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Full text: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 156)

bestehend aus der Prozession der Hidalgos und 
Priester, hat unter und vor sich, aberzugleich in ih- 
rer Mitte das eigentliche Wundergeschehen. Oben 
teilt sich der Himmel, um die Seele des Grafen, die 
ein Engel trägt, zu empfangen. Dieser Himmel ist 
aber - seinem ikonologischen Schema nach - 
der Himmel des Weltgerichtes: die Deesis, umge 
ben von den Scharen der Engel und Heiligen. Das 
ist die zweite Aussage über die "Zeitlichkeitu des 
Bildes. Gerade weil es nicht die bestimmte, 
irdisch-historische Zeit gibt, kann das Geschehen 
im irdischen Bereich unmittelbar (besser: in der 
zeremoniellen Vermittlung des Priesters) mit dem 
eschatologischen Bilde des Endes aller Zeiten zu- 
sammengebracht werden. Der Schnittpunkt und 
vereinende Ort der gewesenen Einmaligkeit des 
Wunders und seiner himmlischen, die Zeiten über- 
dauernden Wahrheit kann aber nur in dem ge 
schichtlichen und individuellen Bereich persönli- 
wo sich beide Bereiche anschaulich in der Mitte 
des Bildes treffen. Diesen "Hintergrundii wird man 
stets auch bei den reinen Porträts vor Augen ha- 
ben müssen. Erst wenn er mitgesehen wird, findet 
das Wort von der Spiritualisierung der Person bei 
Greco eine über das bloß Assoziative hinausrei- 
chende Begründung. 
Dies gilt in gesteigertem Maße für das Heiligen- 
bildnis und das geistliche Porträt. Grecos Haupt- 
leistungen der Jahre um 1600 liegen vor allem in 
der Darstellung des geistig überragenden Men- 
schen, des einzelnen Heiligen, in den großen Apo- 
stelzyklen und im Einzelbildnis. Am eindringlich- 
sten erscheint dieser Typus in der Gestalt des itHl. 
Hieronymus als Kardinalu (Abb. 4) und im "Porträt 
des Kardinals Nino de Guevaraii (Abb. 5). Die gera- 
dezu erschreckende Intensität dieser Bildnisse 
entspringt einer absoluten Ungreilbarkeit der phy- 
sischen Person im Verein mit dem unmittelbaren 
El Greco. Kreuzigung, Madrid, Prado 
El Greco. Anbetung der Hirten, Madrid. Prado 
Michelangelo, Madonna rriit Kind (Zeichnung) London. 
British Museum 
El Greco. HI. Sebastian Madrid. Prado 
Michelangelo,Kreuzigungßeichnung) 
Museum 
dort, Brltlsh 
Anmerkungen 740 
' Suehner, a.a 0., 1957, s lsel 
' Diesen epiptianieharlen Charakter nestaligt serii selidri auch die 
zweite. als Landsetiall ganz anders geartete Ansicht Toledos mll 
der Erscheinung der Madonna. die dem nl lldelonsdieKasel spen- 
del (Toledd, Casa Greedi oeri Realllatsßtlarakter dieser Land- 
scrialleri erlauterl NCMS besser als der erklarende Text, den Greco 
aul diesem Bild angebracht hat und der die einzige autnentiscrie 
kunsttnedretisdne Außerurlg areeds darstellt 
"Es ist ndlig gewesen. das Hospital des Don JUBVI Tavera modellar- 
lig darzustellen, weil es nicht bloß die Puerta de visagra verdeckt 
halte sondern auch rnil seiner aulsteigenderi Kuppel so tidcri ging,
	        

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