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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 157)

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einen Vorsprung auf dem Sammelgebiet der ba- 
rocken Keramik, den das Germanische Museum 
nach dem äußeren Umfang nie wieder einholen 
konnte, zumal ein öffentlicher Erwerbungsetat 
nicht vorhanden war und es in seiner Erwerbstä- 
tigkeit in erster Linie - wie noch heute - auf die 
Spenden der Mitglieder und Förderer sowie auf 
Geschenke und Leihgaben angewiesen war. Erst 
in der Zeit, als August von Essenwein (geb. 1831, 
Direktor 1866-92) dem Germanischen Museum vor- 
stand, wurden außer Fayencen auch Porzellane 
erworbeni. In diesen Jahren ging es mehr um das 
Sammeln von charakteristischen Hausgeräten, 
die als kulturhistorisch belangreich angesehen 
wurden, als etwa um die für die einzelnen Manu- 
fakturen wichtigen künstlerischen Service oder Fi- 
guren. Ein Grundstock in dieser Hinsicht wurde 
erst 1885 mit der großen Schenkung des Indu- 
striellen und Sammlers Adaibert Freiherr von Lan- 
na (1836-1909) gelegt, der dem Museum seit 1883 
bis zu seinem Tode als Verwaltungsratsmitglied 
mit Fiat und Tat zur Seite stand. Unter den zahlrei- 
chen Objekten dieser Schenkung befinden sich ra- 
re frühe Erzeugnisse sowohl der Meißner wie der 
Wiener Porzellanmanufaktur. Leider ist der Be- 
stand dieses Legats später dezimiert worden - in 
den zwanziger Jahren durch Tausch und im Zwei- 
ten Weltkrieg durch einige Verluste. Weder die 
Porzellane des Freiherrn von Lanna noch die einer 
späteren Schenkung, die der Herzoginwitwe Maria 
von Sachsen-Coburg im Jahre 1901, sind bisher 
veröffentlicht worden. 
insgesamt ist die Porzellansammlung des Germa- 
nischen Nationalmuseums gegenüber seiner 
Sammlung an Fayencen und Steinzeug zahlenmä- 
ßig recht klein geblieben, doch befinden sich nicht 
wenige Stücke von besonderem Rang und großer 
Seltenheit darunter. Während aber die Hausmaler- 
porzeilane von G.E. Pazaurek zum Teil beschrie- 
ben und die frühen Meißner Porzellane auf der gro 
ßen Münchner Ausstellung von 1966 gezeigt wur- 
den, sind allein die Wiener Porzellane des Germa- 
nischen Museums bisher - mit wenigen Ausnah- 
men - unbeachtet und nahezu unveröffentlicht 
geblieben. 
Unter den im Germanischen Museum mit zahlrei- 
cheren Beispielen vertretenen Porzellanmanufak- 
turen nimmt die zweite große europäische Manu- 
faktur, die Wiener, einen verhältnismäßig breiten 
Raum ein, wobei die hier vorzusteilenden Objekte 
wenigstens in einzelnen Punkten die Kenntnis der 
Wiener Manufakturerzeugnisse wie jene der Wie- 
ner Hausmaler erweitern und in bescheidenem 
Umfange die künstlerische Entwicklung markie- 
ren helfen. 
Wenn es richtig ist, daß die frühesten Porzellane 
der 1718 in Wien von Claudius lnnocentius DuPa- 
quier gegründeten Manufaktur vunübertrefflich 
reizvoll durch ihre edle Unvollkommenheit-r? sind, 
so trifft dies wohl am ehesten auf die flache Terri- 
ne mit den beiden Volutenhenkeln zu (Abb. 2)3. 
Das Gefäß, von noch unbeholfener, sonst nicht be 
legter Form aus gelblich-blasenreicher Masse, 
zeigt eine farbenreiche, an japanischen Vorlagen 
orientierte Blütenranke in Gelb, Grün, Rot, Blau 
und Eisenrot, im Innern einen Strauß deutscher 
Blumen. Wie die meisten DuPaquier-Porzellane 
hat die Terrine weder Marke noch Ritzzeichen. Die 
blauen Streifen auf Wandung und Lippe sind nicht 
in Unterglasurblau, sondern in Muffelfarbe 
gemalt. Auch dieser Umstand dürfte darauf hin- 
weisen, daß es sich um eines der frühesten Stücke 
der Manufaktur handelt, denn die Verwendung von 
Unterglasurblau ist bereits für die Frühzeit nach- 
gewiesen. 
Die reiche Farbpalette, den großen Zierformenvor- 
rat und die variationsfreudigen Bildinhalte der frü- 
hen Zeit bringt die große Schauplatte, deren Rand 
über pastosem Unterglasurblau Eisenrot und 
Goldmalerei zeigt (Abb. 3)4. Aus der bisher be 
kannt gewordenen Reihe ähnlich dekorierter, 
meist kleinerer Platten stellt er mit dem Vogel zwi- 
schen den vexierbildartigen Chinoiserien auf zwei 
Blättern wohl die reizvollsten Motive v0r5.
	        

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