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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 157)

ll mit Verzierung), wgroße, pauchete Khandi, 
) ziment, Seytlziment, Zinschüßln (große, klei- 
mittlere), wZinplat, zinnen Schenckhstiefflu 
aß in Stiefelform), wSchengkhkhandl, Pecher, 
zvasselu (auch "mit einer Jungfrauenu), nZlTl- 
(h, Handvaßi, praite halb sechswochen 
ndiw, endlich jede Menge v-Zintalleru. 
diesem Reichtum an Formen ist nichts erhal- 
Jeblieben, nur bildliche Darstellungen können 
Vorstellung davon vermitteln. Während es bei 
prunkvollen Edelmetailgefäßen, die von den 
gen Drei Königen dargebracht werden, im Ein- 
ill zu entscheiden bleibt, ob hier zeitgenössi- 
! Pokale und Schatullen wiedergegeben wer- 
oder wohlgehlltete Objekte früherer Zeiten, 
schon als altehrwürdig galten und etwa beim 
inaohts- oder Dreikönigsspiel herangezogen 
len, ist die Frage bei den Zinngegenständen 
icher zu beantworten. Wenn hier fast zufällig 
intergrund einer religiösen Darstellung ein of- 
r Wandschrank mit einer Zlnnkanne und mit 
bechern, wenn auf einem Tisch neben einem 
ieller auch ein Löffel zu sehen ist, wenn auf ei- 
anderen Darstellung eine Kanne wiedergege- 
wird, dann handelt es sich um zeitgenössi- 
Produkte, wie sie dem Maler unmittelbar vor 
nannt), metallene oder hölzerne Schüsseln? 
Von den ersten Massenartikein ist nur eine ver- 
schwindend kleine Anzahl erhalten geblieben: Die 
Pligerzeichen des Mittelalters wurden in großer 
Menge hergestellt, um vom Wallfahrer entweder 
an der Kleidung befestigt oder für Freunde mitge- 
nommen zu werden. Die Ösen machten eine Ver- 
wendung als Haus oder Stallsegen, eine Befesti- 
gung an Kastenbetten oder Truhendeckeln mog- 
licn. in Österreich ist von der größten heimischen 
Marienwallfahrt ein mittelalterliches Pilgerzei- 
chen mit dem Gnadenbild und den anbetenden 
Herrschern von Ungarn und Mahren im Joanneum 
Graz erhalten geblieben: wS. Maria in cellisw - Ma- 
riazell. Von dem im Spätmittelalter so beliebten 
Walifahrerziel im Gebirge, von St. Wolfgang, lie- 
gen gegossene Zeichen mit der Darstellung des Ti- 
teiheiligen allein oder begleitet von Michael und 
Johannes vor, ebenso Gußformen (s. "alte und mo- 
derne kunstu, H. 146). Der neu kanonisierte baben- 
bergische Markgraf Leopold zog unzählige Wall- 
fahrer nach Klosterneuburg. Nur ein silbernes, ein- 
seitig geprägtes Wallfahrerzelchen aus der Zeit 
um 1490 ist erhalten geblieben. Von anderen An- 
dachtsstätten berichten nur die Urkunden: Der Li- 
lienfelder Abt erwirkte 1514 bei der römischen Ku- 
rie die Erlaubnis, bei der Kapelle in Annaberg zur 
Erinnerung für die Pilger wsigna seu insignia ali- 
qua stangnea seu plumbea-x herzustellen und zu 
vertreiben. 
Bei diesen Produkten war es kaum von 
Bedeutung, ob sie aus einer stärker bleihaitlgen 
Legierung gegossen wurden oder nicht. Auch bei 
einem Epitaphium spielte dies keine Rolle. in der 
Pfarrkircne, jetzt Domkirche zu Eisenstadt hat 
sich eine Zinnpiatte im Format 55 x 37,5 cm erhal- 
ten, auf der oben eine gravierte Inschrift den Tod 
des Herrn Velt von Fuerst, Hauptmann zu der 
Eisenstadt, kaiserlicher Rat, am 1. März 1515 mel- 
det, darunter findet sich eine zum Teil vergoldete 
und polychromierte Darstellung des knienden Ver- 
storbenen in voller Rüstung, zwischen Turnier- 
heim und Wappen mit Spangenhelm, oberhalb ein 
Marien-Gnadenbild. 
Die Kannengießer (wie die verarbeitenden Hand- 
werker oft genannt wurden) gaben zum Zinn Blei 
hinzu. Nur so war es bequem zu gießen, leichter zu 
drehen, ohne Zusatz blieb Zinn zu weich. Die ge- 
sundheitlichen Schädigungen durch Blei waren 
aber schon im Mittelalter bekannt. Strenge Be- 
stimmungen regelten daher den Prozentsatz der 
Legierung. 
Die älteste Aufzeichnung darüber ist seltsamer- 
weise im Stadtrecht von Kitzbnhel enthalten. Dies 
in standen. Hier wird man kaum im Detail den 
'uck alten Geräts haben erwecken wollen. Die 
enkunde bemüht sich um die Verbindung zwi- 
n bildlicher Wiedergabe und Oberlieferter Be 
nung, um damit in wissenschaftlicher Form 
irgeschichte des Alltags filrZeitabschnitte zu 
iben, aus denen kaum ein Bruchteil der Fülle 
ehemals Vorhandenen bis zur Gegenwart ver- 
t oder durch Ausgrabungen und Zuialisfunde 
rgen worden ist. 
akrale, kultische, magische oder abergläubi- 
Bedeutung einzelner Gegenstände iäßt sich 
iypothetisch erschließen. Was bedeutet der 
l, der oft auch als Grabbeigabe nachweisbar 
lerzierung durch Kreuz und Ornamentik laßt 
ehr als ein Eßgerät denken. Aus dem frühen 
hohen Mittelalter sind Beispiele aus Silber, 
auch aus Zinn aufgetaucht. Und was stellte 
cocleareusii her (Berufsbezeichnung eines 
ers in Kärnten 1162), gedrechselte Holziöffel 
gar gegossene Zinnlöffel mit Darstellung ei- 
irautpaares, mit Aposteifigürchen? Was pro- 
irte ein wschuziariusu in St. Polten (1391 ge- 
Meisier der Divisio Aposioiorum, Detail mit ZinnteI- 
ler und Löffel aus der i-Geburt Mariensii, um 1450, 
Wien, Osterreichische Galerie 
Meister von Maria am Gestade (7), Detail mit Zinnkan- 
ne aus einer nMadonna mit Kindii, um 1460, Kloster- 
neuburg, Stiftsgalerie 
Meister von Maria am Gestade. Detail, Wandschrank 
mit Zinnkanne und Bechern aus der Werkiindigung an 
Maria-i, um 1460, Wien, Maria am Gestade 
Pilgerzeichen aus Einsiedeln, später auf einem Reli- 
quiar verwendet, 15.Jahrhundert, Klagenfurt, Diöze- 
sanmuseum 
Jacob Ruepp (Wels), Fiatskanne der Stadt Wels, 1577, 
Wels, Stadtmuseum 
Linzar Meister von 1512, Zunftkanne der Fiiemer, 1512 
(renoviert 1659), Linz, Oberösterreichisches Landes- 
museum 
Viliacher Meister von 150011520, Schleifkanne mit go 
tischem Maßwerk und figürlichen Darstellungen, An- 
fang 16.Jahrhundert, ehemals Wien, Sammlung Fig- 
dor 
Nikias Pinzner (Freistadt), Kanne der Weberzunft mit 
graviertem Doppeladler, 1574, Freistadt, Muhlviertler 
Heimathaus 
 
will nun keineswegs besagen, daB dort ein beson- 
deres Zentrum derZinngießer war, es sind ganz im 
Gegenteil außer einer Nennung von 1586 und einer 
ZinngieBeriamille wahrscheinlich italienischer 
Herkunft an der Wende vom 1B. zum 19.Jahrhun- 
dert dort keine Vertreter dieses Handwerks nach- 
weisbar. Kitzbilhel hatte aber 1321 das Landshu- 
ter Stadtrecht erhalten, war dann 1329 an das Her- 
zogtum Oberbayern gefallen, und Ludwig von Bay- 
ern verlieh dem Ort 1338 das Stadtrecht von Mün- 
chen und den oberbayerischen Städten. in der Sat- 
zung der Zinngießer heißt es darin (Artikel 251 und 
252), daB diese wir werch sollen stellen und wur- 
chen zu dem funften, also daß das irs werchs vier- 
tail sei lauter zin und das fiJnftail pleyii; eine Aus- 
nahme bestand dann, wenn der Auftraggeber rei- 
nes Zinn verlangte oder dieses sogar zur VerfO- 
gung steilte. Wenn es sich aber um vgeschir oder 
trinkvasu handle, müsse das Verhältnis neun zu 
eins sein ("das die mischung irs zinwerchs das 
neuntaii lauters zin sey und das zehenttail pleyu). 
Diese wichtige sanltätspolizeiliche Vorschrift fin- 
det sich bei allen Ordnungen des Handwerks, sie 
In
	        

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