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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 156)

Aktuelles KunstgeschehenlÖsterreich 
Tirol 
Innsbruck Landesmuseum Ferdinandeum 
Wilhelm Nikolaus Prachensky (1898-1956) 
Prachensky wurde als ein Maler zwischen Neuer Sach- 
lichkeit und A. Egger-Lienz bezeichnet. Er steht zuerst 
Schiele besonders nahe und schafft in dieser Zeit vor al- 
lem Aquarelle von leuchtender Farbigkeit, Nach 1925 
setzte er sich mit dem Werk von Egger-Lienz auseinan- 
der, die Farben werden auf Gelb, Braun und Grau be- 
schränkt. Eine gewisse Monumentalität gewinnt Raum. 
Die Ausstellung zeigte zum Großteil unbekannte, nie ge- 
zeigte Werke aus dem Atelier und stellte vor allem die 
Frühzeit mit vielen Werken vor. (13. 10.-31. 12. 1977)- 
(Abb. 13) 
Alfred Kubin - Wilde Tiere 
Aus Anlaß des Kubin-Jahres wurden 31 Federzeichnun- 
gen aus dem Besitz des Museums gezeigt. Die im Som- 
mer 1919 entstandenen Zeichnungen sind Vorlagen für 
das 1920 in München erschienene Album "Wilde Tieren. 
Kubin demonstriert hier Art. Mentalität und Charakter des 
Animalischen. Er zeichnet in dynamischen Strichen eine 
Realität. die mit der düsteren Macht des Tierreiches ge- 
paart erscheint. Graphisch werden die "Zwischenraiche 
der Dämmerung- in dichter Strichrnalerei vermittelt, wer- 
den Impressionen einer Momentsituation in barocker Li- 
nienführung aufgezeigt. (30. 11. 1977-15, 1. 1978) 
Kärnten 
Viiiach - Warmbaderhof 
Bischoffshausen, Gironcoli, Koller, Kolig, 
Maya, Oman, Piccottini und Staudacher 
Die ausstellenden Künstler, alles Villacher, sind weit über 
die Grenzen ihrer Heimat bekannt geworden. Die gezeig- 
ten Werke gaben einen umfassenden Eindruck von der 
Verschiedenartigkeit zeitgenössischen Schaffens. Die in 
ihrem eingeschlagenen Weg konsequenten und ihrer Li- 
nie am treuesten sind Bischoffshausen und Staudacher. 
Ersterer mit seinen monochromen Reliefbildern und Ob- 
jekten, letzterer mit seinen poetischen Aktionsmalereien. 
in gewisser Hinsicht gilt das auch noch von Konrad Kol- 
lers phantastischen Figuren. Die jüngeren Künstler haben 
sich stark gewandelt, und Kolig, Maya und Oman schlos- 
sen sich nach eigenen Wegen gängigen Tendenzen an. 
(17, 10.-7. 11. 1977) - (Abb. 14) 
Steiermark 
Graz 
Neue Galerie am 
Landesmuseum Joanneum 
Werke der XII. lnternationelen Melerwochen in der Stei- 
ermark. Diesmal fanden die Malerwochen vom 
29. 8-2. 10. 1977 in der Landwirtschaftlichen Fachschule 
Gleisdorf statt. Es nahmen neben italienischen. jugosla- 
wischen, ungarischen und österreichischen Malern erst- 
mals auch ein englischer, französischer und Schweizer 
Künstler daran teil. Neben dem seit Jahren währenden 
Trend. hier Vertreter der allerneuesten Strömungen zu 
begegnen. fest keine Malerei mehr, nur Aktionen und 
Konzepte. können wir dieses Mai wieder einige Vertreter 
sehr malerischer Gestaltungen, ja sogar sogen. gegen- 
ständlicher Darstellungen verzeichnen, Dazu gehört der 
Jugoslawe Boris Jesih mit seinen drei Temperabildern 
von Apfelbäumen. der Ungar Anatol Marosfalvi, der 
gleich 10 Olbilder zeigte, verschiedene kulissenartige 
Schichtungen, vor denen Personen schemenhaft agieren, 
der Österreicher Hubert Schmalix mit seinen 22 pastosen 
Stilleben und die Ungarin Valeria Varnai mit ihren Bil- 
dern in Gouache, Tempera und Pestellkreide. die in 
grobfiächigen, expressiven Farbstrichen Landschaften, 
Stimmungen, u.a. Gegebenheiten mit großer Intensität 
bannte. Daneben waren natürlich auch die Theoretiker, 
die Forscher. die Experimentatoren der bildenden Kunst 
am Werk, wobei vielleicht der Schweizer Martin Disler 
mit seiner Objektesammlung aus seiner Zeit in Gleisdorf 
besondere Anschaulichkeit hatte. Ähnliches ist auch von 
den sieben Objekten des Engländers John Furnival zu 
sagen. (10,-28. 18. 1977) - (Abb. 15, 16) 
Bernhard Müller 
33 Exponate, alle im Jahr 1976 entstanden, Als Material 
finden wir sehr häufig Erde, Kohle, Asche. auch ver- 
branntas Papier, ab und zu auch Kreide. Wilfried Skrei- 
rier schreibt zu diesen Malmitteln: w . . . diese elementa- 
ren. natürlichen mittel fuhren zu gesteltungen, deren na- 
türlichkeit. deren entstehen aus dem unterbewußten. aus 
einem neuen Zusammenhang mit dem leben in der natur 
geschaffen werden.- Bernhard Müller kommt vom skrip- 
turalen Bild. auch schreibt er lange Texte, in denen seine 
Gedankenflüsse unsortiert auf das Papier gebracht wer- 
den. Ein Vergleich mit dem Schweizer Wölfli drängt sich 
auf. (9. 10.-29. 10. 1977) - (Abb. 17) 
40 
trigon 77 
Unter dem Motto "der kreative prozeßu, nbeispiele und 
gegenbeispieieu wurde von 29 Künstlern aus Italien, Ju- 
goslawien und Österreich des Thema behandelt. ver- 
sucht, Denkanstöße zu geben und mit den verschieden- 
sten Mitteln einen Einstieg in das Kreative zu ermdgli- 
chen. Eine sehr aufwendige Ausstellung. die auch die 
Räume des Grazer Künstlerhauses beanspruchte und die 
mit Beiträgen wie jenen von Nanda Vigo mit seinen 
Spiegelelementen, den einfachen Gegenständen der In- 
geborg Strobl oder den r-notizen zum ,ba'nderbau' oder 
der 'bewegung der wegeWi dem Besucher Animationen 
gegeben hat, (8.10,-13.11. 197) - (Abb. 18) 
Robert Rauschenberg 
Es waren Collagen. Graphiken und Multiples aus der 
Sammlung Rischner (New York) zu sehen. Eine reiche 
und informative Scheu von 200 Exponaten. Es gab Origi- 
nafentwürfe neben fertigen Ausführungen. sehr einfache 
Klebebilder neben typischen Rauschenberg-Collagen. Bei 
diesen trat deutlich die Beziehung zur politischen und 
sozialen Realität seiner Umwelt zutage. Die neuen Grup- 
pierungen bekannter Zeitungsausschnitte machen Hin- 
tergründe deutlich, zeichnen Mehrschichtigkeiten und 
Mehrdeutigkeiten der uns allen bekannten Geschehnisse 
auf. (18. 11.-E. 12. 1977) - (Abb. 19) 
Galerie Dida 
Nuccio Fontanella 
Der römische Bildhauer (geb. 1936) zeigte durchwegs 
Bronzen und einige Skizzen, Entwürfe für seine Plasti- 
ken, Bei Fontanellas Arbeiten handelt es sich um sehr 
bewegte. man könnte fast sagen um zerrissene. zernagte, 
oft geradezu wie von einem Aussatz zerfressene mensch- 
liche Figuren. Wo er Geordnetes, Wohlgeformtes, wie 
etwa bei seinen Darstellungen weiblicher Körper. erfas- 
sen will. werden die Formen süßlich und nähern sich 
dem Jugendstil. (1, 10.-12. 11. 1977) - (Abb. 20) 
Oberösterreich 
Linz 
Ursuiinenhof Landeskulturzentrum 
Leopold Forstner 
Eine sehr umfangreiche und schöne Schau der Werke 
eines sehr zu Unrecht fast vergessenen Künstlers des 
österreichischen Jugenclstils. Der geborene Oberösterrei- 
cher gründete 1906 die -Wiener Mosaikwerkstätte-. in 
dieser wurde Gustav Klimts-StocIet-Fries- realisiert. 
nach Kblo Moser entstanden Glasfenster und nach Flu- 
dolf Jettrnar das Aitarmosaik für die Kirche -Am Stein- 
hol-t, Forstner selbst schuf sehr schöne, für jene Zeit so 
typische Kunstwerke der angewandten, aber auch der 
freien Kunst. Die Ausstellung zeigte an die 120 Exponate 
erlesener Beis ele beider Sparten, Besonders schön wa- 
ren die Gläser. (11. 10.-11. 11, 1977) - (Abb. 21) 
Niederösterreich 
Krems 
Moderne Galerie 
Michael Coudenhove-Kalergi 
112 Objekte, wobei die Graphik der Hauptteil ist. Die für 
den Künstler typischen aquareilierten Federzeichnungen 
lassen den Betrachter in eine phantastische Verfremdung 
unserer uns alten bekannten Welt einsteigen. Der zeitli- 
che Bogen, in dem die Arbeiten entstanden sind. spannte 
sich von 1955 bis 1977, Das Temperastilleben von 1956 
ist noch sehr von P. A. Gütersloh beeinflußt, je später die 
Bilder entstanden sind, um so mehr quellen sie von Tie- 
ren. Pflanzen. Architekturen und Fabelwesen über. Elne 
sehr reiche und schöne Ausstellung (29. 9-23, 10, 1977) 
- (Abb. 22) 
Wiener Neustadt 
Galerie 9 - Reben Hammerstiel 
Der aus dem Banat kommende Autodidakt beschäftigt 
sich künstlerisch fast ausschließlich mit dem Holzschnitt, 
Seine oft großformatigen Blätter zeigen derbe. bäuerliche 
Gestalten in dramatischen Situationen. Er liebt angedeu- 
tete Innenräume und Perspektiven. Der derbe Schnitt Iäßt 
die Struktur der Bearbeitung zur Geltung kommen und 
ebenso wird oft die Faserung des Holzes mit in die Kom- 
position einbezogen (4. 10.-6. 11. 1977) - (Abb. 23) 
Wischathal bei Göliersdorf 
Galerie im Bauernhof 
In dem Wirtschaftstrakt des von Cari Zahraddnik wieder- 
hergestellten Bauernhofes gibt es seit 1974 diese Galerie. 
Sie ist an allen schonen Wochenenden und im Sommer 
durchlaufend geöffnet, zeigt neben den Bildern des 
Hausherrn bedeutende österreichische und ausländische 
Maler. Wer sich im Weinland für Kunst interessiert. sollte 
sie besuchen (Abb. 24) Alols Vogel 
Bundesministerium für Unterricht und i 
Ausschreibung der Förderungspreise fC 
bildende Kunst, Musik und Literatur 19'. 
Zur Verleihung kommen Förderungspreise für 
1. Architektur - 
2. Kammermusik (instrumental und vokai). Kompos 
nen fur Soloinstrurnente einschließlich Liedkompo 
nen - 
3. Erzählungen. 
Bestätigung der Preise durch Plakette und Diplom 
weiteren künstlerischen Forderung erhält jeder Pre 
ger eine einmalige Geidzuwendung von S 40.000.- 
Nahere Auskünfte und Unterlagen über die Aussch 
bung sind vom Bundesministerium für Unterricht t 
Kunst zu erfragen bzw. einzuholen. 
Arbeiten der bildenden Kunst sind unter den genai 
erfragenden Bedingungen zwischen dem f. und 15 
tember 1978 in der Akademie der bildenden Künsti 
Schillerpiatz 3, 1010 Wien, abzugeben oder an die: 
senden, 
Musikalische und literarische Arbeiten sind bis 31. 
1978 bei den Abteilungen 42 (Musik) und 43 (Liter: 
des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst. 
zigasse 2. 1080 Wien. einzureichen. 
Et! 
Bundesministerium fürWissenschal 
und Forschung 
Besucherstatistik der staatlichen 
Museen und Kunstsammlungen 
1977 
Das Bundesministerium fur Wissenschaft 
und Forschung gibt bekannt, daß in den ihm 
unterstehenden staatlichen Museen und 
Kunstsammlungen in den Monaten 
Oktober 178 
November 119 
Besucher gezählt wurden.
	        

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