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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 156)

Notizen 
 
BordeauxlAachen - Künstlersymposium 
Ein deutsch-französisches Künstlersymposium verband 
diesen Herbst die Städte Bordeaux und Aachen. Vom 
27, 9. bis 30. 10.1977 lief dieses. halbiert. in Bordeaux. 
vom 12.11. bis 31. 12, 1977 in Aachen ab. Veranstalter 
waren das Deutsch-Französische Jugendwerk. das 
"capc" Centre d'Arls Plastigues Contemporains de Bor- 
deaux und die Neue GaierielSammlung Ludwig. Aachen. 
22 junge französische und deutsche Künstler waren von 
Jean-Louis Fromet. Leiter des "capc", und Dr. Wolfgang 
Becker. Leiter der Neuen GaleriexSammlung Ludwig. für 
dieses Symposium ausgewählt worden. Alle entstande- 
nen Arbeiten wurden sowohl in Bordeaux wie in Aachen 
gezeigt. Ein Katalog. deutschlfranzösisch. lag auf. Dar- 
über hinaus hatte jeder Künstler ein größeres Faltblatt 
mit aufgeboten. Eine Vereinigung von Künstlern oder 
Künstlerbegegnungen zum Symposium ist naturgemäß 
anders geartet als die gewöhnlich veranstalteten Sympo- 
sien und Kongresse. Querdurch wird hier ein Schnitt 
"neuester" gegenwärtiger Spontan-Kunst demonstriert. 
Kunst, die auf der Straße, am Strand. am Ort des Sympo- 
siums sich zu äußern beginnt. Kunst. die im Spazieren 
entsteht, aus dem Wohnen, beim Tanzen, - Kunst. die 
eigentlich nicht mehr unter die bisher üblichen Kunstde- 
finitionen zu bringen ist. synchron den Realitäten und 
Trivialitäten des heutigen menschlichen Daseins, 
Quintessenz dieses Symposiums: Auflösung altherge- 
brachter Kunsttraditionen in Richtung völliger Neuorien- 
tierung und Neutranslormierung geistiger Prozesse ohne 
Absehen, Beginn der Chronik einer instabilen. mobilen 
Kunstszene, die das materiell greifbare und erkennbare 
feste Kunstwerk in Frage stellt. 
Wir fragen ganz einfach, wie wird diese Art von Kunst 
konserviert werden können oder besser die Vielzahl ihrer 
Äußerungen? - Hier vollzieht sich ein Wandel, seil länge- 
rem eingeleitet, der den Menschen bis zum Jahre 2000 
hin gnadenlos und brutal vielleicht in kunstanarchische 
Zustände führt. Der Mensch. schon in seinen Bedürfnis- 
sen progressivst "kreativ". beginnt er nicht die Herr- 
schaft über sich selbst zu verlieren? - Oder ist dies nicht 
wirklich ein Aufbruch zu einer Kunst ganz neuer Wirk- 
lichkeiten. auf dem zerfahrenen Weltbild der zweiten 
Hälfte dieses 20. Jahrhunderts basierend (Abb. 1, 2), 
Buenos Aires - Galerie Kyres 
Die Absolventin der Akademie der bildenden Künste in 
Wien Irmgard Brunmayr. wechselnd in Paris und Wien 
lebend, ist Malerin. Vorerst zu Studienreise ' " 
ischen Raum. vornehmlich in Italien, Frankr 
en, den östlichen Ländern unterwegs. hat sie diesmal, 
nach Ausstellungen in Europa, eine Exposition in Süd- 
amerika. in Argentinien. Die Künstlerin huldigte bisher 
einer abstraktiven, transparenten Aquarellsprache. bei 
der sie Papierweiß als Spannungskomponente wesentli- 
ches Ausdrucksmittel sein läßt. Neuerdings zeigte sie ne- 
ben Aquarellen auch Pastelle und Federzeichnungen. De- 
ren Charakteristikum: vom Naturvorbild bzw. der Realität 
einer Bildvorlage Wesentliches hervortreten zu lassen 
und das Organische zu unterstreichen. 
  
Cleveland - Museum of Art 
Schwerwiegende Fehler bei einem vor nicht allzulanger 
Zeit erfolgten Ankauf eines Bildes unterliefen dem Cleve- 
land Museum of Art. Es handelt sich um einen vermeint- 
lichen Mathias Grünewald. die "HI. Katharina von 
Alexandria". aus dem Altar "Maria. Königin des Him- 
mels". 1517-1520. für den Mainzer Dom. im Zuge einer 
eingehenden Untersuchung des Bildes durch den Chief- 
conservator Ross Merrill und seine Mitarbeiter bzw. die 
zuständigen Laboratorien kam man darauf, daß besagtes 
Gemälde eine Falschung darstellt. 
Direktor Sherman E. Lee gab unumwunden zu. daß man 
gröbste Unterlassungen beim Ankauf des Bildes gemacht 
habe. Man verabsäumte 1. ,die Provenienz des Bildes 
überhaupt im Zuge von Nachforschungen sicherzustel- 
len'. 2. verlaitete die so gut wie unantastbare Seriosität 
des Kunsthändlers. der das Werk anbot, dazu. daß auf 
den ersten Blick hin keinerlei Zweifel auf dessen Echtheit 
aufkamen, man das Bild partout nicht als Fälschung er- 
kennen und sehen wollte. So ist es immer riskant. bei 
Ankauf eines Bildes die einfachsten usuellen Grundsätze 
zu miliachten. im vorliegenden Falle verleitete eine 
Zeichnung der "Katharina" in der Kollektion des Kupfer- 
stichkabinatts in Berlin-Dahlem obendrein, als Basis- 
komposition alle Voraussetzungen des Vorbildes in sich 
tragend, die Museumsleute dazu. sich "ganz sicher zu 
sein". Es ist bekannt, wie Joachim von Sandrart im spa- 
ten 17. Jahrhundert schreibt. daß dieser sogenannte 
Mainzer Altar von Konig Gustav Adolf von Schweden zur 
See gebracht wurde und auf dem Wege nach Schweden, 
1631, auf einem Schiff mit versank. Direktor Sherman 
E, Lee meint daher unter dem Eindruck dieses bestür- 
zenden Falles, daB Museen doch beginnen sollten, ihre 
Kollektionen härtest auf Echtheit ihrer Objekte unter Zu- 
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grundelegung modernster Methoden und Analysen zu 
überprüfen. 
Düsseldorf - Hetjens-Museum 
Galerie Vömel, Galerie an der Düssel 
im Zuge der regen Aktivitäten des Deutschen Keramik- 
museums im steten Wechsel wie immer alte und mo- 
derne Keramikausstellungen. Auch Vorträge, u.a. "Die 
besonderen Leistungen der Höchster Porzellanmanufak- 
tur". gehalten von Dr. Horst ReberlMainz am 
23. 11. 1977. sowie "Chinesisches Porzellan des 17. und 
1B. Jahrhunderts" von Dr, Karl GanterlDüsseldorf am 
7. 12. 1977, bereicherten das Programm. Berndt Friberg, 
GustavsberglSchweden (November, Dezember 1977), hier 
Gast, sowie ein Töpferabend mit Margrit Westphal lenk- 
ten den Blick auf die zeitgenössische Keramikszene 
(Abb. 3). 
Einem zeitgenössischen Künstler. Otmar Alt. widmete die 
Galerie Vömel eine Ausstellung. die vom 25. 11. 1977 bis 
Januar 1978 dauerte, " . . . oder Orpheus im Zauberzoo" 
setzte Otmar Alt als Motto in seinen Katalogeingang. Das 
sagt einiges über seine künstlerische Welt aus. die aus 
einer. sagen wir. sehr modernen, flächigen Malersprache 
gebaut ist, 
Dem österreichischen Surrealisten besonderer Prägung, 
abseits der Schulen. Franz Luby. schenkte die Galerie 
an der Düssel vom 7. 11:23. 12. 77 eine repräsentative 
Schau seines Werkes. dem ein eigenartiges Weltbild. 
eine ganz eigenwillige Phantastik zugrunde liegt. Luby, 
einer. der sich aus allem Experimentieren und allen Ir- 
rungen um sich heraushielt, gibt zu, dall er aus seinen 
eigenen Irrtümern den Weg sichtbar machen konnte. den 
ihm seine Vorstellungskraft und Malerpersönlichkeit ein 
Leben lang wies, Auch Luby ist eine der selteneren dop- 
pelfunktionellen Personalitäten. Seit 1963 als wirklicher 
Amtsrat in Pension. war er Beamter und ausübender 
Künstler. 50 Originale konnten, nach zweijähriger Vorbe- 
reitung, von allen möglichen Leihgebern und Sammlern 
hergeholt, eine gute Überschau geben (Abb. 4) 
Essiingen - Die Künstlergilde e, V. 
Herausragendes Ereignis war hier im Vorjahr die Verlei- 
hung des Lovis-Corinth-Preises 1977 am 19. 11. durch 
Bundesminister Prof. Werner Maihofer, Den Hauptpreis 
erhielt Prof, Hermann Teuber. 1594 in Dresden geboren. 
Maler und Grafiker. Die Ehrengabe erhielt Bildhauer 
Karlheinz Goedtke, geboren 1915 in Kattowitz. Förde- 
rungspreisträger der Grafiker Hans Krämer, geboren 1935 
in Königsberg. Bis zum 8, Jänner d. J. waren Werke der 
ausgezeichneten Künstler ausgestellt. 
Am Anfang des Jahresprogramms der Künstlergilde e. V. 
stehen einige Ausstellungen in verschiedenen Städten: 
FrankfurtlMain. Deutsche Bibliothek. "Alfred Kubin" 
(16. 2,-16, 3.) - Heilbronn Deutschordenshof. "Alexander 
G. Mathey (15, 1.-4. 2. 78) - Kaufbeuren Neugablonz. Ar- 
chiv und Museum "Alfred Kubin und Böhmen- 
(7. 1.-4. 2. 1978). 
Hamburg - Museum für Kunst und Gewerbe 
Nachtragend zur Weihnachtsmesse der Kunsthandwerker 
vorn 25. 11.-14, 12, 1977 vermerken wir als Gäste aus 
Österreich Glaskünstler mit Arbeiten aus dem Glasstudio 
Lobmeyr, Wien, ausgewählt von Charlotta von Fincken- 
stein: Bruce Bortin. Alina Görny, David Huchthausen, 
Jack lnk, Joel Philip Myers. Steven Proctor. Erich Pum- 
mer. Jaqueline Thalberg, David White, im übrigen war 
diese Messe reich beschickt mit Zeugnissen zeitgenössi- 
schen Kunsthandwerks. so Batik und Stoffmalerei. Buch- 
binderarbeiten, Glaskunst. Gold- und Silberschmiedear- 
beiten, Email, Angewandte Graphik. Handwebereien und 
Bildteppiche, Holzarbeiten, Keramik, Elektrische Leuch- 
ten, Marionetten. Möbelmodelle. Photographie, Spiel- 
zeug, Spiele und Puppen, Tapeten. Weihnachtsschmuck. 
FrankfurtlMain - Museum für Kunsthand- 
werk 
In die Reihe der jubilierenden Museen reihte sich 1977 
das Frankfurter Museum für Kunsthandwerk. das. wie ei- 
nige Institutionen in Europa kurz vorher. sein 100-Jahr- 
Jubiläum feierte. 1877 begründet. hat es seinen festen 
Platz im Bereiche des Kunstgewerbes bzw. der ange- 
wandten Kunst und seinen Institutionen und ist hier nach 
wie vor im Karmeliterkloster heimisch. Zu einer im Jubi- 
läumsjahr letzten Ausstellung, "Europäische Fayencen", 
luden wie meist gemeinsam der Dezernent für Kultur und 
Freizeit der Stadt Frankfurt am Main, Hilmar Hoffmann, 
sowie Dr. Anneliese Ohm. Direktorin des Museums für 
Kunsthandwerk. Aus eigenen Bestanden zeigt man noch 
bis 5. März 1978 eine ansehnliche Kollekte aus dieser in- 
teressanten keramischen Gattung. 
Karlsruhe - Badisches Landesmuseum 
Eine weitere Möglichkeit, werstaubte" Depotschätze zu 
gutem Anlaß. noch dazu für Kinder. ans Licht zu holen, 
nutzte das Badische mit seiner Ausstellung "Bewegt 
Spielzeug". Wie schon. daß Kinder, sonst gebändigt 
Vitrinenglas. Kunstgegenstande nicht nur betrachtet 
sondern diesmal das Museum quasi auf den Kopf st 
konnten. Mit Museumsobjekten spielen, etwas mit ir 
tun durften. Gedacht als Anfang einer Reihe von 20 
schauungsgruppen. hat diese erste Gruppe "Beweg 
Spielzeug" die Bewegung als ästhetisches Phänomr 
zum Thema. In ein paar kurze Begriffe verpackt, wie 
"heben, schweben, drehen. schaukeln, was in allen 
scheinungen der Kinder Lust, der Kinder Freude ist- 
alles über die Lebensnahe dieses Unternehmens au: 
sagt. Daß unter diesen Begriffen moderne Kunstwer 
ähnlichen Gesetzen unterliegen. ist bekannt. und so 
mancher Erwachsenenfinger tippt gleichermaßen ar 
derne Mobiles, bringt diese zum Schwingen, Ftotiers 
Eine bisher eher zu kurz gekommene Sammlung im 
dischen. das Glaskabinett, kann eine neue Bereiche 
von 16 Gläsern melden. Die berühmte Glassammlun 
Heinrich Heine. 1971 hier erstmals vorgestellt, ist wt 
als Dauerleihgabe präsent. Somit kann nun in diese 
Bereich ein repräsentativer Querschnitt durch die d: 
sche Glaskunst vom 16.-19. Jahrhundert gezeigt we 
(Abb. 5) 
Kolding - Editiones Hans Hansen 
Giacomo Manzü ist der Schöpfer des ersten Kleinkt 
werkes in der von der weltbekannten dänischen Sill 
schmiede Hansen eröffneten Serie "ars rnundi argei 
Seine Miniskulptur "La Pace", eine typische Manzü 
beit, in Sterlingsilber bzw. 22 karätigem Gold vervie 
tigt, wird in 199 Exemplaren von dem künstlerischei 
ter des dänischen Unternehmens. dem Bildhauer ur 
Silberschmied Karl Gustav Hansen, ausgeführt. Nac 
schiuß der Arbeiten. dem letzten Exemplar, Nr. 199, 
das Original zertrümmert und seine Bruchstücke an 
Manzü nach Italien zurückgeschickt. "ars rnundi arg 
tea" hat vor, sich auch ll'l Zukunft an die berühmtes 
und bedeutendsten Bildhauer der Welt zu wenden, 
ein Prinzip der modernen Originalgrafik auch in die 
stische Kunst zu übernehmen. Es ist anzunehmen. l 
sich für diese zu erwerbende erste Manzü-Silberskt 
"La Pace". Preis US-S 4.500,- in Sterlingsilber sowi 
US-S 65.000,- in Gold, Kenner und Freunde finden I 
den (Abb. e) 
Mönchengladbach - Städtisches Jugenc 
heim 
Zwei Künstler der Gegenwart. Maria Kuppels, Maler 
und Horst Göbbels, Keramiker. präsentierte man hie 
der Vorweihnachtszert bis zum 1. 12. 1977. Zur Einft 
rung. anlaBlich der Eröffnung, sprach Franz-Josef V 
hen. 
München - Neue Sammlung 
Museum Villa Stuck 
im Staatlichen Museum für angewandte Kunst. Neu 
Sammlung. waren vom 1. 12. 1977-12. 2. 1978 "Pho 
graphische Ansichten. 1885-1915" ausgestellt. 
Unter der Schirmherrschaft des Generalkonsuls vor 
giert. Dr, Ernest Vanderlinden, zeigte man in der Vil 
Stuck vom 29, 11. 1977-13. 2. 1978 "Henry van de V 
- Sein Werk bis zum Ende seiner Tätigkeit in Dauts 
land - 1914". Zur Eröffnung waren Prof. Dr. J. A. Sc 
gen. Eisenwerth sowie der Schirmherr Dr. Ernest Vr 
linden und einführend Angela Heilmann aufgeboter 
ter dem Titel "Architektur und Kunstgewerbe von H 
van de Velde" sprach Prof. Friedrich Kurrent von dt 
Technischen Universität München. 
Nürnberg - Albrecht Dürer-Gesellschaft 
Kunsthalle Nürnberg 
Im Germanischen Nationalmuseum veranstaltete dil 
brecht-Dürer-Gesellschaft eine Ausstellung von Gel 
den und Zeichnungen von Samuel Bak bis Ende de 
gangenen Jahres. Zur Erotfnung wurde ein Film vo 
Kallenbach. "Herbst der Welt - Samuel Bak ein Ma 
aus Israel", gezeigt. Die Kunsthalle Nürnberg lud in 
Rahmen ihres Ausstellungsprogramms zu einer Au: 
lung Georg Karl Phaler Zeichnungen, Collagen, G0 
achen, Gemälde, Präkonzeptionen, Objekte, Archite 
projekte ein. Am 25. 1. 1978 fand hiezu eine Diskus 
mit dem Künstler zum Thema "Architektur und Kur 
statt. Am 29. 1.1978 schloß die Ausstellung. 
Sarasota Ringling Museums 
Mit einer Ausstellung unter dem Titel "The world c 
cometti" in den New Wing Galleries eröffnete das l 
ling Museums die Ausstellungssaison 197a. im Feb 
wird in den gleichen Räumlichkeiten eine Ausstellu 
unter dem Titel "Comtemporary Tapestries" folgen 
März eine Exhibition aus eigenen Beständen des N 
seums "Permanent collection of contemporary art- 
öffnet.
	        

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