)

Künstlerprotile Alfred Karger 
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Als Sohn eines österreichischen lndustriefach 
im siebenbürgischen Odorheiu (Oderhellen) l 
geboren, wurde Alfred Kargers Wesen sicher 
sehr früh geprägt! Dazu kam, daß sich wohl l 
Knaben durch eine körperliche Behinderung r 
Kräfte, die bei Gleichaltrigen einen Weg nacl 
außen fanden, in Mobilität umsetzten, bei Ka 
zum Grübeln und Forschen führten, So sehen 
dem Werk des Malers einerseits als väterlichi 
einen starken Zug zur strengen Ordnung, and 
seits, als bestimmenden Umwelteinfluß, den l' 
einem nie endenwollenden weitschweifenden 
Umgreifen, den Hang, immer von neuem an 
Sache heranzugehen. Eine Haltung wird hie 
festiert, die aus der Erkenntnis kommen mag 
wir nichts Endgültiges erkennen können und ( 
hinter ieder gewonnenen Einsicht neue zu lö 
Fragen stehen. 
Sa scheint es nicht verwunderlich, daß Karger, 
damit beschäftigt, die Dinge um ihn zu erfass 
von diesen Dingen seinerseits nicht mehr losg 
wurde. Früh schon, noch in der Akademie, vei 
er die Erscheinungen dieser Welt in ein (in se 
Koordinatensystem zu ordnen. Dabei blieb es 
können wir aber auch viel mehr? W" können 
unsere Erkenntnisse verfeinern, präzisieren. U 
Karger tat das. Er malte und zeichnete schon 
seinen Lehrern auf der Wiener Akademie, Ari 
und vor allem Boeckl, Landschaften, Stilleben 
und Porträts, und er malt und zeichnet heute l 
schaften, Stilleben, Akte und Porträts. Wievie 
„arts" sind inzwischen gekommen und gegani 
sind aktuell und wieder passe geworden! 
Niemals endgültig erkennen, haben wir gesag 
gilt von den Dingen, der Landschaft und schlii 
auch vom Menschen. Da liegen sie, die Dinge 
Stillebens, in einem Verhältnis zueinander uni 
voneinander, da bauen sich Hügelwellen, Felr 
streifen, Siedlungseinheiten auf, überall sieht 
Maler eine Ordnung, und sie ist meist streng, 
hintergründig in regelmäßige Flächen geteilt, 
nicht sofort erkennbar. Besonders beim Mensr 
diesem rätselhaftesten aller Wesen, ist es schi 
die ieweils dem anderen innewohnenden Stru" 
zu erkennen. lmmer wieder steht er, liegt er, s 
er da, der andere, nackt, von allen Verhüllung 
befreit und doch noch voller Geheimnisse. 
Am deutlichsten wird das Gefüge bei Kargers 
schaften erkennbar, in den Flächen und Streifi 
in einen weiten Raum greifen. Die Ulporträts 
Stilleben zeigen uns meist einen durch ähnlich 
Flöchenteilungen gearteten Hintergrund. Hinte 
der Dinge und Hintergrund der Person oder d 
Personen, nicht zufällig so, sondern eben so u 
nicht anders, ieder vor seinem Hintergrund. D 
was ist das Hintergründige des Herrn , . ., der 
Frau . . .? Wie oft löst es sich in ein unbestimr 
Geflimmen auf, wird nicht sofort greifbar! Sel 
Gestalt des Menschen, wie uns besonders mei 
haft gelungene Aquarelle dieses Malers zeige 
verfließen mit ihrem Umraum, wobei wir beim 
Schreiben des Wortes Um r a u rn bereits wiei 
zögern und an Umwelt denken. 
Am fixiertesten ist noch der Strich, die Graphi 
in Schwarz auf Weiß gibt es am wenigsten Fli 
punkte, oder besser: Hier sind sie am deutlich 
abgesteckt, Die Landschaft ist iri einem strengi 
Liniennetz verspannt, ein Netz, das weite Räui 
gibt und viel Atmosphäre einfließen läßt. Der 
Körper aber, der immer wieder von Karger nc 
dem Modell gezeichnet wird, ist eine sehr dift 
Landschaft. Es wird wenige Graphiker in Uste 
geben, die sich so intensiv mit dem Aktzeichn: 
beschäftigen und die es darin zu solcher Reife 
gebracht haben. Alois N 
66 
 
 
1 Lößlandsdnafl. 1966, 
UllLainwond, 61 x 73 am, 
Bundasminisferäum für 
Umerricht und Kunsf 
2 Diskuniom1971, 
m", luvisrl (Ausschnitt 
a Enffernüer Bergrücken, 1 s. 
Feder, a1 x 4a cm 
4 Alma Karger
	        

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