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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 156)

}{ Für den Kunstsammler 
 
 
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Szilzbulger Residenz 
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Die Salzburger Kunst- und Antiquitäten- 
messe als gesamtösterreichische 
Repräsentation 
Die dritte Messeveranstaltung des Gremiums für Kunst- 
und Antiquitaten in den Prunkraumen der Salzburger Re- 
sidenz wird am 11. Marz eroffnet. Dieses Mal wird sie 
prachtiger denn ie sein, da namhafte Wiener Firmen - 
vorn Erfolg der beiden ersten Messen inspiriert - erstma- 
lig teilnehmen. Der Rahmen der künstlerisch im 18. Jahr- 
hundert so bedeutend dekorierten Raumfolge, die im 
Piano Noblle den Residenzhof umspannt. wird in hohem 
Maße durch das Ausstellungsgut ergänzt werden. Dies 
trifft vor allem auf den größten Flaum, den von Johann 
Michael Rottmayr so bedeutend freskierten Karabinieri- 
saal zu. Hier werden großteils reich intarsierte Mobel des 
16. Jahrhunderts zur Schau gestellt, ergänzt durch kost- 
bares Kunstgewerbe in Silber, Porzellan und Glas, durch 
Skulpturen von der Gotik bis zum Barock, durch Ge- 
malde des 18. und 19. Jahrhunderts und durch schöne 
alte Teppiche. Die beiden angrenzenden Safe, der ernste 
Kaisersaal und der höfische Fiittersaal. zeigen vorwie- 
gend alpenländisches Mobiliar und Kunstgewerbe in 
Zinn. Keramik und Schmiedeeisen, In diesen beiden 
Raumen kommt die besondere Spezialität dieser Messe 
als Flegionalmesse für rustikalen Hausrat besonders zur 
Geltung. Hier stellen vorwiegend Firmen aus Salzburg 
und Tirol aus. Während auf früheren Messen solches 
Ausstellungsgut im hohen Karabinierisaal etwas storte. 
bringt der kräftige rustikale Kontrast in diesen kleineren 
Salen asthetisch durchaus keine Probleme. In den übri- 
gen Prunkraumen wechselt das Gebotene in einer leben- 
digen und fesselnden Folge. 
Mit dieser Darbietung der Lelstungsfahigkeit des Kunst- 
handels rückt die Salzburger Messe in der Vielfalt des 
Angebotes bereits in die Nahe der Wiener Kunst- und An- 
liquitatenmesse. allerdings unter Wahrung von atpenlan- 
disch-regionalen Tendenzen. 
Der Sammler wird in diesem Jahr sicherlich in besonde- 
rem Maße Versuchungen vorfinden, allerdings unter Be- 
rucksichtigung der durch die Inflation standig aufwer- 
tenden Preise. Derjenige, der sich außerhalb sammleri- 
schen Spezialinteresses mit altem wertbestandigem Mo- 
biliar einrichten möchte, wird sowohl zum kostbar lntar- 
sierten Barockmobel als auch zum einfachen alpenlandi- 
schen Gebrauchsmobel und ebenso zum heute aktuellen 
englischen Landhausmobel eine reiche Auswahl finden. 
Es werden auf einigen Standen aber auch Mobel und 
Kunstgewerbe des Jugendstils zu finden sein. 
Die fachkundige Jury ist bemüht, nach besten Kräften 
vor der Eröffnung das gesamte Ausstellungsgut streng 
zu prüfen und Zweifelhaftes auszumerzen. 
Eine Kunstmesse in Krisenjahren ist immer ein Wagnis 
für die Aussteller. die für solche Anlässe in besonderem 
Einsatz qualitätsvolle Objekte bereitstellen. Doch auch 
in diesem Jahr wird die gute Antiquitat. das ausgewahlte 
alte Kunstwerk wiederum beweisen, daB sie die beliebte- 
ste Wertanlage darstellen, weil mit ihrem Erwerb auch 
echte Freude und Liebe als beflügelnde Motive mit- 
schwingen. 
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Von Messen, Börsen, Märkten alter Kunst 
Wer heute das europäische Angebot der Vielzahl von 
Kunstmessen, Kunstmärkten, Börsen und Antiquitaten- 
wochen überschauen will, der ist vorerst einmal erstaunt 
über die Unzahl solcher Veranstaltungen und außerst 
verwirrt, wo er nun wirklich gute und preiswürdige Ob- 
iekte finden kann. Dies ist bei dieser Fülle von Veranstal- 
tungen natürlicherweise nur bei etwa einem Drittel bis 
zu einem Viertel der Anlässe auch der Fall. Welches sind 
nun die Kriterien, welche die Hoffnung geben. eine wert- 
volle Ausstellung verkäuflicher Objekte vorzufinden? 
Vorerst prüfe man genau, ob es sich bei der ausstellen- 
den Gruppe um eine echte regionale oder nationale Be- 
rufsvereinigung handelt, welche einer offentllch-rechtli- 
chen Korperscriati arigehort - wie beispielsweise in 
Österreich das Bundesgremium des Handels fur Kunst 
und Antiquitaten oder die entsprechenden Landesgremi- 
en; in Deutschland ist es der Bundesverband des deut- 
schen Kunst- und Antiquitätenhandels, in England die 
i-British Antique Dealers Association-r usf. Diese Organi- 
sationen als Veranstalter bürgen für eine seriöse Auswahl 
der teilnehmenden Firmen. Als zweites wichtiges Krite- 
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1 Fragment eines Marmorreliefs. 60 x 40 cm 
Süditalien, Anfang 12. Jahrhundert. 
Johann Stollnberger, Kunsthandel 
Salzburg. Goldgasse 5 
2 Gotische Tafel. HI. Christophorus. Alpenlandisch. um 
1500. 70 x 29 cm. Der Heilige im grünen Gewand und 
rotem Mantel, geschnittener Goldgrund, 
Reinhold Hofstatter, Kunst u. Kunstgewerbe 
Wien 1. Dorotheergasse 15 und Braunerstraße 12 
3 Anhanger, Spanien, um 1600, 4 x 5.2 cm Elfenbein. 
Goldemail. Smaragd und Rubine, 
Galerie St. Rupertus, Salzburg, Giselakai 15 
4 Niederlandischer Meister. um 1600. i-Hafenszene", 
OllLeinwand. 50 x 59 cm, 
Herbert Asenbaum, Antiquitaten, 
Wien 1., Karntner Straße 28 
5 Renaissance-Tisch, Nußholz. 
Frankreich, 2. Hälfte 16. Jahrhundert, 
Lange 138 cm, Breite 77 cm, Hohe 81 cm. 
Friedrich Kratschrnann, Antiquitäten. 
Wien 1. Spiegelgasse 15 
6 ,Salzburg vom Kapuzinerberg 1623". Aus dem wPoliti- 
schen Schatzkastleim von Daniel Meisner - Eberhard 
Kieser, Radierung und Kupterstich. 
Michael Menzel. Kunsthandlung 
Salzburg, Getreidegasse13 
7 Madonna mit Kind. polychromiertes Eichenholzrelief, 
63 x 42 cm. Francis van Bossuit (Brüssel 163?1692 
Amsterdam) zugeschrieben, 
Galerie St. Raphael, Antiquitätenhandel GmbH. 
Wien 1, Dorotheergasse 12 
B Silberne Messwein-Garnitur, Augsburg. 
Meistermarke 'CM'. (Christian Mitnacht 17091731). 
Otto Buchingerllnh. Pöhlmann. Antiquitäten, 
Linz. Bethlehemstraße 5 
9 Schälchen mit Deckel, zweihenkelig. 
Wien, Du Paquier, um 1730. (D 13 cm. Bemalt in 
Schwarzlot in der Art des Jacob Helchis. 
Czeslaw Bednarczyk, Kunst und Antiquitäten. 
Wien 1. Dorotheergasse 12 
10 Deutsche Walzenkrüge, Fayence. 18. Jahrhundert. 
Rupert Oberholzner. Antiquitäten, 
Salzburg. Getreidegasse 21 (Passage) 
11 Aussteuertruhe, Korea, um 1800. Ulmenholz, ziselierte 
Beschlage aus weißem Messing, lntarsien aus Perl- 
mutter. Hohe 115 cm, Breite 96 cm. Tiefe 4B cm. 
Dierk Nauert. Chinesische Kunst. 
Wien 1. Stallburggasse2 
12 Kastenkrippe mit Terrakottafiguren, Salzburg, 
1B, Jahrhundert (über 60 Figuren). Länge 77 cm, 
Breite 196 cm. Tiefe 63 cm. 
Wolfgang A. Siedler, Skulpturen und Kleinkunst, 
Wien 1, Spiegelgasse 3 
13 Josef Thoma (Wien 182m1899). "Oberer Gosauseeu, 
sign. OllLelnwand. 42 x 68 cm, 
Galerie L. T. Neumann ehem. K. u. K. Hof-Kunsthand- 
Iung 
Wien 1. Kohlmarkt 11lEcke Michaelerplatz 
14 Otto von Thoren (Wien 1828-1889 Paris) 
Sign. ÖllLeinwand. 45 x 72 crn, 
Galerie Haslauer, Salzburg. Getreidegasse 34 
15 Mahagoni-Servierwagen, Flegency. ca. 1830. Breite 
110 cm, Hohe 95 cm, Tiefe 45 crrl, 
"Blumengirlandet- Ecole Francaise, Michel Bruno Bet- 
tenge attr. (1726-1793) OllLeinwand, 85 x 45 crrl, 
Galerie beim Theresianum. 
Wien 4.. Favorltenstralie 2B 
16 Vally Wieselthier (Wien 1859-1945). --Jardiniereii, Ori- 
ginalkeramik, um 1921 voll signiert. bez. 7097 (abge- 
bildet in: Das neue Kunsthandwerk in Deutschland 
und Österreich, Alexander Koch, Darmstadt, p. 44), 
Galerie Krugerstraße 12, Wien 1. Krugerstralie 12 
rium gilt die Prüfung des Ausstellungsgutes durch eine 
fachkundige Jury. Diese sollte tunlichst unter dem Vor- 
sitz eines nicht ausstellenden Fachmannes und bekann- 
ten Kunstkenners oder Kunstwissenschaftlers stehen. 
wenn diese beiden Kriterien: veranstaltende repräsenta- 
tive Berufsorganisation und fachkundige Jury. zutreffen, 
dann ist die Veranstaltung ernst zu nehmen und berech- 
tigt zur Hoffnung. dort einwandfreie gute Objekte zu lin- 
den. Unter Anwendung dieser Kriterien fallt bereits ein 
wesentlicher Teil der oft so lautstark propagierten Ver- 
kaufsveranstaltungen als undiskutabel weg, Wer dennoch 
dort kauft. muß ein bedeutender selbständiger Kenner 
sein oder ein sehr sorgloser, leichtsinniger Kaufer. 
Es gibt ein bekanntes Bonmot: "Jeder Sammler hat den 
Kunsthandler. den er verdiente - Dies gilt besonders 
auch fur die Kunstmessen. 
In Österreich gibt es drei Kunstmessen. welche die ge- 
nannten Kriterien erfüllen: die Wiener Kunst- und Antl- 
quitatenmesse des Bundesgremiums und die beiden 
durch die Landesgremien veranstalteten Messen in Salz- 
burg und Innsbruck. KR 
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