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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 157)

Anton Grassi, Bacchantengruppe, Biskuitporzellan, 
Wien 1785; Höhe 43 cm, Bindenschild in Unterglasur- 
blau, eingepreßt F 85 (: 1785); GNM lnv.Nr.Ke 289. 
Johann Nepomuk Schaller, Kaiser Franz I., Biskuitpar- 
zellan, W'en 1811; Höhe mit Sockel 63 cm, blauer Bin- 
denschild, bezeichnet: wJoh. Schaller Fecit 1811m; 
GNM lnv.Nr.Ke 722. 
Erfreulichere Zeitaspekte als diese Gruppe mit 
dem Erschlagenen spiegeln die reizende Früh- 
stücksgruppe mit dem Papagei am Tisch, dem 
Mutter und Kind zuschauen, wider (Abb. 16)", 
dann der freundliche Kavalier auf dem Ftocalllen- 
sockel als wPorte-montreuzß und die heitere mehr- 
figurige Schäfergruppe mit den galanten Paaren 
und dem Knaben, der im Bach Fische fängt? 
Die große figurenreiche Bacchantengruppe von 
Anton Grassi (1755-1807, als Nachfolger Nieder- 
mayers Mcdellmeister von 1784-1807) markiert 
den Übergang vom Fiokoko zum Klassizismus 
auch durch die Verwendung des kühleren, der fol- 
genden Periode angemessenen Biskuitporzeilans 
(Abb. 17)30. Aus Biskuitporzellan ist auch die Bild- 
nisbüste des österreichischen Kaisers Franz l., 
der 1804 als Franz ii. die Kaiserwürde des Hi. Flö- 
mischen Reiches Deutscher Nation niedergelegt 
hatte. Die Büste schuf Johann Nepomuk Schaller 
(1777-1842), der sie - stark unter dem künstleri- 
schen EinfluB Antonio Canovas stehend - im 
Jahre 1811 ausführte und signierte (Abb. 18)". 
Nicht überraschend ist es, daß in dieser Zeit der 
Resignation auf den sichtbaren imperatorenge 
stus verzichtet und die etwas ungewöhnliche Dar- 
stellung der Toga gewählt wurde, was wohl ganz 
im Sinne dieses bürgernahen Habsburgers die 
kühle Distanz der verschlossenen Persönlichkeit 
um einiges verringert. 
Ein eigenes, sehr anziahendes Kapitel in der Ge- 
schichte der Wiener Manufaktur nehmen die Bild- 
teller ein, bei denen Vorbilder der hohen, meist 
zeitgenössischen Kunst miniaturartig nachemp 
funden sind. Die beiden Beispiele des Germani- 
schen Museums verkörpern diese Richtung auch 
mit ihren Themen recht deutlich: Bei dem Teiler 
mit dem ovalen Medaillon, gerahmt von Goidreiief 
und Türkisstreifen, handelt es sich um wThe Birth 
ol Shakespeare-ß in Sepiamalerei. Die Vorlage bil- 
dete ein Stich nach einem Bild von Angelika 
Kauilmannü. Ähnlich verhält es sich bei dem Bild- 
teller mit dem wTod Marc Antons in den Armen der 
Kleopatrau33. Die intensiven Farben gehören der 
reichen Palette des Akademiemaiers Sigmund 
Perger (1778-1841), der den Teller auch auf der Vor- 
derseite signierte. 
Wenn sich in der Verwendung fremder Vorlagen 
auch bereits ein Nachlassen der künstlerischen 
Phantasie und der aufkommende Historismus an- 
kündigt, so bedeutet in technischer Hinsicht diese 
Phase einen markanten Höhepunkt in der Ent- 
wicklung der Wiener Porzellanmanufaktur. 
rnerkungen 17-33 
oseph Felnesrcs und Edmund wrlhelrn Braun. Geschichte der KK 
riener Porzellanmanuraklur. wlen 1907. 5.91. 
w Nr. Ke 27s1a-l.l(anne Höhe 29.2 cm. Birldenschild in Unterglaa 
urblau. Prellmarke Kreis. Waschbecken Lange 29.5 cm. Blrlderlr 
chlld in Unterglasurblau u als Preßmarke. Erwurberl1939. 
w. Nr. Ke 749. Lange der Plane 30 cm Hohe des Kafleskanncrlens 
2.5 cm. Nach lreundl. Mrnerlung von l-lerrn Dlr Dr w Mrazek 
eile eines Puppengeschirrs. Vom gleichen Maler helinden sich 
renere Slucke Im Osterr. Musr angewandle Kunsr. wien. 
w Nr Ke 2209 Hohe der Tasse 4.5 cm Durchmesser des Tellers 
2 cm. Blndenschild lrl Untelglasurblau. Erworben 1991. 
Folrleslcs u. E.W. Braun, Geschlchls der KK. wiener Porzellan- 
1arlufaktur. wlen 1907. s. 74. 
w. Nr. Ke 740. Hohe der Tasse 7 cm Durchmesser des Tellers 
0.5 cm. Blndenschild ln Unterglasurblau. Malerzeichen T eder L 
0 Erworben 1995 als Geschenk von A.v.Larlrla. Prag. 
w Nr Ke 295a. Hohe der Tasse 5.9 cm. Durchmesser des Tellers 
9.5 cm Blndenschlld in Untsrglasurblau. Weißdreherrlr a9. Er- 
lorberl 1959 
r Mrazek u.W Neuwrrrh.wrenerPorzellanl197olNr 925. Tal 97 
w Nr Ke 2202 l-lohe 29.5 cm wie des Gagenstuck Ke 2201 er- 
lorhen 1901 als Geschenk d Herzoglrlwnwe Maria v Sachsen- 
ohurg. Dle Vorlagen sind von Stefano Maderno. vgl. A. E. Erlnck- 
lannßareclr-snzzelzi Italienische larldhauensd 2. FranklurllM. 
924, Tal. 12. Weitere Herkulesgruppen von Niedermayer vgl 
r Mrazek u. w. Neuwlrlh. wiener Porzellan 11970) Nr. 290. Tal. 51. 
lle Gruppe Herkules und Arlläus lsl von Niedermayer signiert. 
w. Nr. Ke 910. Hohe 29.5 crn. Gerrrlarllscrles Nallcnalmuseum 
lurnoerg. Fuhrer durch die Sammlungen. München 1977. Nr. 479. 
w. Nr. Ke 979. l-lche 20 cm. Blndenschild in Urllerglasurblau. 
lurltrrlalerlahl 75. vgl. w. Mrazek u. w Neuwinh. wiener Porzellan 
l970l Nr 519. Ta 70. 
w. Nr. Ke 57a. Höhe 29 cm ßlndenschild irl Umerglasurblau. Era 
lorberl 1995. 
w. Nr Ke 955. Hdhe a0 cm Blndenschlld in unlerglasurhlau. Er- 
lorberl 1900. 
w. Nr. Ke 299. Hohe 43 cm. Blndenschild in Urlterglasurblau. Ein- 
epreßt F 95 795. Vgl. 95 Jahresbericht des Germanischen Na- 
enalmuseurns Nurncerg1950s 76. Abb. 35.s0wleW.Mra1eku. 
r. Neuwirth. wiener Porzellan (1970) Nr. 554. Taf. 79. 
w. Nr. Ke 722. Höhe mit Sockel es cm. Blauer Birldenschild. se- 
elchneh Joh. schaller Fecrl 1911. weilere Exemplare in lnns- 
ruck.Llr1z und TroppaurVgl. Ausslellurlgskal. .15oJahre wiener 
orlgreß. Der wiener Knngreß 1 sepremoer 1914-9. Juni 1915. 
Ilen 1995. s. 94 ir. und s. 97. Nr. 7. scwre Selma Krass-Florian. Jo- 
ann Nepomuk schaller. Wien 1977. s. 47. w.v 1a a. Abb. 19 
w. Nr. Ke 2207. Durchmesser 24.4 cm. Blauer Binderlschild. 
reßmarke 99 799. Preßmarke 19 oder 91. zahlen in Gold: so 
nd 39. Erwerhen 1901 alsGescrlenk der Herzdglnwnwe Marla von 
achsen-ceourg. - Zur Vorlage vgl Victoria Manners u G c Wll- 
amsorl, Angellca Kauffmann. R A. her l_rle and her Werks New 
ork1976l1.Aull.1924lAbb.o.Nr. 
w Nr. Ke 220a. Durchmesser 24.9 cm. Blauer lalndenschild. 
reßrrlarke 905 1905 scwle Prelirrlarke 24. Aul der vordersene 
22' Perger iec. Erworben 1999 irl wien. Abgeb. be George w 
lare. German and Ausrrlan Porcelaln Frank1ur1o..l. 1195 lAhh. so 
Xnschrift des Autors: 
lr. Klaus Pechstein 
merkonservalor am Germanischen Nationalmuseum 
Lanäusergasse 1 
1-8500 Nürnberg 11
	        

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