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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 156)

Für den Kunstsammler 
Gläser des frühen 17. Jahrhunderts 1 
in Oberösterreich 
Der erste Forscher, der Obercsterreich in Zusammen- 
hang mit einer eigenen Glasproduktion brachte. war Al- 
fred Walcher von Molthein'. Es gelang ihm, iestzustellen. 
daß bernaltes bäuerliches Glas in Oberbsterreich in ver- 
schiedenen Glashütten erzeugt worden war. Erst kürzlich 
konnte Franz Carl Lipp dem Problem etwas ausführlicher 
nachgehen? Es handelt sich bei dem offensichtlich in 
Oberösterreich hergestellten Glas um eher volkstümliche 
Ausführungen. Die adelige und die bürgerliche Auftrag- 
geberschicht waren aber durchaus in der Lage. Glas aus 
den auslandischen Zentren der Glaskunst zu erwerben 
oder dort in Auftrag zu geben. Der beste Beweis dafür 
ist der im Oberosterreichischen Landesmuseum ver- 
wahrte "Schwanenstadter Fund" - der 1907 in einem 
Kauimannshaus in Schwanenstadt aufgefundene Braut- 
schatz der Sophie Prandtner aus der zweiten Hatfte des 
17. Jahrhunderts -, in dem drei hervorragende veneziani- 
sche Glaser aus der ersten Halfte des 17. Jahrhunderts 
enthalten sind ein kumrrienhaftes Millefiorischalchen mil 
liguralen Henkeln (lnv. Nr. J S05), eine Schale aus dun- 
kelblauem Achatglas tlnv. Nr. J 604) und ein Teller aus 
rotem Achatglas (lnv. Nr. J 603V. 
Es gibt allerdings ei ige Obiekte. die man mit Oberöster- 
reich in Verbindung bringen könnte, wenngleich archiva- 
lische Belege nicht vorhanden sind. Zuerst sei eine Zime- 
lie der Glaskunst erwahnt, das einzige signierte und da- 
tierte Werk von Caspar Lehmann, ein Becher fur Wolf 
Sigmund von Losenstein von 1605, heute im Kunstge- 
werbemuseum in Prag'. Zwar hat der ehemalige Münch- 
ner und spatere Prager Steinschneider Lehmann mit 
Oberosterreich nur am Rande etwas zu tun. jedoch ist 
dieser Becher fur einen oberösterreichischen Adeligen 
gefertigt, dessen Hochzeit mit Susanne von Roggendorf 
1592 in Linz im Losensteinpalais stattgefunden hat. (Woli 
Sigmund scheint eine große Vorliebe für Allianzbecher 
gehabt zu haben, ein anderes Meisterwerk dieser Art aus 
Zinn befindet sich im Oberbsterreichischen Landesmu- 
seum.) Der Glasbecher, aul dem die Wappen der Losen- 
efniri imri Rnnnenrtnrt angebracht sind. traut auch die 
1 Glasbecher. 1600. lnv. Nr. J 172. 
2 Glasbecher. 1616, lnv. Nr. J. 174. 
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