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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 154 und 155)

Für den Kunstsammler }( 
 
Brigitte Heinzl 
Abtstab und Abtkreuz 
der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts 
aus Kloster M0ndsee_ 
Im Sakristeischatz von St. Wolfgang am Abersee, 
einer Tochterkirche des Klosters Mondsee, befindet 
sich ein Pastorale, dessen Krüme eine Limoger 
Arbeit der ersten Hältte des 13. Jahrhunderts ist. 
Es ist wahrscheinlich, daß es sich hiebei um eine 
ehemals dem Kloster Mondsee gehörige Abtkrüme 
handelt, da in St. Wolfgang vor dem 15. Jahrhundert 
kein Konvent bestand. Da Abt Wolfgang Haberl 
(1499-1521) von Mondsee eine mit den Initialen 
W A versehene Krüme (oö. Landesmuseum Linz, 
Leihgabe aus Linzer Privatbesitz) anfertigen ließ, 
muß man annehmen, daß die alte Krüme an die 
1504 geweihte Kirche von St. Wolfgang abgegeben 
wurde'. Der einfache Holzstab des Pastorales gilt 
als Wanderstab des hl. Wolfgang. Bemerkenswert 
an diesem Pastorale, welches übrigens in vielen 
Klöstern Vergleichsbeispiele aufweisen kann, ist 
allein die Krüme, welche aus vergoldetem Kupfer 
mit Emaileinlagen besteht". Sie ist 26 cm hoch und 
weist Silberergänzungen des 19. Jahrhunderts auf. 
Die Krüme von St. Wolfgang ist der Forschung seit 
langem bekannt und bereits 1890 von Ernest Rupin 
als Werk der berühmten Emailwerkstätten von 
Limoges identifiziertf. Bei dieser Zuordnung ist die 
Forschung bis in neuere Zeit gebliebenf Dieses 
Werk ist eines von vielen, das die überaus reiche 
Limoger Manufaktur in der ersten Hälfte des 
13. Jahrhunderts hervorgebracht hat. Am nächsten 
kommt der Wolfganger Krüme eine Krüme, die sich 
ehemals in der Eremitage von Leningrad befand, 
und eine Krüme in der Sammlung Liechtenstein 
in Vaduzf. 
Auf einem kurzem Schaft, der reich mit Ranken und 
Greifen in Email geschmückt ist, sitzt ein flacher 
Knauf mit den vier Evangelisten zwischen dem für 
Limager Arbeiten typischen Sternendekor. Aus 
dem Knauf wächst der Oberkörper eines gekrönten 
Engels mit langen schlanken Flügeln. Aus seiner 
Krone wächst die zweimal gerollte Volute des 
Stabes, die in einer fiinfteiligen Blüte endet. Die 
farbige Wirkung isf wie die aller Limoger Arbeiten 
brillant. Blau und Grün dominieren. 
Etwas schwieriger gestaltet sidi die kunsthistorische 
Einordnung des Abtkreuzes von Mondsee loö. 
Landesmuseum Linz, Leihgabe aus Linzer Privat- 
besitz). Nach Angaben des Besitzers stammt das 
Kreuz aus einer nördlich von Mondsee in Angern 
gelegenen Bauernkapelleä Mit ziemlicher Sidierheit 
ist es in seiner Verwendung nach Mondsee zu 
lokalisieren. Ebenso wie die Krüme des Abtstabes 
stammt der 20 cm hohe Korpus des Kreuzes aus 
Limoges und dürfte wahl mit dieser zur selben 
Zeit erwarben worden sein. Er ist aus vergaldetem 
Kupfer mit blauen und weißen Emaileinlagen. 
Die ursprüngliche Vergoldung ist weitgehend 
verschwunden. Er ist auf ein genau angepaßtes 
Kreuz aus vergoldetem Kupfer montiert, dessen Fuß 
eine spätere Ergänzung darstellt. Am nächsten 
kommt ihm ein Korpus ohne Kreuz in den 
Vatikanischen Museen und einer in Le Mans'. Dieser 
Kruzifixtypus wurde im 13. Jahrhundert in Limages 
sehr häufig erzeugt. In allen Fällen handelt es sich 
um einen Gekreuzigten mit Krone, Glasaugen, 
geritztem Brustkorb sowie Emaileinlagen am 
Lendenschurz. Das Material ist immer vergoldetes 
Kupfer. Haltung und Beinstellung sind in allen 
Fällen vollkommen gleichförmig. Der Korpus ist 
montiert auf einem genau angepaßten Kreuz aus 
vergoldetem Kupfer, welches an seiner Spitze einen 
goldenen Salidus des Kaisers Theodosius 1. 
[408-450) von Byzanz trägt. Die Forschung nimmt 
traditionsgemäß an, daß die auf Obiekten 
montierten Münzen diese gleichsam datieren und 
diese somit aus der Zeit der Münzen stammen. 
82 
l 
 
Äbtstab von Mondsee, Krüme, 
Limoges, erste Hälfte 13. Jahr- 
hundert, si. Wolfgang am Aber- 
see, Sakristeischatz. 
Abtkreuz von Mortdsee, Limoges, 
erste Hälfte 13. Jühfllllfldefi, o6. 
Landesmuseum Linz, Leihgabe
	        

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