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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 154 und 155)

lsolde Maria Joham 
Die Künstlerin wurde 1932 in Mürzzuschlag geboren 
und studierte in Wien auf der Akademie für 
angewandte Kunst, die sie auch 1955 mit einem 
Lehrauftrag betraut hat. Ab 1963 leitet sie eine 
Klasse für Wandmalerei. Aufträge und Berufungen 
führten sie an viele bekannte Glas- und Porzellan- 
produktionsstötten in vielen Staaten Europas. 
Hervorzuheben ist eine Einladung an das Rosenthal- 
Studio und die Einladung an eine venezianische 
Glashütte sowie an die Glashütte Riedel in Kutstein. 
In ihren großen Acrylbildern manifestiert sich 
unabhängig von ihren beruflichen künstlerischen 
Arbeiten eine freie Kreation ihres persönlichen 
Welterlebens. Es scheint durchaus kein Zufall zu 
sein, daß dieses Erleben sehr stark von kristallini- 
schen Farmen oder Schichtungen geprägt ist. Der 
Stein, der Berg und das Wasser sind dominierende 
Bildelemente. Alles hat deutlich seine Licht- und 
Schattenseiten. 
Ein Welterlebnis, haben wir gesagt. Es ist die Natur, 
immer wieder die Natur, die uns in den Bildern der 
Joham begegnet. Eine Landschaft, offen und weit- 
hingebreitet, voll schrafter Berge und tiefer Täler, 
Meeresbuchten, Seen und anderer Gewässer, doch 
allemal leer ieder menschlichen und tierischen Wesen. 
Und das gilt nicht nur von Phantasielandschaften, 
sondern auch von solch konkreten Ansichten wie 
iener von Friaul oder von der Schneealm. Kühle 
breitet sich aus. Klarheit bis zum fernen Horizont, 
über dem immer wieder ein heller Streifen zur 
unermeßlichen Tiefe des Himmels überleitet. Florale 
Elemente, wir sehen sie deutlich auf den Bildern 
„Totensee auf der Grimsel" und „Friaulische Land- 
schaft", sind die einzigen bekannten Lebewesen, 
welche die Erde der Joham bevölkern. Wir können 
Baumreihen, ähnlich strukturiert wie die Steintorma- 
tionen, feststellen. Almhänge scheinen zumindest 
nicht restlos verkarstete Berge zu zeigen, sondern 
mit ihren grünen Matten in die Felskogel hachalpiner 
Gipfel hineinzureichen. 
Und dann, irgendwoher vorn Himmel oder wie eine 
Tarnkappe über ganze Gebirgsstöcke gestülpt, 
kommen sonderbare Geflechte, quallenartig, aber in 
freudigen Farben leuchtende Gebilde, die das Bild 
beherrschen, herabgeschwebt. Erscheinungen, die 
allein von der Künstlerin wahrgenommen werden. 
Es sind innere Gesichter, geprägt durch eine von 
vielen Aufträgen bedingte intensive Beschäftigung 
der Joham mit metaphysischen Dingen. Hier wurde 
ein Nexus transzendenter Begriffe mit reol 
Geschautem gesetzt. Lichterscheinungen, wie sie uns 
vom Nordlicht bekannt sind, wurden in einer über- 
höhenden und verfremdenden Weise einer einsamen 
und stillen Welt übergeordnet und sie solcherart 
gleichsam in ihrem Sosein mit einem Schein der 
Verklärung umgeben. Die großen netzartigen 
Gebilde, Kalkskeletten vergleichbar, lassen an die 
Gefahren der Verkorstungen, an den Verlust des 
Fleisches dieser Erde denken. Sie strahlen aber auch 
eine sonderbare Beruhigung aus. Es scheint, als 
würde sich eine große Heimkehr in ein Urlicht 
anbahnen - Richard Däubler fällt einem in diesem 
Zusammenhang ein - und der Planet scheint sich aus 
seiner Sonderstellung auf den Weg in die Gemein- 
schaft der anderen Himmelskörper zu begeben. 
Alois Vogel 
1 Tatensee auf der Grimsel, W76, 
MischtechniklKarton, 55 x es cm 
Bucht, Dip chon. 1'177, Acryl! 
Leinwand, 1 s x 172 cm 
Regenbagentriptydion, 197a, 
AcryllLeinwand, 12a x 25a cm 
lsolde Maria Johann 
auN 
67
	        

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