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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 157)

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fen. Man wüßte gern, wie die kleine Porzellankol- 
Iektion ausgesehen hat, die C.l. DuPaquIer im Jah- 
re 1724 an den Nürnberger Rat sandte, dem er sein 
wArcanum- anbot. Man hat in Nürnberg das Ange- 
bot Immerhin durch die nPOICQIBIHBN der Fayence- 
fabrlk überprüfen lassen, das aber wohl an der zu 
hohen Forderung DuPaquiers gescheitert ist. lrn- 
merhln enthielt die Mustersendung des Jahres 
1724: 
1 kleines Ausspühl Nap. Blau, Weiß und Gold 
fi. 2.30 
1 durchbrochenes Chocolate Becheri 
ganz Inwendlg vergoldet mit anderen 
Farben geziret fl. 10.- 
1 durchbrochenes Caffee Schalerl 
mit einem goldenen Ranft fl. 2.30 
1 mit Purpurfarben gemahltes Gho- 
colate Becherl fl. 2.- 
1 paar Braune Theeschalen mit Silber 
und Blau fl. 2.- 
1 paar Caffee Schalen mit allerley 
Farben fl. 1.30 
1 Tobacks Pfelffe fl. 1.- 
1 Stock Knopf fi. 1.- 
1 Blau und weiß Theeschalerl, wovon 
das par 45 Kr. kostet, die ganz weisse 
aber 30 Kr. und von diesen Geschirren 
sind allerhand um grossere und gerin- 
gere Preiß in der Fabrlca zu bekom- 
men, als Schüßei, Teiler, Krtlg, er- 
haben, glat und gemahlt und nach 
dem Form, wie es ein Liebhaber 
anfriemet. 
1 par Meßer und Gabel Hefft fl. 2.- 
Summe. . fl. 24.30 
Bedauerlicherweise hat sich nur diese Aufstellung 
im Nürnberger Staatsarchiv, nicht aber die Wiener 
Porzelianprobe erhalten". Es sind vielleicht nicht 
die einzigen Stücke gewesen, die im 18.Jahrhun- 
dert aus Wien nach Nürnberg geianten, wo man 
sich allerdings auch in den gehobenen patrizi- 
schen Kreisen mit Nürnberger Fayencen, später 
mit Ansbacher Fayencen und schließlich mit Por- 
zellan aus dem nahe gelegenen Ansbach be- 
gnügte. 
Aus der Frühzeit der Staatlichen Wiener Manufak- 
tur besitzt das Museum eine Waschgarnitur, die in 
schöner Vollständigkeit Kanne, Waschbecken, 
Puder, Schwamrn- und Selfendose, Schalen, Be 
cher und Flacons enthält, wozu auch das 
originale, fein markettlerte Möbel erhalten ist 
(Abb. 10, 11W. Den plastischen Flocaillendekor 
zeigen zwar nur Gleßgefaß und -becken, aber der 
grüne Randdekor vereinheitlicht zusammen mit 
dem bisher noch unauigelosten, auf allen Teilen 
angebrachten Monogramm nPCW- das Ensemble 
zu einem Ganzen, das, neben den Kleidern und 
verschiedenen Klelnmobein des 18.Jahrhunderts 
In der neuen Kostümpassage aufgestellt, neben 
den relchhaltigeren silbervergoldeten Augsburger 
Fleiseservices veranschaulicht, was zur Morgen- 
toiiette eines wohlhabenden Wiener Stadtbürgers 
vonnöten war. Diese Toilettegarnitur ist durch die 
Marken - abwechselnd gepreßter bzw. untergla- 
surblauer Bindenschild - in die Zeit um 1749 da- 
tlert. 
Nicht In der reichen Fülle und Vielfalt wie das Wie 
ner Museum, doch wenigstens als Typus kann ei- 
nes der im 18. Jahrhundert so beliebten Dejeuners 
vorgestellt werden (Abb. 12)19. Leider fehlen Tasse 
und Untertasse; vielleicht waren es ursprünglich 
sogar zwei - so muß die Frage, ob es sich um ein 
Tete-a-tete für zwei Personen oder ein Solitaire für 
eine handelte, offenbleiben. 
Fehlen auf diesem Dejeuner auch Tasse und Un- 
tertasse, so ist doch gerade der Typus der Wiener 
SchokoIaden- und Kaffeetasse im Germanischen 
Museum reichhaltiger vertreten als von allen an- 
deren Porzellanmanufakturen. Davon seien einige 
besondere Beispiele ausgewählt und vorgestellt. 
Eine Besonderheit war schon In Ihrer Entste 
hungszelt eine mit Purpur und Gold bemalte 
Tassezo. "Ein Kaffeeservice mit Purpur und Gold 
kostete ungefähr 180 fl., während eins mit "Batail- 
lenu 90 fl. und die mit Landschaften oder Bauernfi- 
guren nur 60 fl. kostetenw, berichtet E. W. Braun". 
Unsere Tasse mit Untertasse mit Purpurmalerei 
zeichnet sich auch durch eine kostbare Goldborte 
aus. Die Hafenszene mit Leuchtturm des Tellers 
wie die Landschaftsdarstellung der Tasse folgen 
wohl niederländischen Vorbildern des 17.Jahrhun- 
derts. 
Einen etwas stutzerhaften Herrn und eine Dame in 
der modischen Tracht der ausgehenden maria- 
thereslanlschen Zeit um 1770 zeigt die Schokola- 
dentasse mit zugehörigem Teller und jeweils sehr 
fein gemaltem Goidrandiz. 
Der Manufakturperiode Konrad Sörgels von Sor- 
genthai (1784-1805), des gebürtigen Nürnberger 
Kautmannssohnes, dem das Unternehmen ent- 
scheidende Impulse verdankt, gehort bereits die 
Tasse mit Untertasse an, die jeweils die Dar- 
stellung einer klassischen Landschaft vorführen 
(Abb. 13)?! Die glatte Tasse von Zyllnderform - 
sie bildet den Haupttypus der Wiener Tasse bis in 
die Kongreß- und Biedermeierzeit hinein, mit stets 
wechselnden Dekoren - zeigt eine Vesuvland- 
schaft in Purpurmalerei mit Schwarz. Die Inschrift- 
tafel am Fiande meldet: vVue du Vessuve prlse du 
cote de Mare piano de Pouzzolesm Die Untertasse 
zeigt eine Tempelruine unter der Überschrift: nVue 
du Tempie de Venus pres de PouzzoIe(s).- Beide 
Darstellungen sind auf sehr geschmackvolle Wei- 
se mit einem Rand aus Grün, Gold und Weiß ein- 
gefaßt. Die Landschaftsdarstellungen dieses Ser- 
vices folgen einer französischen Stichfolge nVo- 
yage Pittoresqueuzi Die eingedrückte Ziffer 94 
liefert die Datierung 1794. 
Mit nur wenigen, für ein kulturgeschichtliches Mu- 
seum aber aufschlußreichen Beispielen, die erst 
den breiteren Überblick über die geschichtliche 
Gesamtentwicklung im deutschen Sprachgebiet 
erlauben, ist auch die Wiener Porzeilanplastik des 
ausgehenden 18.Jahrhunderts im Germanischen 
Museum vertreten. Aus den Anfängen der Wiener 
Staatsmanufaktur stammen die beiden Gruppen 
mit Herkules und Nessus (Abb. 14) und Herkules 
mit dem nemelschen Löwen, die der seit 1747 als 
Modeilmeister angestellte Johann Josef Nieder- 
mayer (1710-84) zusammen mit weiteren Herkules- 
gruppen nach verschiedenen älteren plastischen 
Vorlagen wohl noch vor 1750 geschaffen hat25. 
Für den eigenen Stil Niedermeyers ist die buntbe- 
malte sagen. Überwindungsgruppe charakteri- 
stisch: Sie zeigt Mars und Minerva neben Tro- 
phaen über einem am Boden liegenden Besiegten 
(Abb. 15)25.
	        
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